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Fußball-Schiri und Vereinsvorsitzender Ansgar Eickmeier aus Hohenwepel

Die Pandemie bringt ihn nicht aus der Ruhe

Hohenwepel

Was macht ein Schiedsrichter und Vereinsvorsitzender ohne Fußball? „Den Sonntag anders gestalteten“, sagt Ansgar Eickmeier. Statt an 30 bis 35 Spieltagen Partien zu leiten, hat er mehr Zeit für seine Familie. „Mal mit der Frau spazieren gehen. Und dann wird man angesprochen, dass es ohne Fußball doch blöd sei“, sagt der 55-jährige Hohenwepeler mit einem Lächeln.

Günter Sarrazin

Klare Entscheidung, klare Geste: Ansgar Eickmeier zeigt einen Freistoß an. Der Hohenwepeler pfeift seit 20 Jahren in der Bezirksliga. Foto: Günter Sarrazin

Seit 1991 ist Ansgar Eickmeier Fußball-Schiedsrichter, seit 2000 Vorsitzender des SV Borussia Hohenwepel. In beiden Ämtern hat die Corona-Pandemie Pläne durchkreuzt und für Schwierigkeiten gesorgt. Sein Elan ist ungebrochen. „Doch vieles wurde ausgebremst“, sagt der 1,90 Meter große Familienvater, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Ein Problem bestehe darin, dass man viele Ideen und Angebote entwickle, manche Dinge aber nicht ausgeführt werden können.

Bei den Schiedsrichtern des Sportkreises Höxter sind im Frühjahr und Herbst die monatlichen Tagungen ausgefallen. Fortbildungen wurden ebenso abgesagt wie die Saisonabschlussfeier in Rheder, das erstmals geplante Familienfest, das im August im Tierpark Sababurg stattfinden sollte, das 43. Oktoberwochen-Hallenturnier und der gemeinsame Weihnachtsmarktausflug. Lange Zeit konnten sich die Mitglieder des Schiedsrichterausschusses nicht persönlich treffen. „Mit drei Telefonkonferenzen sind wir im Frühjahr gestartet. Im zweiten Lockdown halten wir unsere Sitzungen nun als Videokonferenzen ab“, berichtet Eickmeier, dass dabei Themen wie die Lehrarbeit oder das Paten- und Beobachtungswesen zum Tagesgeschäft gehören. Schiedsrichter zu begleiten und zu beobachten, fällt seit der Unterbrechung der aktuellen Saison wieder aus. Ebenso das Heranführen der jüngsten Nachwuchsreferees.

„Kurz vor Beginn des ersten Lockdowns ist an der Gesamtschule in Brakel ein Anwärter-Lehrgang abgeschlossen worden. Die Schüler der AG konnten leider gar nicht richtig als Schiris an den Start kommen“, sagt Eickmeier. Er hofft, dass sie dennoch das Interesse behalten. Das gilt auch für die Absolventen des Herbstlehrgangs des Sportkreises Höxter. „Fünf Sportler aus heimischen Vereinen haben Ende Oktober die Schiriprüfung abgelegt. Bisher konnten sie kein Spiel pfeifen“, bedauert Eickmeier, der mit Werner Grothe, Daniel Schinowski, Matthias Bode, Torben Meier, Justus Rehermann und Matthias Rüther das Team der Lehrwarte des Sportkreises Höxter bildet.

Was er persönlich am meisten vermisst, sind die sonntäglichen Begegnungen auf den Sportplätzen in der Region. Sei es als Schiedsrichter oder als Schiri-Beobachter. Als Aktiver pfeift er seit 20 Jahren in der Bezirksliga. „Diese Saison ist mein letztes Jahr als Bezirksliga-Schiri, da ich danach altersmäßig ausscheide“, erklärt Ansgar Eickmeier. Das Abschiedsjahr hatte er sich anders vorgestellt. „Aber es ist halt nicht zu ändern“, lässt er sich von Corona nicht ärgern.

Zufrieden sind die Ausschussmitglieder um Vorsitzende Jessica Hildebrandt, dass die Aktiven der Schiri-Vereinigung treu geblieben sind, obwohl man sich nicht treffen und sein Hobby nicht ausüben kann. Gleiches gilt für Eickmeiers Heimatverein, den SV Borussia Hohenwepel. Angefangen beim Sportfest (abgesagt) und den Übungseinheiten der verschiedenen Abteilungen ruhte der Sport auch bei den Rot-Weißen in diesem Jahr weitgehend. „Mit dem geschäftsführenden Vorstand haben wir allerhand Hygienekonzepte für die verschiedenen Gruppen erstellt, um Sport möglich zu machen. Die Übungsleiter und Mitglieder haben sehr gut mitgemacht, auch wenn sie letztlich wieder zum Stillstand gezwungen sind. Die Gesundheit steht aber im Vordergrund“, betont Eickmeier.

Erfreut blickt er darauf zurück, dass das Dach des 1981 erbauten Sportheims saniert worden ist. Fleißige Mitglieder haben dabei im Sommer die ausführende Dachdeckerfirma unterstützt.

Hat er Lebensgewohnheiten geändert oder eine neue Sportart für sich entdeckt? „Nein“, sagt Ansgar Eickmeier. „Ich bin mehr Fahrrad gefahren. Und wenn es nur der Weg zur Arbeit war“, ergänzt der Tischler auf Nachfrage. Im heimischen Garten hat er während der Corona-Zeit Arbeiten erledigt, die in den Vorjahren liegen geblieben waren. „So hat unsere Gartenhütte nun ein neues Dach.“

Mit Blick auf das neue Jahr befürchtet er, „dass uns Corona noch mindestens bis in den April und Mai hinein beschäftigt“. Für den 1921 gegründeten und rund 300 Mitglieder starken SV Borussia Hohenwepel bedeutet dies aktuell, dass die ersten beiden Veranstaltungen des 100-jährigen Bestehens ausfallen. „Wir wollten mit einem Silvesterball in der Gemeindehalle starten. Und im Februar war eine Fahrt in eine Skihalle geplant“, erklärt er, dass der Festausschuss des Vereins für jeden Monat einen Programmpunkt vorgesehen hatte. „Was stattfinden kann, steht aktuell in den Sternen“, hat der Boss der Borussen auch das weitere Jubiläumsjahr vor Augen.

Er sehnt die Normalität der Zeit vor Corona herbei. „Damit man sich mal wieder unbeschwert treffen kann. Und wenn es bei einem Geburtstag ist“, sagt der 55-jährige.

Kurz gefragt

Kraft- oder Lauftraining? „Zur Zeit Fehlanzeige, da mein Knie Probleme macht. Sonst eher Laufen.“

Bringdienst oder selber kochen?„Am Wochenende gerne bestellen. Das Kochen überlasse ich meiner Frau Karin.“

Playstation oder Netflix: „Nichts von beiden.“

Podcast oder Buch? „Eine Leseratte war ich noch nie und Podcast habe ich noch nicht ausprobiert.“

Spotify oder Radio? „Die Mischung machts. Im Radio höre ich gerne Oldies.“

Lieblingsseite im Internet? „Gibt es eigentlich nicht. Durch mein Hobby bin ich natürlich oft auf www.dfbnet.org unterwegs.“

Sportlerbiografie? „Habe ich noch keine gelesen.“

Corona-Rituale? „Im ersten Lockdown habe ich meine zusätzliche Zeit für Arbeiten im Garten genutzt, die sonst vernachlässigt wurden.“

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