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Der Brakeler Willi Bröker ist erst 1976 in den Reitsport eingestiegen

Mit 100 hält Willi die Zügel fest im Griff

Brakel (WB)

„Brökers Willi – nie zu alt für irgendwas“. Unter diesem Motto gratulierten zahlreiche Freunde und Bekannte dem Brakeler Wilhelm Bröker jetzt zu seinem 100. Geburtstag. Aufgrund der Corona-Bestimmungen leider nicht vor Ort, sondern in einem schön zurechtgemachten Album mit vielen Glückwünschen, Bildern und Erinnerungen aus der Ferne. Der rüstige Senior hält trotz der dreistelligen Zahl an Jahren die Zügel immer noch fest in den Händen.

Lena Brinkmann

Ein stolzes Alter: Heinz Kirchhoff, erster Vorsitzender des RV Nethegau Brakel, gratuliert seinem ältesten Vereinsmitglied Willi Bröke zum 100. Geburtstag. Foto: Lena Brinkmann

Freudestrahlend sitzt Wilhelm Bröker an seinem Ehrentag bei herrlichem Vorfrühlingswetter draußen auf seinem Hof am Schützenanger. Über ihm prangt an der Wand in großen, glitzernden Zahlen mit bunten Girlanden verziert stolz die 100. Ein paar Meter weiter haben seine Kutschfreunde ebenfalls ein großes Banner mit Gratulationen aufgehängt. Gerne hätte er seinen 100. Geburtstag auf seinem Hof gebührend mit zahlreichen Freunden und Bekannten gefeiert. Doch Corona hat ihm einen dicken Strich durch die Planungen gemacht.

Willi Bröker ist ein begeisterter Kutschfahrer. Foto: privat

Feier folgt

„Die Feier holen wir nach“, blickt Wilhelm Bröker wie immer optimistisch voraus. Sichtlich gerührt ist der „Oldie“, als er das Album mit den Glückwünschen seiner zahlreichen Freunde aus dem Pferdesport in den Händen hält. Insbesondere auch mit Grüßen der zahlreichen pferdeverrückten Mädels, denen Wilhelm Bröker damals den Weg in den Reitsport ermöglicht hat. Die Brakeler Reiterinnen Vera König, Simone Werk und Verena Arlt hatten das großartige Geschenk für den Jubilar zusammengestellt. Als erster Vorsitzender des Reitervereins Nethegau Brakel ließ es sich Heinz Kirchhoff nicht nehmen im Namen des gesamten Vereins seinem ältesten Mitglied persönlich zu gratulieren. Dabei ist Wilhelm Bröker erst als 55-Jähriger im Jahr 1976 in den RV Nethegau eingetreten. Getreu seinem Motto „Es ist nie zu spät für irgendetwas“, hat der Nethestädter vor 45 Jahren mit dem Reitsport begonnen“, erinnert sich Kirchhoff. Als gelernter Friseur musste Wilhelm Bröker den landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen, weil seine beiden älteren Brüder im Krieg gefallen waren. Doch auch die Landwirtschaft betrieb der Vater von zwei Söhnen immer mit viel Enthusiasmus und galt in Brakel stets als moderner Landwirt. So hat der „agile Bauer“ bis zum vergangenen Jahr im stolzen Alter von 99 Jahren seine Felder mit dem Schlepper noch selbst bestellt.

Zunächst Arbeitstiere

„Aufgrund der Landwirtschaft hatten wir immer Pferde, zunächst jedoch nur als Arbeitstiere. Natürlich haben wir als Kinder schon auf dem Pferderücken gesessen, wenn wir die Tiere für die Feldarbeit von der Wiese geholt haben“, blickt Brökers Willi zurück. Als 55-Jähriger hat er vergleichsweise spät mit dem aktiven Reit- und Turniersport begonnen. „Trotz des hohen Einstiegalters hat Willi im Reitsport ebenfalls mit viel Einsatz schnell so einiges erreicht, was viele Reiter ihr ganzes Leben nicht geschafft haben. So hat er noch erfolgreich an Springturnieren, Geländeprüfungen, unseren Mairitten und Fuchsjagden teilgenommen. Auf den Turnieren in der Umgebung war er immer ein gerngesehener Gast und hat noch als 78-Jähriger Springturniere bestritten und für viel Begeisterung gesorgt“, blickt Heinz Kirchhoff zurück.

Willi Bröker ist immer auf Tuchfühlung zu seinen Pferden Foto: privat

Paradepferd

Brökers Paradepferd war damals der unvergessene „Goldus“. Hinzu kamen viele selbst gezüchtete Pferde wie der Schimmel „White Angel“, „Whisby“, „Geisha“ oder „El Condor“. „Willi hat die Jugend gefördert. Annette Frohning, Wibke Hansen, Nadine Salzburger, Friederike Temme, Johanna Wamser und seiner Nichte Anja Wiesemann ermöglichte er den Weg in den Reit- und Turniersport“, betont Heinz Kirchhoff. Nicht zu vergessen auch der Esel „Lieschen“, den Bröker zu seinem 70. Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Immer noch Zuschauer

Nachdem Willi Bröker mit 78 Jahren seine Reitsportkarriere beendet hatte, war mit dem aktiven Pferdesport noch längst nicht Schluss. Noch heute ist er bei den heimischen Reitturnieren mit viel Fachwissen begeisterter Zuschauer. Getreu seinem Motto „Es ist nie zu spät“ begann der Pferdemann im hohen Alter zudem noch das Kutschfahren. Der Pferdefreund ist aktives Mitglied im Reit- und Fahrverein Entrup – mit über 70 aktiven Mitgliedern der größte Kutschverein in der Umgebung. Der Brakeler nahm mit über 90 Jahren mit seinen Kutschponys an Kutschenkorsos teil. Bis zu 25 Kutschen waren dabei. Seine langjährigen Kutschfreunde um den Brakeler Hartmut Senft oder dem Bellersener Albert Topp sendeten zum Geburtstag ebenfalls Glückwünsche mit einem groß angefertigten Banner.

Die letzten Kutschponys verließen 2014 den Hof Bröker. „Willi fährt aber immer noch bei unseren jährlichen Kutschausflügen begeistert mit und hat dabei nach wie vor die Zügel fest im Griff“, stellt Albert Topp mit anerkennendem Blick heraus. Für Brökers Willi ist halt auch mit 100 Jahren nichts zu spät.

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