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Das Sportgespräch: Horst Sündermann, Vorsitzender des Kreisjugendfußballausschusses stellt sich nach 15 Jahren nicht mehr zur Wahl.

„Der Fußball hat mich geprägt“

Kreis Höxter

„Meine Motivation für die Tätigkeit im Fußball habe ich immer aus meiner Jugendzeit genommen.“ Das sagt Horst Sündermann. Der langjährige Vorsitzende des Kreisjugendausschusses des Sportkreises Höxter stellt sich beim alle drei Jahre stattfindenden Kreisjugendtag am 7. April in Bad Driburg nicht mehr zur Wahl. Im Sportgespräch zieht der 61-jährige Höxteraner eine Bilanz und blickt voraus. Er hofft, dass der Sportkreis noch lange einen eigenen, sinnvollen Spielbetrieb für alle Altersklassen anbieten kann.

Von Günter Sarrazin

Den Ordner gibt er ab. „Am Ball werde ich aber in irgendeiner Funktion bleiben“, sagt der scheidende Kreisjugendobmann Horst Sündermann Foto: Felix Senftleben

Herr Sündermann, was sind die Gründe für Ihren Abschied? Wann haben Sie die Entscheidung getroffen?

Horst Sündermann: Nach 15 Jahren in zweiter, beziehungsweise erster Position im Kreisjugendausschuss ist es für mich an der Zeit, den Platz zu räumen. Ob als Spieler, Trainer oder Funktionär – der Fußball war in den letzten 50 Jahren immer meine größte Leidenschaft. Das wird er auch sicher bleiben, aber nur noch nebenher. Die Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren, habe ich Ende des vergangenen Jahres getroffen.

Wie gut können Sie loslassen?

Sündermann: Die Corona-Pandemie hat sicher mit dazu beigetragen, dass ich jetzt gut loslassen kann. Fünfzehn Jahre im Kreisjugendausschuss sind eine lange Zeit.

Was waren die gravierendsten Änderungen?

Sündermann: In meiner Amtszeit war wohl die Zusammenführung der beiden Sportkreise Höxter und Warburg, die im Jahr 2013 fusioniert haben, die gravierendste Änderung. Es waren plötzlich mehr Vereine im Spielbetrieb, auch waren längere Wegstrecken zu den Spielen für die Mannschaften zu bewältigen.

Wie mutig sind die Vereine bei allem mitgegangen?

Sündermann: Die Spielplangestaltung war anfangs nicht ganz einfach, wurde dann aber doch von den Vereinen sehr schnell angenommen. Dabei haben wir immer im Austausch versucht, es vielen recht zu machen. Ohne die mehrheitliche Zustimmung der Vereine ist die Arbeit des Kreisjugendausschusses gar nicht möglich.

Blicken Sie einmal zurück. Wie haben Sie persönlich als Sportler angefangen?

Sündermann: 1971 habe ich in der Knabenmannschaft der damaligen DJK Höxter mit dem Vereinsfußball begonnen und dann alle Jugendmannschaften des Vereins als Spieler durchlaufen. Fußball stand für uns an erster Stelle. Als Seniorenspieler bin ich für zwei Jahre zum VfL Höxter gewechselt. Von 1983 bis 1993 war ich aus beruflichen Gründen nicht mehr aktiv. Erst im September 1993, als ich nach Höxter zurückgekommen bin, habe ich mich wieder einem Verein angeschlossen. Zunächst war ich zwei Jahre bei den Senioren des TuS Godelheim am Ball, danach bei den Altherren des SV Höxter. 1996 bin ich durch meinen Sohn Kindertrainer beim SVH geworden. Mit ihm habe ich dann auch alle Altersklassen als Betreuer und Trainer durchlaufen. In dieser Zeit habe ich auch meinen ersten Trainerschein gemacht.

Wann haben Sie mit der Arbeit im Kreisjugendausschuss angefangen?

