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Heimische Trainer blicken auf Wiederbeginn der Bundesliga-Saison

Von „kein Problem“ bis „Lockerungen zu früh“

Kreis Höxter (WB). Der Neustart spaltet die Gemüter. Nach zweimonatiger Corona-Pause kehrt die Fußball-Bundesliga an diesem Samstag mit Geisterspielen in leeren Stadien und einem speziell festgelegten Hygienekonzept zurück in den Spielbetrieb. Trainer der heimischen Fußballvereine blicken dem Neuanfang zustimmend bis skeptisch entgegen. „Ich sehe den Wiederbeginn mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt zum Beispiel Andreas Struck, Coach des A-Ligisten FC Stahle.

Fabian Scholz

Jürgen Voss blickt dem Neustart der Fußball-Bundesliga nachdenklich entgegen. „Man hätte ruhig noch zwei Wochen warten können“, sagt er. Foto: Günter Sarrazin

Sven Schmidt steht dem Wiederbeginn positiv gegenüber. „Alle Bundesligisten sind große Wirtschaftsunternehmen. Es ist wichtig, dass die Leute ihre Jobs behalten können und das Geschäft weiterläuft. Wenn sich jeder an die Rahmenbedingungen hält, sehe ich wenig Probleme“, sagt der Trainer des Bezirksligisten SV Dringenberg. Mit dem Derby zwischen Dortmund und Schalke zu Beginn könne es aber durchaus zu Missachtung der Maßnahmen außerhalb des Stadions kommen. „Da muss man abwarten, wie es sich entwickelt. Ich hoffe in diesem Punkt einfach auf das Verantwortungsbewusstsein der einzelnen Leute“, betont er.

Dennis Hustadt , Trainer des A-Ligisten TuS Bad Driburg, vertraut den Entscheidungen der Politik und Regierung. „Ich glaube, wir haben es in Deutschland sehr gut, was das Corona-Management angeht. Ich habe vollstes Vertrauen in die Beteiligten. Für mich gibt es in dieser Thematik kein richtig oder falsch. Ich habe lediglich Angst, dass besonders für Kinder ein völlig falsches Bild entsteht. Wenn sie im Fernsehen wieder Fußball schauen können, denken sie vielleicht, alles ist wieder normal. Dieses Bild darf nicht entstehen. Meiner Meinung nach sieht man sofort, wer spielerisch besser ist. Alle anderen Faktoren fallen weg, so dass die reine Spielqualität entscheidet. Dementsprechend kann auch niemand, der am Samstag auf dem Platz antritt, sagen, dass es am Ende keinen verdienten Meister geben kann.“

Frank Kleine-Horst , Trainer des Bezirksligisten VfR Borgen­treich, steht dem Wiederbeginn skeptisch gegenüber. „Ich finde im Allgemeinen die Auflockerungen viel zu früh. Da gehört die Bundesliga auch dazu. In Kneipen und Restaurants wird es durch den Wiederbeginn zu Ansammlungen von Menschen kommen. Das halte ich für absolut nicht sinnvoll. Natürlich sind die Bundesligisten große Wirtschaftsunternehmen, die auch überleben müssen. Aber man darf nicht nur auf den Fußball schauen. Viele andere Unternehmen haben ebenfalls große Probleme. Für mich kommt das alles viel zu früh. Im Amateurbereich hat man das meiner Meinung nach besser geregelt.“

Rytis Narusevicius , Trainer des Bezirksligisten TSC Steinheim, sieht kein Pro­blem im Bundesligawiederbeginn. „Ich finde es gut, dass die Liga wieder startet. Es wird nur für alle Beteiligten komisch, wenn man im Stadion wirklich alles hört. Auch wenn der Trainer oder Betreuer mal etwas nicht ganz so freundliches sagt. Dann wird man sehen, dass nicht nur im Amateurbereich geflucht wird. Die Leute müssen sich verantwortungsbewusst zeigen. Große Ansammlungen draußen gehen überhaupt nicht. Ich hoffe, dass bei den meisten Menschen der Verstand ausreicht.“

