1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Hoexter
  6. >
  7. „In der Natur vom Alltag abschalten“

  8. >

Sieben-Kontinente-Sportserie: Interview mit Organisator Jan Braun zum Start der zweiten Runde

„In der Natur vom Alltag abschalten“

Kreis Höxter

Der Europalauf mit dem Schwerpunktland Schweiz der Sieben-Kontinente-Sportserie startet an diesem Samstag mit gleich mehreren Neuigkeiten. Vor der zweiten Runde über die sieben Kontinente erklärt Organisator Jan Braun im Interview, auf was sich die Teilnehmer freuen dürfen.

Sylvia Rasche

„Schlechtes Wetter gibt es nicht“, sagt Jan Braun, Organisator des 7CRuns. Er ist vorwiegend als Trailrunner in der Serie unterwegs und freut sich auf den Start an diesem Samstag. Foto: Braun-Vision, Michael Tran

Herr Braun, alle sieben Kontinente sind absolviert und damit ist das eigentliche Ziel des vergangenen Sommers erreicht. Was hat Sie bewogen, einen zweiten Durchgang zu starten?

Jan Braun: Der 7CRun ist eine Erfolgsgeschichte, darum haben wir gar nicht darüber nachgedacht, nach der ersten Runde aufzuhören. Es ging vielmehr darum, das bekannte Format beizubehalten und gleichzeitig innovativ zu sein, damit es weiter attraktiv bleibt. Ich bin überzeugt, dass uns das gelungen ist.

Sie sind nicht nur der Ideengeber, sondern auch Athlet und haben in der ersten Serie mit Radfahren, Laufen und Trailrunning drei Sportarten absolviert. Was hat Ihnen am besten gefallen und warum?

Braun: Trailrunning – und zwar mit großem Abstand. Das Trailrunning ist auch für mich neu gewesen. Es ist total entspannend, weil man sich auf den Trails sehr stark konzentrieren muss und daher den Kopf viel schneller frei bekommt als bei Läufen auf der Straße. Im Wald kann ich den Alltag total ausblenden. Man wird süchtig nach der Bewegung in der Natur.

Sie haben Neuerungen für die zweite Kontinente-Runde angekündigt. Worauf dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Braun: Es gibt zwei neue Jahres-Challenges, einmal eine Competition-Serie und eine Schritte-Serie. Außerdem planen wir eine eigene Serie für Kinder.

Die beiden neuen Jahres-Challenges knüpfen an die Trailrunning-Wertung an, die ja noch bis Ende März läuft. Wie wird das angenommen?

Braun: Sehr gut. Das Trailrunning war der Test. Wir wollten sehen, wie die Teilnehmer die Wertungen annehmen, wenn es nicht mehr ein Neun-Tage-Zeitraum ist, sondern kontinuierlich gewertet wird. Das kommt gut an und sorgt für zusätzliche Motivation.

Wie ist die Schritte-Wertung zu verstehen? Setzen Sie auf Bewegung im Alltag oder auf Läufer/Walker/Wanderer?

Braun: Wir setzen auf zwei Zielgruppen. Die Menschen, die im Beruf viel auf den Beinen sind und die Senioren. Eine Friseurin hat uns auf die Idee mit der Schritte-Wertung gebracht. Sie hat berichtet, dass sie den ganzen Tag im Salon unterwegs ist und dabei mehr als 12000 Schritte zurücklegt. Die werden wir in Kilometer umrechnen. Dazu kommen die Senioren, die nicht wandern oder walken wollen, aber eben gerne zu Fuß unterwegs sind. Mein Vater ist 81 Jahre alt und hat sich jetzt auch eine Uhr mit Schrittzähler angeschafft, weil er gerne mitmachen möchte. Solche Schrittzähler sind bei Senioren weit verbreitet.

Die Competition-Serie geht in eine ganz andere Richtung. Hier haben Sie offenbar die schnelleren Läufer im Visier?

Braun: Ja. Die ersten Läufe sind ja auch für 2021 schon wieder abgesagt. Auf echte Wettkämpfe müssen die Athleten also weiter warten. Wir richten uns mit dieser Challenge an Läufer, die aufs Tempo drücken wollen. Die hat unsere bisherige Breitensportformel nicht so angesprochen. Dabei denken wir nicht unbedingt an Läufe auf der Bahn, sondern auch an Aktivität in der Natur, daher gibt es einen Bonus für Höhenmeter.

Was haben Sie sich für die Kinder ausgedacht?

Braun: Es gibt sechs verschiedene Disziplinen: Laufen, Radfahren, Inlineskaten, Wandern, City-Scooter und Waveboard. Gewertet wird in drei verschiedenen Altersklassen. Mitmachen können Kinder zwischen acht und 14 Jahren. Gerade für die Kinder wir aktuell wenig angeboten. Sie vermissen ihren normalen Sport und den Schulsport am meisten. Auch eine eigene kleine Kindermedaille als Anerkennung für die Teilnehmer ist bereits in Arbeit. Wir hoffen, dass wir es mit der Programmierung noch kurzfristig an diesem Wochenende hinbekommen. Wenn nicht, sind die Kinder aber in jedem Fall ab der Nordamerika-Serie Ende Februar mit der eigenen Wertung dabei. Teilnehmen dürfen sie ja jetzt schon beim 7CRun.

In der ersten Kontinente-Serie haben alle Sportler zusammen mehr als 16 Mal den Globus umrundet. Haben Sie eine Vorstellung, was Sie im zweiten Durchgang erreichen können oder sind Ihnen andere Ziele wichtiger?

Braun: Wir möchten den Kreis der Teilnehmer weiter erhöhen. Dafür haben wir mehrere Ideen, unter anderem die neuen Challenges, aber auch die Teams, die immer mehr Leute ansprechen. Wir haben aktuell etwas mehr als 5000 Teilnehmer und streben 70000 an. Das mag sich auf den ersten Blick unrealistisch anhören, wir sind aber davon überzeugt, dass wir die richtigen Strategien entwickelt haben, um dieses sehr hoch gesteckte Ziel zu erreichen. Außerdem habe ich mir persönlich vorgenommen, jeden Tag sportlich aktiv zu sein. Auch wenn es manchmal nicht so leicht ist, die Zeit dafür in den Alltag zu integrieren, steigert es das Wohlbefinden und baut Stress ab.

Sie haben die Teams angesprochen. Welchen Stellenwert haben sie in einsamen Corona-Zeiten?

Braun: Einen ganz wichtigen. Zum einen werden wir über die Teams natürlich größer. Zum anderen haben wir Teamleader-Konferenzen eingeführt, in denen wir uns regelmäßig online treffen und beratschlagen. Aus dem Kreis der Teamleader kommen interessante Ideen und Verbesserungsvorschläge, die wir gerne umsetzen.

Zum Abschluss: Sie haben die Teilnehmer über die Social-Media-Kanäle aufgerufen, ihre schönsten Schweiz-Erlebnisse zu berichten. Was verbinden Sie persönlich mit der Schweiz?

Braun: Ich war erst einmal dort. Mit 19 bin ich mit einem Kumpel eine Woche zum Wandern in der Region um den Zürichsee gewesen. Weil das Geld knapp und die Schweiz damals schon teuer war, haben wir im Auto geschlafen, uns von mitgebrachten Konserven ernährt und im See gebadet. Eine tolle Woche! Jetzt bin ich bei der Vorbereitung der Serie ganz begeistert von dem Land und kann mir gut vorstellen, dort noch mal einen Wanderurlaub zu verbringen. Dann am liebsten in der Gegend rund um das Matterhorn und auch nicht ganz so spartanisch wie damals...

Startseite