Serie Meine schönsten Sporterlebnisse: Hubert Ashauer, früherer Fußball-Trainer und Sportkreiskassierer aus Welda, denkt gerne an den Auftritt seines Lieblingsvereins in Warburg zurück

Der MSV Duisburg ist seine Leidenschaft

Welda

Es ist der 27. Mai 1998. In der Warburger Diemelaue gewinnt der Fußball-Bundesligist MSV Duisburg in einem begeisternden Freundschaftsspiel mit 10:1-Toren gegen die Warburger Sportfreunde 08. Hubert Ashauer, der leidenschaftlicher Anhänger der Zebras ist, war unter 1500 Zuschauern dabei. Er erinnert sich gut und gerne an den Mittwoch. Unter die Fans mischte sich auch Duisburgs Trainer Friedhelm Funkel und gab allerhand Autogramme.

Von Günter Sarrazin

Hubert Ashauer hat sein Arbeitszimmer in den Vereinsfarben des MSV Duisburg Mit der Mädchen-Fußballmannschaft des SSV Welda wurde Hubert Ashauer Stadtmeister und Kreispokalsieger. „Es war fast immer der komplette Kader beim Training“, „Bernard Dietz ist mein Vorbild“, sagt Hubert Ashauer über den früheren MSV-Kapitän und Fußball-Europameister (links). Im Duisburger Wedau-Stadion hat er ihn mehrfach getroffen. Foto: Privat

„Es hat Spaß gemacht, hier zu spielen“, sagte Funkel, dessen Elf anlässlich des 90-jährigen Bestehens der 08er zu Gast war und eine Lehrstunde in Sachen Tempo und Technik lieferte. Hubert Ashauer war begeistert, seine Mannschaft um Kapitän Torsten Wohlert und den dreifachen Torschützen Niklas Skoog in seiner Heimatstadt zu sehen. In seinem Arbeitszimmer, das er komplett in den Vereinsfarben der Blau-Weißen gestaltet hat, bewahrt er eine besondere Erinnerung an den Abend auf: ein Foto, das ihn mit Friedhelm Funkel zeigt. „Die Freude war natürlich groß, dass ich das Foto mit ihm machen durfte“, blickt Ashauer zurück. Damit nicht genug: Auf dem Foto steht ein persönlicher Glückwunsch des Trainers, der jetzt den 1. FC Köln zum Bundesliga-Klassenerhalt geführt hat. „Das habe ich zum 50. Geburtstag erhalten“, berichtet Hubert Ashauer. Seine Ehefrau Gabi und sein langjähriger Freund und Weggefährte Jürgen Menne haben das Geschenk organisiert.

Ein paar Tage vor dem Spiel in Warburg, das für Hubert Ashauer zu seinen schönsten Sporterlebnissen gehört, hatte der MSV Duisburg im DFB-Pokalfinale in Berlin unglücklich mit 1:2 gegen den FC Bayern München verloren und war bei Fußballfans in aller Munde. „Einige Zeit nach der Partie habe ich vom damaligen Kreisschiedsrichter-Obmann Werner Becker, der das Spiel geleitet hat, den Original-Wimpel bekommen, den ihm der MSV überreicht hatte“, führt Ashauer aus, der selbst als Fußballer und Trainer aktiv war sowie im Vorstand des SSV Welda und des Sportkreises Warburg Verantwortung getragen hat.

Duisburg-Fan ist er geworden, weil ihm dessen Verteidiger Bernard Dietz als Spieler imponierte. Der Linksfüßer ist als erster und einziger Duisburger Kapitän der Nationalmannschaft geworden und holte mit Deutschland den Europameistertitel 1980. Hubert Ashauer lernte sein Idol später auch persönlich kennen. „Das erste Mal in Brakel, wo er als Trainer mit dem SC Verl gastierte. Da hat er mir den Wimpel seines Abschiedsspieles in der Nationalmannschaft signiert“, erzählt der Weldaer. Bei dieser Partie ist er am 10. Mai 1988 in Duisburg live dabei gewesen.

„Bernard Dietz ist mein Vorbild“, sagt Hubert Ashauer über den früheren MSV-Kapitän und Fußball-Europameister. Foto: Privat

Im Jahr 2012 traf er Dietz vor dessen Haus. „Nach einem Termin beim Oberlandesgericht Hamm bin ich einfach den von dort aus kurzen Weg zu ihm hingefahren“, berichtet der Justizamtsinspektor. „Als ich schon fast enttäuscht von dannen ziehen wollte, weil auf mein Klingeln hin niemand öffnete, kam er mir mit seiner Frau entgegen. Er sprach mich an, ob mir das Auto mit den MSV-Utensilien gehört. Eine Besonderheit ist das Autokennzeichen HX-DU 1902. Das werde ich auch nicht mehr hergeben“, sagt Ashauer mit einem Lächeln. DU steht für Duisburg und 1902 für das Gründungsjahr des Meidericher Spielvereins.

