Meine Corona-Pause: Warburgs langjähriger Abwehrchef Max Schonlau hat sich mit seinem beruflichen Wechsel nach Thüringen aus der Ersten des Fußball-A-Ligisten verabschiedet

Folgt dem leisen Abschied ein Comeback?

Warburg

Seine Fußballschuhe liegen im Keller seiner Wohnung in Warburg. Seit mehr als einem Jahr hat Max Schonlau sie nicht geschnürt. Und vielleicht bleibt es dabei. Der langjährige Abwehrchef wollte sich mit Ablauf der Saison 2019/2020 aus der ersten Mannschaft des Warburger SV verabschieden, doch Corona durchkreuzte seine Pläne. „Tatsächlich habe ich am 8. März 2020 mein letztes Spiel gemacht. Ein 4:4 gegen Lüchtringen in einem Testspiel“, sagt der 28-Jährige, der als Spieler und junger Trainer einige Erfolge feierte.

Günter Sarrazin

Die Situation ist geklärt: Max Schonlau (Mitte) schirmt in einem Bezirksligaspiel gegen Mastbruch den Ball vor dem Gegner ab. Foto: Sylvia Rasche

Im Januar vorigen Jahres, also während der Winterpause, teilte er Trainer Jürgen Voss und dem Vorstand mit, dass er aus beruflichen Gründen ab dem Sommer nicht mehr zur Verfügung steht. Dabei hatte er eine ganz normale Rückrunde vor Augen. „Corona war zu dem Zeitpunkt höchstens ein Gerücht“, sagt er. Mit dem vorzeitigen Saisonende wurde es nichts mit einem Abschied nach einem offiziellen Meisterschaftsspiel. „Irgendwann im April habe ich gedacht, dass die Saison nicht zu Ende geführt wird“, macht er in seiner ruhigen und sachlichen Art nicht viele Aufhebens davon.

„Corona ist für niemanden schön. Der Amateurfußball ist da zweitrangig“, sagt der Heidenheim-Fan, der leidenschaftlicher Fußballer bleibt. Kein Wunder, wenn man von Kindheitstagen an auf dem Sportplatz zu Hause ist. Sein Großvater Konrad Schonlau hat ihn am Tag seiner Geburt bei den Sportfreunden 08 angemeldet. „Von daher hatte ich ja keine andere Wahl“, schmunzelt Schonlau, der mit fünf Jahren mit dem Fußball im Verein begonnen hat.

Mit seinen Teamkollegen Leonard Adam und Valentin Gleibs ist er weiter in Kontakt. Um fit zu bleiben und als Ausgleich zum Beruf, spielt er hin und wieder Tennis (beim TC 85 Dössel) und geht zwei- bis dreimal in der Woche Laufen. „Die Donnerbergrunde in Warburg kenne ich mittlerweile sehr gut“, sagt er. Und in seiner neuen Wahlheimat Pößneck, wo er seit dem 1. August vergangenen Jahres arbeitet und wohnt, läuft er durch die dortigen Wälder.

„Weil ich wusste, dass es für mich beruflich von Gütersloh nach Pößneck geht, habe ich meinen Abschied beim Warburger SV angekündigt“, blickt Schonlau auf Nachfrage noch einmal zurück. In der mit rund 10.000 Einwohnern größten Stadt des thüringischen Saale-Orla-Kreises ist der Betriebswirt als Leiter Kundenmanagement Deutschland bei GGP Media tätig, das zur Bertelsmann Printing Group, Europas größter Druckereigruppe, gehört. „Wir sind für die Betreuung unserer deutschen Verlagskunden zuständig. Wir drucken Bücher für die Verlage, die sie dann an den Buchhandel ausliefern“, erläutert Schonlau.

„Vom Fußballer zum Bücherwurm?“ Bei dieser Frage lächelt er. „Durch den Wegfall des Fußballs ist es schon deutlich weniger Sport bei mir geworden. Und am Tag gehen viele Bücher durch meine Hände“, erklärt der 1,89 Meter große Abwehrorganisator, der als Jugendspieler mit Warburg drei Aufstiege feierte. Nach dem jeweilgen Sprung in die C- und in die A-Junioren-Bezirksliga war der Aufstieg in die A-Junioren-Landesliga der Höhepunkt. „Diese Erfolge sind allesamt das Ergebnis der hervorragenden Arbeit unseres langjährigen Trainerduos Ludger Krull und Torsten Arendes“, betont Schonlau, dass die beiden seine besten Trainer waren. Dazu zählt er auch Burkhard Sturm. „Unter seiner Regie bin ich Seniorenspieler geworden.“ So lief Schonlau, der ansonsten immer für Warburg spielte, in der Saison 2012/2013 für die SG Wettesingen/Breuna auf, wo Sturm ein Jahr als Trainer fungierte.

