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Serie Meine schönsten Sporterlebnisse: Bökendorfer Fußballerin Yvonne Wegs steigt zweimal in die Bundesliga auf

Wenn das Handy endlich klingelt

Bökendorf

Mai 2008. Yvonne Hansmeier und ihre Teamkolleginnen haben nur Augen für ein einziges Handy. Als das endlich klingelt und der Anrufer auch noch ein Remis verkündet, kennt der Jubel keine Grenzen. Der Aufstieg in die Bundesliga ist perfekt.

Sylvia Rasche

Mit dem SV Bökendorf ist Kapitänin Yvonne Wegs von der Bezirksliga bis in die Regionalliga marschiert. Foto: Sylvia Rasche

„Das war ein absolutes Highlight für mich. Wir sind mit dem Herforder SV erstmals in die Bundesliga aufgestiegen und dann auch noch nach so einem spannenden Finale“, erzählt die Fußballerin, die inzwischen nicht mehr Hansmeier, sondern Wegs heißt. „Wir hatten unser Heimspiel gewonnen, waren aber auf das Ergebnis aus Gütersloh angewiesen. Dort lief das Spiel nur ein paar Minuten länger – die kamen uns endlos vor“ berichtet Wegs fast 13 Jahre später von einem ihrer schönsten Sporterlebnisse.

Eine spannende Zeit erlebt die 30-Jährige, die im Sommer 2012 zum SV Bökendorf wechselte und mit dem Verein als Kapitänin den Durchmarsch aus der Bezirksliga bis die Regionalliga mit gestaltete, auch derzeit im zweiten Corona-Lockdown. „Es geht mir gut, aber langsam wächst die Ungeduld“, sagt Yvonne Wegs. Ende Januar erwarten sie und Ehemann René ihr erstes Kind. „Es wird ein Junge“, verrät die werdende Mutter, die nach einer Pause gerne wieder mit dem Fußball beginnen würde.

„Ich lasse mir Zeit und es muss auch alles passen. Aber so ganz ohne Fußball kann ich nicht“, sagt sie – und hat in den vergangenen zwei Jahren doch schon mal einen Vorgeschmack auf eine Zeit ohne ihr liebstes Hobby bekommen.

Der damalige Trainer und heutige Vorsitzende des SV Bökendorf, Sven Schmidt (links), hat Yvonne Wegs vor acht Jahren in den Kreis Höxter geholt. Nach der Babypause möchte die 30-Jährige wieder die Fußballschuhe schnüren. Foto: Michael Risse

Im März 2019 riss sie sich bei einem Einsatz in der Futsal-Regionalliga mit dem UFC Paderborn das Kreuzband. „Ich hatte mir den Ball zu weit vorgelegt, wollte einen langen Schritt machen, da brach das Standbein weg.“ Die Hoffnung, mit einer leichteren Verletzung davon gekommen zu sein, erfüllte sich nicht.

Die Rückrunde und die Hinrunde der Folgesaison beim Regionallisten SV Bökendorf musste die technisch versierte Kapitänin abhaken. Nach erfolgreicher Operation arbeitete sie sich wieder heran, feiere ein Jahr später im Westfalenpokal ihr Comeback – doch dann kam der erste Corona-Lockdown. „Ich hatte gerade das Westfalenpokalspiel und ein Regionalligaspiel bestritten, als alles abgesagt wurde. Das war ärgerlich, weil ich mich wirklich gefreut hatte, endlich wieder spielen zu dürfen“, erinnert sich Yvonne Wegs.

Sie war zwar auch während der Verletzungspause bei allen Partien ihres Teams dabei, aber eben nicht auf dem Platz.

Seit Kindertagen ist der Fußball fester Bestandteil ihres Lebens, schnell wird sie für die Westfalenauswahl gesichtet, gewinnt den Länderpokal und bestreitet in der U15 sogar vier Länderspiele für Deutschland. Mit 16 debütiert Wegs in der zweiten Bundesliga beim Herforder SV, mit 18 steigt sie mit dem Team erstmals in die 1. Bundesliga auf. Es geht allerdings postwendend zurück in die 2. Liga und dann wieder hoch in Liga eins. Insgesamt vier Jahre in der zweiten und zwei Jahre in der ersten Bundesliga hat sie auf dem Konto, als sie sich mit 22 für die Bezirksliga und für den SV Bökendorf entscheidet.

Voller Einsatz in der Bundesliga: Hier stemmt sich Yvonne Wegs (links) in der 2 Liga gegen eine Magdeburger Gegenspielerin. Vier Jahre 2. Liga und zwei Jahre 1. Liga hat sie mit dem Herforder SV gespielt. Foto: Thomas F. Starke

„Ich wollte mehr Zeit für mein Studium und für das Privatleben haben“, begründet Yvonne Wegs ihren Wechsel – und ahnte damals nicht einmal, wohin die Bökendorfer Entwicklung führen würde. „Hätte mir jemand gesagt, dass wir heute mit Bökendorf sogar eine Liga höher spielen als Herford, hätte ich das nicht geglaubt“, sagt die Sport- und Mathelehrerin, die diesen Weg beim SVB entscheidend mitgeprägt hat.

In der Bundesliga noch in der Abwehr aktiv, funktionierte der damalige Trainer Sven Schmidt den Neuzugang zum Mittelfeldmotor um. „Ich sollte die Fäden ziehen und das Team führen“, erinnert sich Wegs und betont: „Die Mitspielerinnen haben es mir sehr leicht gemacht, haben mich super aufgenommen und mich gleich zur Kapitänin gewählt“. Von ihrer Erfahrung profitierte das ganze Team. Auch die drei Aufstiege mit Bökendorf haben für Yvonne Wegs einen besonderen Stellenwert. Vor allem der Sprung in die Regionalliga 2018. „Damit habe ich in allen Ligen gespielt, die es in Deutschland gibt“, sagt die Fußballerin.

Sportlich aktiv ist sie in ihrer Freizeit am liebsten. „Mir macht alles Spaß, was mit Bewegung zu tun hat, Ich probiere gerne neue Sportarten aus“, sagt Yvonne Wegs, die zudem Reisen zu ihren Hobbys zählt. Die Hochzeitsreise sollte sie und ihren Ehemann René, der beim Landesligisten Neuenbeken als spielender Co-Trainer Verantwortung übernimmt, eigentlich nach Südafrika führen. Doch daraus wurde coronabedingt nichts. Jetzt werden im Hause Wegs erst einmal andere Prioritäten gesetzt. Die Vorfreude auf das neue Familienmitglied ist groß.

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