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Meine Corona-Pause: Holger Haueisen ist stolz auf die Entwicklung des SV Bredenborn im Breitensport.

„Ich bin leidenschaftlich gern Vorsitzender“

Bredenborn

Holger Haueisen steht mit seinem Fahrrad im Eichenwaldstadion in Bredenborn. Der langjährige Vereinschef und frühere Jugendobmann des SV Germania Bredenborn schaut vier- bis fünfmal in der Woche am Sportheim und Sportplatz nach dem Rechten. „Ich bin leidenschaftlich gern Vorsitzender“, sagt der 62-jährige Familienvater, der aus Thüringen stammt und seit 1990 in Bredenborn wohnt, mit einem zufriedenen Lächeln.

Günter Sarrazin

Holger Haueisen ist begeisterter Hobby-Radfahrer. Mehrmals in der Woche schaut der Vorsitzende am Sportplatz in Bredenborn nach dem Rechten. So wie hier kurz vor dem Wintereinbruch. Foto: Privat

„Das Besondere in unserem Verein ist der Zusammenhalt. Man hilft sich untereinander. Man braucht Leute nur ansprechen, dass eine Arbeit, ansteht – ruckzuck sind welche da“, spricht er von einer großen Familie. Der Gemeinschaftsgedanke sei nicht nur im Sportverein, sondern in allen Vereinen des 1500 Einwohner zählenden Ortes und im gesamten Dorf ausgeprägt.

So hat der SV Bredenborn auch im ersten Coronajahr neue Wege beschritten und eine neue Gruppe gebildet. 2020 ins Leben gerufen wurde eine E-Bike-Gruppe. Premieren gab es mit der ersten Sportabzeichenaktion und dem ersten Boule-Aktionstag der Germanen. Beide sollen zu festen Punkten im Jahresprogramm des 555 Mitglieder zählenden Vereins werden. Während der Zeit der Lockerungen der Coronaschutzverordnung war zudem die Modernisierung der Grillhütte am Sportplatz durch die Seniorenfußballer ein weiteres Beispiel für den guten Zusammenhalt und die Einsatzfreude der Schwarz-Gelben.

Die E-Biker treffen sich Mittwochvormittags, um Touren zu unternehmen. „Ausflugsziele haben wir im schönen Weserbergland reichlich vor der Tür“, sagt Haueisen. Gern würde er mitfahren. Doch aus terminlichen Gründen passe es nicht, erklärt der selbstständige Versicherungskaufmann. Er ist ebenfalls ein begeisterter Radfahrer. „Sonntags fahre ich regelmäßig schon um 6 Uhr morgens los“, berichtet er. Pünktlich zurück von seinen Touren ist Haueisen, der seit 2013 an der Vereinsspitze steht, zu den Spielen der Seniorenfußballer der Germanen.

Stolz blickt er auf die besondere Entwicklung des Traditionsvereins im Breitensport. „2018 haben wir zwei Gruppen für junge Frauen und unsere Rehasportabteilung gegründet. Inzwischen sind Kinderturnen, Mutter- und Kindturnen, die Männergruppe Crossfit sowie Boule und die E-Biker hinzugekommen “, berichtet der frühere Jugendobmann (1999 bis 2009).

Der Rehasport im SV Bredenborn ist ein Renner. In fünf Gruppen sind insgesamt fast 100 Frauen und Männer aktiv. „Es sind nicht nur Bredenborner dabei, sondern auch Sportler und Sportlerinnen aus den umliegenden Ortschaften. Bis nach Horn-Bad Meinberg“, betont Holger Haueisen.

Begeistert berichtet er auch von der guten Zusammenarbeit im Vorstand. „Wir haben alle das schwarz-gelbe Herz. Wir ticken gleich und versuchen immer, im Interesse des SV Bredenborn unsere Führungsarbeit so gut wie möglich zu machen. Das macht viel Spaß“, sagt er. Es werde auch mal kontrovers diskutiert. „Und man sagt sich auch mal die Meinung.“ Am Ende ziehen alle an einem Strang – für Germania.

Die größten Erfolge des Vereins sind der dritte Platz beim Zukunftspreis 2019 des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) und die im Oktober 2020 erfolgte Auszeichnung „Sterne des Sports“ durch den Deutschen Olympischen Sportbund. Darauf ruhen sich die Bredenborner nicht aus. Bei der NRW-Sportehrenamttour 2021 des Landessportbundes sind sie ein Ausrichter. Geplant ist die kreisweite Veranstaltung für das dritte Quartal. „Unser Motor bei all diesen Dingen ist Christof Müller“, stellt Haueisen heraus.