Schon als Jugendlicher übernahm Max Schonlau selbst Verantwortung als Coach. In der Spielzeit 2013/2014 führte er Warburgs C-Jugend zum Bezirksliga-Klassenerhalt. „Im zweiten Jahr sind wir leider abgestiegen.“ 2016/2017 gelang ihm mit der A-Jugend, die inzwischen mit dem FC Germete/Wormeln kooperierte, sein erster Aufstieg als Trainer.

Jubel und Enttäuschung erlebte er auch im Seniorenbereich. Als „bittersten Moment als Spieler“ bezeichnet er den in der Aufstiegsrelegation verpassten Wiederaufstieg in die Bezirksliga in der Serie 2013/2014. Nach dem vorherigen Rückzug wurden die 08er in souveräner Manier Meister der A-Liga Süd des neuen gemeinsamen Sportkreises Höxter. „Nachdem wir in der Liga kein Spiel verloren hatten, mussten wir in der Relegation im Hinspiel eine 0:3-Niederlage hinnehmen. Auch das Rückspiel in Warburg ging verloren“, erinnert sich Schonlau. „Dafür sind wir im folgenden Jahr aufgestiegen“, blickt der damalige Kapitän zurück. „Die Saison 2015/2016 mit der Aufstiegsrunde zur Landesliga war das nächste Highlight, auch wenn ich zu der Zeit verletzt war“, führt er aus. Warburg hatte in der Bezirksliga eine super Saison gespielt und war hinter Brakel Vizemeister geworden.

Im Herbst 2016 begann mit 24 Jahren Max Schonlaus Zeit als Spielertrainer der Warburger Ersten. Die Blau-Weißen hatten sich von dem erst im Sommer verpflichteten Oliver Roggensack getrennt. In der Rückrunde übernahm Dirk Lotzgeselle die Mannschaft. Zur Saison 2017/2018 wurde Max Schonlau Cheftrainer. Unvergessen: Am letzten Spieltag schaffte seine junge Elf aufgrund des besseren Torverhältnisses den Bezirksliga-Klassenerhalt.

Max Schonlau kennt das Gefühl, pausieren zu müssen. Wenn man wegen einer langwierigen Verletzung zum Zuschauen gezwungen ist, sei es aber etwas ganz anderes als jetzt, da der komplette Spielbetrieb ruht, betont er.

Nach ereignisreichen Jahren ist sein Abstand zum Fußball durch den beruflichen Wechsel nach Thüringen und die Corona-Pause größer geworden. „Generell hätte ich schon Lust, wieder anzufangen. Doch neben der Pandemie, dem Beruf und der Verletzungsgefahr spricht auch der Zeitaufwand, um wieder fit zu werden, dagegen“, sagt Max Schonlau. Bleibt es also bei dem leisen Abschied, oder holt er doch noch einmal seine Fußballschuhe aus dem Keller und kehrt als Spieler auf den Sportplatz zurück? „Wenn Torsten, Ludger oder Burkhard noch einmal eine Mannschaft übernehmen würden, würde ich dort zu Fuß hingehen“, sagt er. Dabei denkt er noch einmal an die tolle Zeit zurück und zeigt seine enge Verbundenheit mit diesen drei Trainern.

Kurz gefragt

Lauf- oder Krafttraining: Beides macht mir nicht so richtig Spaß. Ich habe schon mit Online-Workouts von Pamela Reif Erfahrung gesammelt, würde mich aber trotzdem für Lauftraining entscheiden. Das findet an der frischen Luft statt.

Bringdienst oder selbst kochen: Soweit es die Zeit und meine begrenzten Kochkünste erlauben: selber kochen. Leider wird es doch zu häufig der Bringdienst.

Playstation oder Netflix: Eindeutig Netflix. Ich bin überhaupt kein „Zocker“.

Podcast oder Buch: Beim Autofahren höre ich gerne Podcasts. Ich lese aber auch gerne, gerade durch meine berufliche Verbindung, Bücher.

Spotify oder Radio: Das hält sich bei mir die Waage. Radio höre ich vor allem aufgrund der Nachrichten und der Verkehrsmeldungen. Musik und Podcasts meistens über Spotify.

Lieblingsseite im Internet: Da Fußball für mich weiterhin die schönste Nebensache der Welt ist, gucke ich am liebsten auf der Seite des Sportmagazins Kicker.

Sportlerbiografie: Beeindruckt hat mich die Biografie von Andre Agassi. Die Schilderung seiner Karriere beschreibt erstaunlich offen die Schattenseiten des Profisports.

Corona-Rituale: Eigentlich will ich mich gar nicht an Corona gewöhnen, deswegen habe ich keine Rituale. Allerdings bin ich wahrscheinlich noch nie so häufig spazieren gegangen wie in der Corona-Zeit.

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