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Daseburger Mountainbiker Max Wetzel im Gespräch

„Da ist ein Traum geplatzt“

Daseburg (WB/aho)

Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im eigenen Land war das große Ziel des Daseburger Mountainbikers Max Wetzel, als er sich auf das Rennjahr 2020 vorbereitete. Dann kam der erste Lockdown. Mitarbeiterin Astrid E. Hoffmann sprach mit dem 22-Jährigen Lizenzfahrer, der seit vier Jahren für die Bad Bikers Wernigerode das Vereinstrikot, aber auch das Nationaltrikot überstreift.

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Mehr Laufen als Fahren waren bei den Deutschen Meisterschaften in Obergessertshausen angesagt. Letztlich war es eine wahre Schlammschlacht und für Max Wetzel ging es nicht über die Ziellinie. Foto: privat

Herr Wetzel, zum Saisonstart waren Sie in Topform, mit ihrem neuen Trainer, Ihrem Vater Jörg Redeker, hatten Sie eine neue Trainingsstrategie gefahren. Was war für Sie die größte Herausforderung als die ersten Rennen gestrichen wurden?

Max Wetzel: Als der vermeintliche Saisonstart näher kam, war ich extrem motiviert, denn ich war im Training so gut wie noch nie. Ich wollte unbedingt meine Leistung unter Beweis stellen und meine Ziele erreichen. Ich denke, wegen dieser Motivation habe ich anfangs gar keinen richtigen Gedanken daran verschwendet, dass eventuell fast alle Rennen abgesagt werden. Es ging für mich im Training genauso weiter wie vorher. Die Absagen kamen nach und nach, aber das hat mich nicht beeinträchtigt. Zu dieser Zeit war ich mental stark und Gedanken, was zukünftige Wettkämpfe anging, standen mir im Training zunächst nicht im Weg. Von außen betrachtet fordert meine Sportart ein enormes Maß an physischer Ausdauer, jetzt wurde mir bewusst, welch große Rolle auch die psychische Ausdauer spielt. Die psychische Belastung aufgrund der Rennabsagen wuchs und wuchs, was mir leider gegen Ende der Saison, als es doch noch vereinzelt an die Startlinie ging, zum Verhängnis wurde. Mental war ich erschöpft vom Training zuvor.

Ihr großes Ziel in diesem Jahr war es, für die Weltmeisterschaft in Albstadt nominiert zu werden, bald stand fest, dass dies nicht über die Leistungen in den Rennen zu schaffen war, da diese ausfielen. Außerdem wurde die WM an Leogang in Österreich abgegeben. Was bedeutete das für Sie?

Wetzel: Im Vorfeld gibt es sonst eigentlich immer eine Liste von Rennen, auf die der Bundestrainer für die Nominierung besonders schaut. Diese Rennen sind alle ausgefallen, sodass er dann natürlich auf die Fahrer vertraut hat, die schon öfter dabei waren. Dementsprechend war eine Nominierung nicht möglich. Da ist schon ein Traum geplatzt.

Gleich zwei Worldcup-Rennen wurden in Nove Mesto in Tschechien ausgetragen, die einzigen in diesem Jahr. Waren Sie nominiert?

Wetzel: Für den World-Cup hatte ich einen der sechs zusätzlichen Startplätze bekommen, konnte aber nicht einreisen, weil ein paar Tage zuvor ganz Tschechien als Risikogebiet eingestuft wurde.

Sie sind schließlich sieben Rennen gefahren und haben dabei drei Erfolge, aber auch vier Niederlagen erlebt. In Schierke wurden Sie Landesverbandsmeister, in Waltershausen-Gotha dann Mitteldeutscher Meister und beim XCO in Gemünden war es Platz drei in der Elite-Klasse. Wie stufen Sie diese Siege und Platzierung für sich ein?

