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Leichtathletik-Kreisrekorde: Daniela Hummels Bestmarken überdauern die Jahrzehnte

Wenn der Speer immer weiter fliegt

Höxter/Sinsheim

Der Speer fliegt und fliegt und fliegt. Erst nach gut 50 Metern kommt er Ende Oktober 1991 in der Höxteraner Weserkampfbahn auf dem Rasen auf. Daniela Queren schraubt damit ihren eigenen Kreisrekord in die Höhe, der auch 30 Jahre später noch Bestand hat.

Sylvia Rasche

Handball ist das gemeinsame Hobby bei Familie Hummel: Daniela Hummel steht im Tor, die Zwillinge Fabian und Eileen haben in der Jugend sogar in der badischen Auswahl gespielt. Klaus Hummel war als Jugendlicher ebenfalls Handballer – und hat inzwischen zum Fan „umgesattelt“. Foto: privat

Insgesamt sechs ihrer Bestmarken, die sie Ende der 1980-er/Anfang der 1990-er Jahre in den Wurfdisziplinen aufgestellt hat, haben die Jahrzehnte überdauert. Daniela Queren lebt längst in Süddeutschland, heißt inzwischen Daniela Hummel und steht in der Handball-Bezirksliga 1 im Tor des TSV Phönix Steinsfurt. Vor ihr auf dem Feld sind Tochter Eileen (18) und Nichte Katharina (24) im gleichen Team aktiv.

„Handball hat mich auch früher schon interessiert. Aber in Höxter gab es keine Frauenmannschaft. Als Leichtathletin habe ich viel alleine trainiert. Das ist beim Handball anders und gefällt mir gut“, sagt die 49-Jährige.

Eher zufällig kam Daniela Hummel als Jugendliche in einer Region der erfolgreichen Mittelstreckler zu den Wurfdisziplinen. „Mein Bruder hat mir mit zwölf Jahren einen Speer in die Hand gedrückt“, lacht Hummel. Sie fand schnell Gefallen an der neuen Disziplin, Erfolge stellten sich ein, der Landestrainer wurde auf sie aufmerksam. Später holte sie Bronze bei den Deutschen Jugendmeisterschaften und wurde sogar für einen Länderkampf gegen Frankreich nominiert. „Das war schon etwas ganz Besonderes im Trikot mit dem Adler auf der Brust. Allerdings hatte ich mir leider kurz zuvor einen so genannten Werferarm, eine Entzündung im Ellenbogen, zugezogen und war beim Länderkampf daher nicht so stark wie noch eine Woche zuvor bei den Deutschen Meisterschaften“, erinnert sich Daniela Hummel.

Als Speerwerferin hält Daniela Hummel (geborene Queren) noch drei aktuelle Kreisrekorde der Jugend U18 der U20 und der Frauen im Kreis Höxter. Foto: privat

Trotzdem erkannte auch Bundestrainer Siegfried Becker ihr Potential. Daniela Hummel durfte zusammen mit den damaligen deutschen Top-Speerwerfern Ingrid Thyssen und Klaus Tafelmayer bei einem Sichtungslehrgang in Mainz ihr Können zeigen und wurde in den C/D-Bundeskader aufgenommen. „Ich habe aber weiter im Landeskader und zu Hause trainiert, da ich meine Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen hatte und nicht alle zwei Wochen zum Training nach München oder Stuttgart fahren konnte“, berichtet die Höxteranerin, die dem Bundeskader ein Jahr angehörte.

Früh übt sich: Mit zwölf Jahren hat Daniela Hummel mit dem Speerwerfen begonnen und schnell Erfolge gefeiert. Foto: privat

Fast täglich hat sie in dieser Zeit trainiert. Vor Ort kümmerte sich überwiegend Bruder Rainer Queren, auch heute noch im HLC Höxter aktiv, um das Training. Speerwerfen war ihre Lieblingsdisziplin. „Kugel und Diskus habe ich nebenbei mitgenommen“, erzählt Daniela Hummel. Zweimal hat sie den Speer in ihrer Laufbahn auf mehr als 50 Meter geworden. Das erste Mal bei einem Sportfest in Dortmund und dann noch einmal vor der eigenen Haustür in der Weserkampfbahn.

Ein Jahr später zog es die Physiotherapeutin in den Süden Deutschlands. „Meine Schwester Andrea lebte damals schon in Sinsheim. Sie war schwanger, ich sollte Patentante werden und wollte dann auch in der Nähe meines Patenkindes sein“, erzählt die Höxteranerin. Da nach Ausbildungsende sowieso die Jobsuche anstand, bewarb sich Daniela Hummel in Süddeutschland – und blieb dort hängen.

Über eine Arbeitskollegin ergab sich der Kontakt zu den Leichtathleten der TG Heilbronn und die Möglichkeit eines einzigartigen Wettkampfs. „1993 war die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Stuttgart. Drei Wochen vorher hat der Veranstalter die Südbadischen Meisterschaften im Stadion als Testlauf genutzt. Das war sehr spannend. Wir sind vom Aufwärmplatz zur Wettkampfstätte genau so eingelaufen wie drei Wochen später die WM-Teilnehmer“, berichtet Hummel vom internationalen Flair bei den Landesmeisterschaften.

In Heilbronn gab es für die Leichtathletin übrigens auch Teamwettkämpfe, die sie unter anderem mit einem Württemberger Regionalligameistertitel abschloss.

Als nach einer Leichtathletik-Pause später ihre Zwillinge Eileen und Fabian die ersten Schüler-Wettkämpfe bestritten, wollte die Mama nicht nur zuschauen. „Ich habe damals nach 14 Jahren erstmals wieder einen Speer in die Hand genommen und auf Anhieb 36,07 Meter geworfen.“ Das Feeling war trotz der langen Zeit sofort wieder da. Sogar im Steinstoßen versuchte sich die ehemalige DM-Medaillengewinnerin und holte mehrere badische Meistertitel in der Altersklasse.

Der aktuelle Handball-Bezirksliga-Spitzenreiter TSV Phönix Steinsfurt mit Daniela Hummel (Torhüterin, hinten Zweite von links) sowie Tochter Eileen Hummel (Nummer 4) und Nichte Katharina Queren (Nummer 3). Foto: privat

Trotz des neuerlichen Ausflugs zur Leichtathletik war Handball längst zur Familiensportart bei den Hummels geworden. Beide Kinder spielten in der badischen Handball-Auswahl, Daniela Hummel mit ihrem Team in der Landesliga. Nach einem Rückzug und Neuaufbau der Mannschaft mit vielen jungen Spielerinnen, unter anderem Eileen und Katharina, ist der TSV Steinsfurt zurück in der Bezirksliga 1 – und wartet als Spitzenreiter auf den Re-Start nach dem Lockdown.

Daniela Hummels Kreisrekorde

Kugelstoßen Frauen und U20: 12,76 Meter in Lage 1990

Diskuswerfen Frauen 34,90 Meter in Holzminden 1992

Speerwerfen Frauen 50,30 Meter in Höxter 1991

Diskus U20: 33,86 Meter in Lage 1990

Speer U20: 49,08 Meter in Dortmund 1989

Speer U18: 43,70 Meter in Holzminden 1988

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