Meine Corona-Pause: Sepp Kagerbauer, Vorsitzender der Fußball-Abteilung des TuS Bad Driburg, hat die Folgen von Corona selbst zu spüren bekommen

„Sportlich ärgern mich die Saisonabbrüche“

Bad Driburg

Seit dem 23. April 2021 ist Sepp Kagerbauer wieder ein Stück weit freier in seinem Handeln. „Ich war sehr erleichtert, als ich meine Corona-Erkrankung überstanden habe und an diesem Tag die vierwöchige häusliche Isolation beenden durfte“, blickt der Fußball-Vorsitzende des TuS Bad Driburg zurück. „Ich hatte ganz schön mit dem Virus zu kämpfen, bin aber zum Glück um einen Aufenthalt im Krankenhaus herumgekommen“, sagt der 67-Jährige.

Oliver Temme

Engagiert am Spielfeldrand: So kennen die Fußballer Trainer Sepp Kagerbauer, hier mit seinem Sohn Christian, der Betreuer war. Foto: Michael Risse

Bei der für diesen Herbst geplanten TuS-Hauptversammlung wird Kagerbauer sein Amt zur Verfügung stellen und dann nach mehr als 40 Jahren erstmals keine offizielle Funktion mehr im Fußballsport bekleiden. „Ich möchte es den Jüngeren überlassen, für frischen Wind zu sorgen“, begründet der langjährige Trainer seinen Entschluss, von dem er sich außerdem mehr Zeit für seine Familie und seinen liebgewonnenen Radsport verspricht.

Die Partien seines Herzens- und Heimatvereins TuS Bad Driburg wird er gleichwohl weiter verfolgen. „Ich mag einfach die zwischenmenschlichen Kontakte rund um die Spiele unserer Mannschaften. Das ist auch das, was ich zur Zeit am meisten vermisse“, betont Sepp Kagerbauer.

Dagegen kann er sich seinem anderen Hobby, dem Radfahren, als Rentner unter der Woche ausgiebig widmen. Das Ritual, sich bei gutem Wetter täglich aufs E-Bike zu schwingen und auf Touren um die 30, 40 Kilometer „immer wieder neue Ecken unseres schönen Kreises zu erkunden“, kann er auch während der Pandemie ausleben. Dabei geht es der einstige Torwart und Trainer ganz gemütlich an und weiß diese Ruhe nach einem langen Lebensabschnitt „voller Hektik und Stress“ zu schätzen. Er selbst war es, der von sich und seinen Spielern immer das Maximum gefordert hat. Mit weniger als dreimal die Woche Training ging es Coach Kagerbauer auf keiner seiner Stationen an. „Bei mir ist auch nie eine Einheit ausgefallen. Wollte das Flutlicht mal nicht mitspielen, haben wir mit Taschenlampen trainiert. Oder beim SV Höxter mal in der Kabine.“

Der mehrfache Meistertrainer weiß, wie sich ein Aufstieg anfühlt. 1980 übernahm er im Alter von 26 Jahren die erste Herrenmannschaft des TuS Bad Driburg als Spielertrainer. 1982 feierte er mit seinem Team den Aufstieg in die Landesliga. Zwischenzeitlich hatte er die Trainer-A-Lizenz abgelegt und hätte damit Mannschaften in der Bundesliga anleiten können. Was utopisch klingen mag, schien damals für Sepp Kagerbauer nicht außer Reichweite zu sein. „Ich hatte Angebote von Vereinen aus höheren Ligen, um dort Trainer zu werden. Ich war damals aber zu vorsichtig und habe abgelehnt. Das ist das Einzige, was mir in meiner wunderbaren Laufbahn als Sportler ein wenig nachhängt“, sagt er.

Das Thema „verpasster Aufstieg“ beschäftigt den 67-Jährigen auch aus einem anderen Grund. „Bei allem Verständnis für die Entscheidungen der Politik und des Fußballverbandes“, holt er aus. „Sportlich ärgere ich mich über die beiden Saisonabbrüche. In der Spielzeit 2019/2020 waren wir drei Punkte hinter dem SV Höxter, wobei der Spitzenreiter noch zu uns ins Iburg-Stadion hätte kommen müssen. In diesem Jahr, das leider ohne Wertung blieb, waren wir wieder auf dem besten Weg“, seufzt Kagerbauer. Er würde es der „super besetzten Mannschaft, die wunderbar mit Trainer Dennis Hustadt harmoniert“, gönnen und zutrauen, in der Bezirksliga zu spielen.