Wetzel: Diese kurze Saison war für mich eine Achterbahn der Gefühle. Ich hatte ein paar sehr gute Ansätze, worauf ich stolz bin, dennoch fehlte die Konstanz und teilweise das nötige Glück. Die drei erfolgreichen Rennen haben mir gezeigt, dass sich mein Training auszahlt, gleichzeitig musste ich bei drei von sieben Rennen aufgeben. Auf ein gutes Rennen folgte fast immer ein schlechtes. Das war ich aus den Jahren zuvor nicht gewohnt; Rennen aufgeben zu müssen, war für mich eine Seltenheit. Daher fällt es mir schwer, diese wirklich guten Rennen als solche einzuordnen, obwohl ich erstmals in meiner Karriere Mitteldeutscher Meister geworden bin.

Weniger erfolgreich war der 75 Kilometer Marathon im Odenwald, was ist passiert?

Wetzel: Nicht die Ziellinie zu erreichen, ist eigentlich immer ein Misserfolg. Ich bewerte das Rennen nicht anhand des Ergebnisses, zumal ich mich bei einer deutschen Marathonmeisterschaft nicht an einem Ergebnis orientiere, weil es einfach nicht meine Disziplin ist. Ich konnte mich während der etwa 65 Kilometer, die ich gefahren bin, von Position 50 knapp in die Top 25 vorarbeiten. Ich hatte eine gute Renntaktik, dann warfen mich Plattfüße an beiden Rädern etwa zehn Kilometer vor dem Ziel aus dem Rennen. Es war zwar schade, ein gutes Rennen nicht ins Ziel bringen zu können, trotzdem war ich zufriedener als mit anderen. Der Verlauf dieses Rennens steht vergleichsweise gut für meine gesamte Saison, bei der an manchen Stellen einfach das Glück gefehlt hat.

Schließlich wurde die Deutsche Meisterschaft am 24. Oktober in Obergessertshausen ausgetragen. Ein großes Rennen und eine Nacht lang Regen. Hier wurde mehr gelaufen als gefahren. Wie blicken Sie mit Abstand darauf zurück?

Wetzel: Es fällt mir schwer über ein Rennen mit einem solchen Verlauf zu sprechen, gerade weil es das eine Rennen war, auf das ich schließlich alles ausgelegt hatte, um Bestleistung zu zeigen. Am Tag vor dem Wettbewerb hatte ich ein gutes Streckentraining unter nassen, aber dennoch fahrbaren Bedingungen, absolviert. Solche Bedingungen liegen mir gut. In der Nacht kam dann so viel Regen herunter, dass der Großteil der Strecke nicht befahrbar war. Der Faktor Glück war an diesem Tag auch nicht gerade auf meiner Seite. Mir wurde ein Startplatz in der letzten Reihe zugelost. Die Wetterbedingungen und die schlechte Strecke drückten auf mein Selbstbewusstsein. Es lief so ziemlich alles schief, was schief laufen konnte. Ich hatte mir vorgenommen, unter die besten Zehn zu kommen und fand mich im Rennen - mehr neben als auf dem Rad - im hinteren Drittel des Feldes wieder. Nach der ersten Runde war mein Rad so sehr mit Schlamm bedeckt, dass immer wieder die Kette herunterfiel und ich auch in den Passagen, in denen ein Fahren möglich gewesen wäre, nicht fahren konnte. Ich verlor so viel Zeit, dass ich das Rennen aufgegeben habe. Eine große Enttäuschung, an der ich auch mit etwas Abstand noch zu knabbern habe.

Keiner kann sagen, wie das Virus das nächste Jahr beeinflusst. Wie werden Sie sich vorbereiten?

Wetzel: Seit der Niederlage beim Saisonhighlight, welches auch gleichzeitig das Ende der Saison markiert hat, fällt es mir schwer, meine übliche Motivation zu finden. Eine Saison mit einem schlechten Ergebnis zu beenden, wirkt sich selten gut aus. Aber dass es gerade so ein wichtiges Rennen war, tut doppelt weh. Momentan fehlt mir leider der Spaß am Radfahren und ich beschäftige mich mit vielen anderen Dingen. Ich hoffe, dass mich der Radsport in Kürze wieder packt und ich mich wohl überwiegend auf der Rolle auf die Saison im kommenden Jahr vorbereiten werde.

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