„So sind wir ins Gespräch gekommen und Bernard Dietz hat sich 20 Minuten Zeit genommen, um sich mit mir über den MSV und den Fußball allgemein zu unterhalten“, beschreibt Hubert Ashauer seine spontane Aktion. „Ein Autogramm habe ich dann auch bekommen.“

Danach hat er Dietz mehrfach im Stadion gesehen und auch Fotos mit ihm zusammen gemacht. Auch Friedhelm Funkel hat er noch einige Male getroffen. „Er erfindet den Fußball nicht neu, aber mit seiner Art, wie er die Sachen anpackt, – einfach und schnörkellos – imponiert er mir“, sagt Ashauer. Als der MSV Friedhelm Funkel im Jahr 2000 entließ, kündigte der Weldaer aus Verärgerung seine Mitgliedschaft. „Mittlerweile bin ich aber wieder MSV-Mitglied. Man kommt halt nicht davon los“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Seine Duisburg-Leidenschaft zeigt sich auch an seinen Fanutensilien. So hat er zahlreiche Trikots, Schals, Tassen, Wimpel, Aufkleber, Pantoffeln, Schlüsselanhänger, Handyhüllen und Jacken. „Ich glaube, ich habe alles, was der Zebrashop hergibt. Meine Tochter Nele habe ich als Baby mit Lätzchen, Schnuller und so weiter eingedeckt“, lächelt Ashauer.

Als aktiver Spieler erinnert er sich noch gut an die Jugendzeit bei den Warburger Sportfreunden 08. „Unter Regie von Hans-Hermann Picht und Rolf Becker waren wir, glaube ich, fast zwei Jahre ungeschlagen und sind in die C-Jugend-Bezirksliga aufgestiegen. Damals haben wir Brakel und Paderborn in der Aufstiegsrunde geschlagen“, weiß Ashauer. Im Seniorenbereich stieg er mit dem SSV Welda in die B-Liga auf („Ein schöner Erfolg für unseren kleinen Ort“) und feierte später mit dem SV Wormeln den Klassenerhalt in der A-Liga.

Insgesamt zwölf Jahre fungierte Hubert Ashauer als Geschäftsführer des SSV Welda. Als Jugendstaffelleiter gehörte er von 1989 bis 1995 dem Kreisjugendausschuss des Sportkreises Warburg an. Als Kreiskassierer (von 1995 bis zur Auflösung 2013) trug er im Kreisvorstand Verantwortung. In dieser Zeit nahm er auch Ehrungen bei Vereinen vor und hatte mit die Spielaufsicht bei Hallenkreismeisterschaften in der Warburger Dreifachturnhalle. An Verbandstagen in Kaiserau nahm er ebenso teil wie an dortigen Kreiskassierertagungen.

Gerne denkt Ashauer, der mehrere Vereine gecoacht hat, auch an seine Trainerstationen zurück. „Im Mädchenbereich war – anders als bei den Männern – fast immer der komplette Kader beim Training. Und mit der Zeit sah man auch Erfolge durch Training und Spiele“, fasst der 54-Jährige zusammen. Die Mädchen des SSV Welda, zu denen seine Tochter Nele gehörte, zu fördern und ihnen Hilfe zu geben, sich als einheitliches Team zu zeigen, war ihm wichtig. „Mit der Zeit kamen Oktoberwochenpokalsiege und der Kreispokalsieg hinzu. Die Arbeit hat sich gelohnt“, resümiert er.

Höhepunkt war ein gemeinsames Training und Spiel der Mädchen des SSV Welda bei den C-Juniorinnen des MSV Duisburg im Frühjahr 2014. „Meine Frau hatte einfach mal beim MSV angefragt und die haben sich prompt gemeldet. So kam der Kontakt zustande“, erklärt Hubert Ashauer. „Aus dem damaligen Kader der Duisburgerinnen spielt Antonia Halverkamps in der Bundesliga-Damenmannschaft des MSV“, weiß der Duisburg-Kenner.

Er ist froh, dass die Profis um Trainer Pavel Dotchev den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft haben. Wenn es noch einmal ein Gastspiel seines Lieblingsvereins im Kreis Höxter geben sollte, wäre er auf jeden Fall dabei. So wie am 27. Mai 1998 in Warburg.

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