Uwe Beck , Trainer des A-Liga-Tabellenführers SV Höxter, sieht den Wiederbeginn der Bundesliga als einzig richtigen Schritt an. „Für mich ist der Start am Samstag völlig richtig und alternativlos. Die Bundesligisten sind große Wirtschaftsunternehmen, die ums Überleben kämpfen. DFL und Vereine haben ein gutes und umfangreiches Hygienekonzept erstellt. Als Probleme sehe ich wirklich nur Spiele wie das Derby Schalke gegen Dortmund. Hier kann man nicht wissen, was in den Innenstädten oder Kneipen passiert. Um das Stadion wird es von den Vereinen und von der Bundespolizei genug Ordnung geben. Einen fairen Meister kann man definitiv ermitteln. Jeder hat die gleichen Voraussetzungen. Ich denke, der Qualitätsunterschied wird sich extremer als vorher zeigen.“

Jürgen Voss , Trainer des A-Ligisten Warburger SV, steht dem Neustart der Profis mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Es ist schwierig, den richtigen Moment zum Wiederbeginn zu finden. Meiner Meinung nach hätte man aber ruhig noch zwei Wochen warten können. Ich hoffe, dass es nicht zu viele Chaoten geben wird. Ich kann mir einfach nur wünschen, dass die Leute Vernunft zeigen und den Fußball vom Sofa aus schauen. Wer sich doch noch draußen in Menschenansammlungen trifft, hat meiner Meinung nach den Fußball nie geliebt. Einen wirklich fairen Meister kann man dieses Jahr nicht ermitteln. Es kann immer wieder zu Risiken oder Verzögerungen kommen. Es kann schlichtweg nicht für jeden zu 100 Prozent fair ablaufen.“

Maik Disse , Trainer des A-Ligisten TuS Vinsebeck, findet es gut, dass die Bundesliga wieder beginnt. „Das sage ich nicht nur als Fan. Es geht bei den Vereinen genauso um Arbeitsplätze wie bei allen anderen Unternehmen auch. Damit meine ich nicht die Profis selbst, sondern alle die im Hintergrund arbeiten. Ich denke, es wird nicht so viele Fanansammlungen geben. Die meisten Leute werden die ernste Situation erfasst haben. Klar gibt es immer wieder Chaoten. Das wird sich aber im Rahmen halten. Meiner Meinung nach kann auch alles fair ablaufen, was den Meistertitel angeht. Nur wenn wirklich ein Verein in Quarantäne muss, wird es nichts mehr mit der Chancengleichheit.“

Andreas Struck , Trainer des A-Ligisten FC Stahle, sieht den Wiederbeginn (wie eingangs geschrieben) mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Es ist wichtig, dass die Vereine überleben und ihre Beschäftigten weiter bezahlen können. Ein Verein ist ein Unternehmen wie jedes andere auch. Dennoch sollte die Gesundheit immer an erster Stelle stehen. Ich denke, das Konzept, was erarbeitet wurde, ist gut geworden. Eine faire Saison wird es aber nicht mehr. Es kann nicht komplett ohne Wettbewerbsverzerrung ablaufen. Man hat es am Beispiel Dynamo Dresden in der 2. Liga bereits gesehen. Ich bin gespannt, wie die DFL mit den Chaoten umgehen wird, die sich in der Öffentlichkeit treffen werden“, sagt der Trainer des FC Stahle.

Matthias Rebmann , Trainer des Bezirksligisten FC Peckelsheim/Eissen/Löwen, sieht den Start äußerst kritisch. „Meiner Meinung nach sollte die Gesundheit und nicht das Finanzielle an erster Stelle stehen. Klar sind die Bundesligisten große Wirtschaftsunternehmen mit vielen Arbeitsplätzen. Dennoch gibt es die auch in anderen Bereichen. Daher sollte der Fußball auch keinen Sonderstatus bekommen. Das sage ich sogar als Fußballfan“, formuliert der Familienvater. Die aktuelle Ausnahmeregelung hält er für grenzwertig. „Es werden sich definitiv Fanlager vor den verschiedenen Stadien ansammeln. Auch in irgendwelchen Kellerräumen wird es Ansammlungen von zehn Leuten oder mehr geben. Die Ansteckungsgefahr wird sich dadurch wieder deutlich erhöhen.“

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