Finanziell kam die Pandemie dem TuS Bad Driburg hingegen nicht so teuer zu stehen. „Alle Vereine stehen vor einem großen Problem: keine Einnahmen mehr zu haben. Sei es durch fehlende Hallenturniere oder Spieltagserlöse. Bei uns sind zum Glück die Mitglieder und Werbepartner an Bord geblieben, was nicht selbstverständlich ist und uns wirtschaftlich gut dastehen lässt“, freut sich Kagerbauer.

Er werde im Herbst also eine kerngesunde Abteilung übergeben. Die Nachfolge ist noch nicht geklärt. Wichtig ist dem ehemaligen Trainer, der zuletzt 2014 und 2017 jeweils interimsmäßig die Driburger Erste trainiert und zwischenzeitlich auch die Zweite angeleitet hat, die Bedeutung des Ehrenamts. „Ich habe den Posten vor sieben Jahren übernommen, um dem Verein Danke zu sagen. Für das, was er mir 50 Jahre gegeben hat. Hoffentlich wird es auch weiterhin sieben bis acht Leute geben, die sich mit voller Power ehrenamtlich im Vorstand engagieren“, sagt der scheidende Abteilungsvorsitzende, der sich auf mehr Zeit mit seiner Familie freut. Auch lasse die Kraft nach, um seinem eigenen Anspruch von einer innovativen Leitung der Abteilung vollends gerecht zu werden. Letzteres resultiert wohlgemerkt nicht aus seiner Corona-Erkrankung. „Da war ich so matt, dass ich an einigen Tagen 20 von 24 Stunden geschlafen habe“, erzählt Kagerbauer. Nein, ein derartiger Tagesablauf ist gewiss keine Option für die Zeit nach seiner Funktionärs-Laufbahn. Wahrscheinlicher ist, dass man den rüstigen Rentner auf einer der Fahrradrouten des Kreises Höxter antrifft. Sollte dies an einem Sonntagnachmittag der Fall sein, sollte man ihn besser nicht zu lange aufhalten. Nicht, dass Sepp Kagerbauer den Anpfiff eines Driburger Spieles verpasst.

Kurz gefragt

Kraft- oder Lauftraining: Bei mir ist aufgrund von Knieschmerzen nur noch Krafttraining möglich. Ich werde wohl dieses Jahr nicht um ein neues Knie herumkommen. Was aber geht, sind täglich 45 Minuten Bewegungs- und Dehnübungen bei schöner Musik auf unserer Terrasse.

Bringdienst oder selber kochen: Meine Frau ist so eine gute Köchin. Sie hat das auch gelernt und verwöhnt mich immer wieder aufs Neue. Der Bringdienst wird nur ganz selten bemüht.

Playstation oder Netflix: Ich habe beides nicht. Sehr gerne schaue ich Sky und Dazn. Einfach klasse, dass man dort ein so breites Angebot bekommt. Dort verfolge ich das Fußballgeschehen national und international, bei Letzterem gerne die fünfminütigen Zusammenfassungen. Sonntags darf es auch mal Golf auf Sky sein.

Podcast oder Buch: Ich bevorzuge das Buch. Am liebsten etwas Gefühlsbetontes, das einem das Leben näher bringt.

Spotify oder Radio: Ich habe immer das Radio an – egal, ob nach dem Aufstehen, im Bad oder draußen. WDR 4 oder HR 4 lauten meine Sender. Ich mag schöne deutsche Schlagermusik.

Lieblingsseite im Internet:  Das sind Kicker.de, Bild.de und Focus.de, um breit informiert zu sein. Angewöhnt habe ich mir mittlerweile, auch im Fernsehen politische Formate zu gucken, um mir unterschiedliche Meinungen zur derzeitigen Lage anzuhören.

Sportlerbiografie: Früher, in 1970er Jahren, habe ich mir die Bücher von Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller geholt, auch wenn das keine klassischen Biografien waren. Ich lese so etwas rund um den Fußball gerne. Die Biografien von Christoph Daum, Norbert Elgert und Pep Guardiola habe ich gelesen.

Corona-Rituale: Ich habe eigentlich keins. Ich wüsste nicht, was ich mir angewöhnt habe. Der Tag läuft so, wie man ihn sich einteilt. Frühstücken, Zeitung lesen, Zeit im Garten verbringen.

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