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Meine Corona-Pause: Carolin Böttcher, Torhüterin und Kapitänin des Fußball-Landesligisten SV Ottbergen-Bruchhausen

„Fast wie eine zweite Familie“

Ottbergen (WB). Carolin Böttcher erinnert sich noch genau: „Wir haben 25 Gegentore in einem einzigen Spiel kassiert.“ Das ist lange her. Und glücklicherweise hat das junge Mädchen im Tor die Handschuhe auch anschließend weiter angezogen. Heute gilt Carolin Böttcher vom Landesligisten SV Ottbergen-Bruchhausen als beste Torhüterin des Kreises Höxter.

Sylvia Rasche

Carolin Böttcher weist den Weg: Die 27-Jährige ist Torhüterin und Kapitänin bei SV Ottbergen-Bruchhausen. Foto: Sylvia Rasche

Die hohe Niederlage war eines der ersten Spiele der damals neu gegründeten Mädchenmannschaft in Ottbergen beim TuS Bad Driburg. „Ich hatte vorher schon bei den Jungs gespielt und da waren wir in der Liga meist vorne dabei. Da waren die Anfänge mit den Mädchen schon manchmal hart“, lacht die 27-Jährige im Rückblick. Mit vier Jahren begann sie bei den Minikickern, seit der F-Jugend steht sie im Tor. „Das ist meine Position. Ich fühle mich wohl zwischen den Pfosten“, berichtet Carolin Böttcher. „Man kann zwar vorne nicht die Spiele entscheiden, aber hinten mit guten Reaktionen helfen.“

Mit 16 wechselte sie in die Damen-Mannschaft, gleich im ersten Jahr stieg das Team aus der Kreisliga in die Bezirksliga auf – nach zwei Entscheidungsspielen. „Wir hatten das erste Entscheidungsspiel im Elfmeterschießen gewonnen. Dem Schiedsrichter war aber ein Formfehler unterlaufen, daher mussten wir noch mal antreten und haben dann in 90 Minuten gewonnen“, berichtet Böttcher. Nach zwei Jahren ging es in die Landesliga, nach drei weiteren Jahren in die Westfalenliga. Dort endete der Höhenflug allerdings vorerst.

„Wir haben eine gute Hinrunde gespielt, hatten in der Rückrunde aber auch viel Pech mit Verletzungen und sind wieder abgestiegen“, berichtet Carolin Böttcher. Sie selbst spielte noch ein weiteres Jahr in der vierthöchsten deutschen Frauenliga, wechselte für eine Saison zum SV Bökendorf. „Ich wollte es einfach noch mal wissen. Besonders schön fand ich, dass mehrere Mitspielerinnen aus Ottbergen an spielefreien Wochenenden oder im Westfalenpokal unter der Woche als Zuschauer nach Bökendorf gekommen sind“, so die Betriebswirtin, die beim OWL-Hallencup der besten Frauenfußballteams Ostwestfalens dreimal als beste Torhüterin ausgezeichnet worden ist.

Während des ersten Corona-Lockdowns hat Carolin Böttcher zusammen mit einigen Fußball-Teamkolleginnen viel Zeit auf dem Tennisplatz verbracht und auch diesen Sport für sich entdeckt. Das Foto zeigt von links: Jessica Bobbert, Katharina Wetzel, Julia Oebbeke, Leonie Holtemeyer, Carolin Böttcher, Mariella Oebbeke und Coach Uwe Schmidt. Foto:

Man verbringe so viel Zeit mit dem Team, dass es fast so etwas wie eine zweite Familie geworden sei. „Wir sind in Ottbergen über Jahre gewachsen, haben Höhen und Tiefen zusammen erlebt. So etwas verbindet“, sagt die Kapitänin, die sich nach einem Bandscheibenvorfall zurück kämpfte. „So ganz bin ich noch nicht wieder bei meiner alten Form“, sagt sie selbstkritisch, gehört mit ihrem Team aber zu den Top-Adressen der Landesliga. Zweimal in Folge hätte der SV Ottbergen-Bruchhausen zuletzt in die Westfalenliga zurückkehren können, hat sich zweimal aber nach internen Diskussionen dagegen ausgesprochen. Carolin Böttcher steht hinter dieser Entscheidung: „Ich finde, dass man nur als Meister aufsteigen sollte. Nur dann hat man es auch wirklich verdient“, betont die Torhüterin. Die aktuelle Corona-Pause kam ihrer Mannschaft nicht ungelegen. „Wir haben mit einigen Verletzungen zu kämpfen. Jetzt können sich alle mal wieder regenerieren“, sagt die 27-Jährige, freut sich aber auch, wenn es endlich wieder auf den Platz geht.

Kurz gefragt

Lauf oder Krafttraining: Die Mischungs macht´s. Obwohl ich Torhüterin bin, gehe ich schon am liebsten laufen. Da kann man schnell vom Alltag abschalten.

Bringdienst oder selber kochen : In der Woche koche ich gerne selber. Ich achte dabei darauf, dass es gesund und ausgewogen ist, trotzdem ist auch mal ein Nudelauflauf dabei. Am Wochenende ist dann eher der Bringdienst angesagt. Wenn ich sonntags vom Fußball komme, habe ich meist keine Lust mehr, selbst zu kochen.

Podcast oder Buch: Im Urlaub am Strand gerne auch mal ein Buch. Im Alltag aber am liebsten Podcast. In der ersten Corona-Pause haben die beiden ehemaligen Fußball-Nationalspielerinnen Anja Mittag und Josephine Henning den Podcast „Mittag´s bei Henning“ ins Leben gerufen. Manchmal laden sie auch internationale Gäste ein. Das ist aktuell mein Lieblingspodcast.

Playstation oder Netflix: Definitiv Netflix. Gerade an den jetzt freien Wochenenden nutze ich die Zeit und gucke ein paar Serien. Ab und zu zocke ich aber auch mal eine Runde Fifa an der Playstation.

Spotify oder Radio: Spotify auf dem Weg zur Arbeit. Ich höre gerne deutschen Pop oder auch die aktuellen Charts. Im Homeoffice läuft aber oft das Radio.

Lieblings-Internetseite: Die habe ich nicht. Ich lese morgens Zeitung und informiere mich da. Tagsüber bin ich dann auch mal auf den Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Twitter unterwegs.

Sportlerbiografie: Ich habe die Biografie von Nadine Angerer gelesen. „Im richtigen Moment. Meine Story.“ Ein klasse Buch. Die ehemalige Nationaltorhüterin ist eine starke Frau, die sich nicht anpasst. Ihr Beispiel zeigt auch, dass man Erfolg haben kann, wenn man gegen den Strom schwimmt.

Corona-Rituale: In der ersten Corona-Fußballpause habe ich mit dem Tennis begonnen. Das war so ziemlich der erste Sport, den man wieder ausüben durfte. Das hat Spaß gemacht. Mit dabei waren auch einige Teamkolleginnen vom Fußball. Wir haben auch schon ein erstes, kleines Hobbyturnier gespielt. Außerdem gehe ich in der Corona-Zeit mehr spazieren.

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