Langfristig geplant haben die Führungskräfte auch das 100-jährige Vereinsbestehen, das dieses Jahr mit mehreren Veranstaltungen gefeiert werden sollte. Ob Sponsoren-Brunch, Tennis-Turnier, Breitensport-Tag, Jugendfußball-Turnier oder ein Altherren-Fußballturnier mit anschließender Oldieparty – sie werden ebenso wie der Höhepunkt, der am 6. Juni geplante Festakt, aufgrund der Corona-Pandemie auf 2022 verlegt. „Die Gesundheit steht im Vordergrund. Es soll ein unbeschwertes Fest sein und wir wollen es mit möglichst vielen Leuten feiern“, sagt Holger Haueisen. Als neuer Termin für den Festakt ist der 21. Mai nächsten Jahres vorgesehen, teilt er einen aktuellen Vorstandsbeschluss vom ges-trigen Sonntag mit. Der 21. Mai 1921 ist das Gründungsdatum des Vereins.

Wie geplant soll das Jubiläumsbuch der Germanen dieses Jahr erscheinen. „Voriges Jahr im Sommer haben wir damit begonnen, Fotos, Berichte und mehr zusammenzutragen“, sagt der Vorsitzende, dass eine Gruppe von Chronisten und Zeitzeugen viel Arbeit investiert hat. „Das Buch umfasst fast 400 Seiten von den Anfängen des Vereins bis heute. Auch manche Anekdote wird darin beschrieben“, rührt Holger Haueisen bereits die Werbetrommel.

Ein unvergessenes, persönliches Datum für ihn ist der 24. September 1990 – sein erster Arbeitstag in der Bäckerei Krome in Bredenborn. 2008 musste der gebürtige Weimarer aus gesundheitlichen Gründen mit der Arbeit als Bäckermeister aufhören. „So habe ich mit 52 Jahren noch einmal zwei Jahre lang die Schulbank gedrückt und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht. Gott sei Dank hatte ich seit schon nebenberuflich in der Versicherungsbranche gearbeitet“, blickt er zurück.

„Thüringen ist meine Heimat und Bredenborn ist mein zu Hause. Hier fühle ich mich wohl, hier fühlt sich meine Familie wohl“, sagt der Fan des FC Bayern München und des FC Carl Zeiss Jena. Zu den Heimspielen des früheren DDR-Oberligisten ist er als Jugendlicher regelmäßig mit seinem Moped gefahren. „Die Stehplatzkarte kostete damals 1,10 DDR-Mark, die Sitzplatzkarte 1,60 DDR-Mark“, weiß er noch ganz genau.

Das Backen ist seine Leidenschaft geblieben. Am Freitagnachmittag hat er Thüringer Kuchen mit Keksen, Buttercreme, Rum und Schokolade gebacken. Das richtige Rezept hat auch der SV Germania Bredenborn längst gefunden. Mit Zusammenhalt, Gemeinschaftssinn und Einsatzfreude blicken die Schwarz-Gelben optimistisch in die Zukunft.

Kurz gefragt:

Lauf- oder Krafttraininig: Keines von beiden. Lieber fahre ich mit dem Fahrrad oder gehe durch die schöne Natur spazieren.

Bringdienst oder selber kochen: Auf jeden Fall selber kochen und backen. Als gelernter Bäcker bevorzuge ich das Backen. Dabei ist es egal, ob Christstollen oder Kuchen. Es macht immer noch viel Spaß, wenn dann die gut riechenden Gebäcke aus den Ofen geholt werden und das ganze Haus danach duftet.

Playstation oder Netflix: Nichts von beiden. Einfaches Fernsehen reicht mir aus.

Podcast oder Buch: Auch hier nichts von beiden.

Spotify oder Radio:  Ich bin Radiohörer. Am liebsten Hochstift und samstags Fußball-Bundesliga auf WDR 2.

Lieblings-Internetseite: Eine Lieblingsinternetseite habe ich nicht. E-Mails öffnen, bearbeiten und schreiben sind mein Einsatz im Internet.

Sportlerbiografie: Eine Biografie eines bekannten Sportlers habe ich noch nicht gelesen. Im Fernsehen habe ich die Schweinsteiger-Biografie gesehen. Das war sehr interessant.

Corona-Rituale: Da habe ich keine und will es auch nicht. Ich hoffe, dass die Pandemie so schnell wie möglich besiegt wird, damit wir wieder unseren geliebten Sport betreiben können.

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