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E-Sport: Nikola Peša aus Höxter spielt für den SC Paderborn in der virtuellen Bundesliga

Konzentration an der Konsole

Höxter

Nikola Peša sitzt fokussiert auf einem Schreibtischstuhl. In den Händen hält der 25-Jährige einen knapp 210 Gramm schweren Controller. Der Blick geht konzentriert in Richtung Bildschirm. Als E-Sportler des SC Paderborn fordert der Höxteraner an der Playstation die besten FIFA-Spieler heraus – aus Gladbach, Hannover oder auch Gelsenkirchen.

René Wenzel

Volle Konzentration beim Zocken: Nikola Peša spielt auch zu Hause in Höxter viel FIFA auf der Playstation. Beim SC Paderborn Foto: René Wenzel

„Der Spaßfaktor ist groß, es ist sehr Leistungsorientiert und fordert viel Konzentration“, beschreibt Peša die Faszination E-Sport. Natürlich gibt es diese eine Ansicht - „Das ist doch kein Sport.“ Klar, das Zocken an der Konsole ist nicht mit Fußball oder Basketball zu vergleichen, doch ähnlich wie beim Darts oder Schach spielt der Kopf eine entscheidende Rolle – Stichwort Fokussierung. „Man muss sich pro Spiel 15 Minuten lang total konzentrieren. Jeder Fehler wird sofort bestraft. Es unterschätzen sehr viele diesen Wettkampf“, betont Peša.

Die Tasten des Controllers drücken, zwischendurch ein Griff in die Chipstüte und mal einen Schluck aus der Cola-Flasche nehmen – so sieht es bei vielen Hobby-Zockern auf der heimischen Coach aus. Bei den Profis der virtuellen Bundesliga ist das nicht so. Das Paket rund um den Spieltag am Dienstag ist ordentlich geschnürt. Mittwochs, freitags und sonntags steht für Peša eine Trainingseinheit im Paderborner Technologiepark an. Vier Stunden dauert das Treffen. Es wird natürlich viel gezockt. Eins-Gegen-Eins oder auch Zwei-Gegen-Zwei. Am gestrigen Sonntag rückt eine Video-Analyse in den Vordergrund. Die Schwächen und Stärken der kommenden Gegner stehen im Fokus. Es geht am morgigen Dienstag gegen den Hamburger SV, Holstein Kiel und FC St. Pauli.

Der Höxteraner dürfte dabei einen Stammplatz einnehmen. Der SC Paderborn muss pro Spiel einen Zocker für das Eins-gegen-Eins auf der Playstation sowie einen auf der Xbox und zwei Spieler für das Zwei-gegen-Zwei auf einer der beiden Konsolen bestimmen. „Ich bin aktuell ganz gut drauf und konnte zuletzt viele positive Ergebnisse erzielen. Daher denke ich, dass ich mindestens ein Spiel machen darf“, sagt der 25-Jährige. Es ist alles andere als nur ein Hobby. Die Nominierung erfolgt nach dem Leistungsprinzip. Peša erklärt: „Das ist ein hartes Geschäft. Es kommen nur die Spieler zum Einsatz, die auch abliefern.“

Zum Training und an den Spieltagen muss der Höxteraner stets nach Paderborn reisen. Bei den Einheiten greift aufgrund der Coronavirus-Pandemie die Abstandsregelung. Sonst gilt Maskenpflicht beim Zocken. In der Virtual Bundesliga ist die Mund- und Nasenbedeckung vorgeschrieben. „Wir können froh sein, dass wir uns zum Training noch richtig treffen können. Bei vielen Vereinen läuft das alles nur online ab“, sagt Peša, der Geschichte und Deutsch auf Lehramt in Paderborn studiert.

Die Pendelei macht dem 25-Jährigen nichts aus. Die Vorlesungen laufen aktuell online. Zeitliche Probleme mit dem Studium gebe es daher nicht. In der Freizeit legt der Höxteraner den Controller auch mal aus der Hand. Zusammen mit seinem Bruder Marcel trainiert er die A-Junioren des SV Höxter.

Aktuell sieht sich das Team nur bei Video-Konferenzen. Doch auch hier gilt: Vorbereitung ist alles. Und so sorgen die Geschwister mit Cyber-Training oder anderen virtuellen Ideen für etwas Abwechslung in der tristen Zeit. Kreisliga-Fußball auf dem Platz, E-Sport-Bundesliga an der Konsole – für Peša eine optimale Kombination. Schon in jungen Jahren zeichnet sich dieser Weg ab.

Der Höxteraner spielt selbst gerne Fußball und daddelt auch früh auf der Playstation. Turniere organisiert der Fan des FC Bayern schon vor einigen Jahren selbst. Im Haus der Eltern zocken 15 bis 20 Leute auf der Konsole. Peša holt fast immer Platz eins. Heute kommt die Konkurrenz aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland. RB Leipzig beispielsweise spielt mit Anders Vejrgang aus Dänemark – der 14-Jährige ist aktuell wohl der stärkste FIFA-Spieler der Welt. „Anders hat mit Sicherheit alleine an Preisgeldern schon über 10.000 Euro verdient“, meint der SCP-Zocker. Hinzu kommen bei den Top-Stars ein gutes vierstelliges Monatsgehalt und Sponsorengelder. Auch Peša verdient mit E-Sport etwas Kohle nebenbei. „Ich finanziere damit mein Studium und lege mir etwas Geld an die Seite“, sagt der 25-Jährige.

Die Spiele von Pesa und Co. laufen via Twitch auch live im Internet. Die Top-Duelle verfolgen 20.000 bis 30.000 Menschen. Die Reichweite ist extrem. „So viele Zuschauer passen noch nicht mal in alle Bundesliga-Stadien“, betont der Höxteraner. „ProSieben MAXX“ übertragt sogar die Bundesliga-Partien im TV. E-Sport ist weiter auf dem Vormarsch. Und Peša mittendrin im großen FIFA-Geschäft.

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