Sündermann: Im Jahr 2007 wurde ich vom damaligen Vorsitzenden des Kreisfußballausschusses Josef Pürschel angesprochen, ob ich mir nicht eine Tätigkeit im Kreis vorstellen könnte, denn ich würde ja immer über die Entscheidungen der Funktionäre wettern. Daher könnte ich ja selber mit entscheiden und es besser machen. Gesagt, getan. So wurde ich im April 2007 als stellvertretender Kreisjugendobmann in den Kreisjugendausschuss gewählt. Einige Zeit nach dem Zusammenschluss der beiden Sportkreise wurde ich dann Vorsitzender des Kreisjugendausschusses.

Was war Ihre Motivation?

Sündermann: Meine Motivation für dieser Tätigkeit habe ich immer aus meiner eigenen Jugendzeit genommen. Alles was ich über den Fußball erleben durfte – Freundschaften, Spaß, Erfolge, Misserfolge – hat mich geprägt und das versuche ich weiterzugeben.

Wie sind Sie in den zurückliegenden zwei Jahren durch die Corona-Pandemie gekommen? Sie persönlich und auch in der Zusammenarbeit mit dem Ausschuss und mit den Vereinen.

Sündermann: Die Pandemie war und ist wohl für alle Menschen ein sehr einschneidendes Erlebnis und wird uns noch länger begleiten. In meiner Funktion als Vorsitzender des Kreisjugendausschusses hat sie sehr viel Ungewissheit mit sich gebracht. Zum Beispiel mit den Fragen, wann und in welcher Form es wieder losgeht. Sie hat aber auch für viel mehr Ruhe gesorgt. Es gab kaum noch Fragen der Vereine per Mail oder Anrufe zum Spielbetrieb oder ähnlichen Dingen. Das war anfangs schon sehr ungewohnt. Die Arbeit des Kreisjugendausschusses wurde weniger und zwischenzeitlich waren Kontakte nur per Mail oder Videokonferenzen möglich. Die Vereine sind sehr unterschiedlich durch diese Zeit gekommen. Je nach Einsatz der Übungsleiter und Motivation der Spieler wurden Angebote gemacht und einzeln umgesetzt.

Was behalten Sie in guter Erinnerung?

Sündermann: In guter Erinnerung werden mir die Menschen bleiben, die ich durch meine Tätigkeiten kennen- und schätzenlernen durfte.

Gibt es Ereignisse, Entscheidungen und Entwicklungen, die besonders an Ihrer Motivation gezehrt haben?

Sündermann: Demotivierend waren oftmals Entscheidungen und Enthüllungen der höheren Ebenen, wie DFB und FIFA. Die Tätigkeiten im Ehrenamt auf Kreisebene wurden dadurch nicht einfacher. Besonders die Fälle von Korruption ärgern mich maßlos.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Sündermann: Mein Nachfolger sollte immer die Wünsche der Vereine im Auge behalten, aber trotzdem auch Neuerungen vorantreiben.

Wo sehen Sie den Jugendfußball im Sportkreis Höxter in fünf und in zehn Jahren?

Sündermann: Das ist sehr schwierig einzuschätzen. Wir haben ja schon länger rückläufige Mannschaftszahlen und immer größere Spielgemeinschaften, sprich Zusammenschlüsse aus immer mehr Ortschaften. Was jetzt noch durch Corona geschieht, muss man sehen. Ich hoffe, dass der Sportkreis Höxter noch lange einen eigenen, sinnvollen Spielbetrieb für alle Altersklassen anbieten kann.

Werden Sie weiter auf heimischen Sportplätzen unterwegs sein oder gehören die freien Wochenenden nun ganz der Familie?

Sündermann: Ich werde ganz sicher auf irgendeine Art auch dem Vereins- und Kreisfußball erhalten bleiben, nur nicht mehr an erster Stelle.

Kreisjugendtag in Bad Driburg

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