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Serie „Meine schönsten Sporterlebnisse“: Daseburger Tobias Dunschen ist vielseitig unterwegs

„Ich gehe gerne an meine Grenzen“

Daseburg

„Ein Fallschirmsprung war immer schon mein größter Traum“, sagt Tobias Dunschen. 2010 schenkte ihm seine Frau Isabel einen Gutschein für einen solchen Sprung und dieser gehört nun zu seinen schönsten Sporterlebnissen. Sportlich aktiv war der Daseburger viele Jahre als Fußball- und Tennisspieler, so verwundert es nicht, dass sein Aufstieg mit dem Team des TSV 1920 Ersen in die Gruppenliga ebenfalls ein sportlicher Höhepunkt für ihn ist.

Astrid E. Hoffmann

Tobias Dunschen (in rot) beim Tandem-Fallschirmsprung am alten Flughafen vor Calden. Ein Tandemsprung war schon immer ein Traum des Daseburgers. Foto:

Inzwischen hat er sich auf den Ausdauersport verlegt und gerade seinen ersten Marathon erfolgreich absolviert.

Schon seit seiner B-Jugendzeit kickte Tobias Dunschen beim TSV Ersen. 2006/2007 gelang dem Team der Aufstieg von der Bezirksliga Gruppe 1 in die Gruppenliga. Dies ist mit der Landesliga in Westfalen vergleichbar. „Das war eine tolle Kameradschaft, es hat einfach Bock gemacht dort zu spielen“, so der Ex-Fußballer. Auf der linken Außenbahn war der Daseburger schnell unterwegs, denn Laufen war damals schon sein Ding. Nach mehrmaligen Verletzungen am Sprunggelenk, musste er die Fußballschuhe an den Nagel hängen, gerade deswegen bleibt ihm dieser Aufstieg als besonderer Höhepunkt im Gedächtnis.

Die Viererkette des TSV Ersen, war auch ein Garant für die Aufstieg 2006/2007, Tobias Dunschen (rechts) erinnert sich gern daran zurück. Foto: privat

Szenenwechsel. Auf dem Flugfeld des alten Flughafens in Calden herrscht reges Treiben. Die Cessna hebt ab, hat etwa 16 Menschen an Bord. Tobias Dunschen ist seit 10 Uhr morgens vor Ort und beobachtet wie ein Fallschirmspringer nach dem anderen landet. „Alle hatten ein breites Grinsen im Gesicht“, erinnert sich der Daseburger. Er musste noch bis 15 Uhr warten, dann erst war Platz für den Fotografen. Tobias Freunde hatten zusammengelegt, damit dieser den Sprung filmt und Fotos macht. Das Wetter war traumhaft, Wolken und blauer Himmel. Etwa in 4000 Meter Höhe war es soweit, unter den Profi geschnallt, ging es aus der Luke in den etwa einminütigen freien Fall. „Ungefähr bei 1500 Meter öffnet sich der Fallschirm und dann ist es wie ein Gleiten“, berichtet Dunschen. Die Fallgeschwindigkeit beträgt etwa 200 Kilometer pro Stunde, daher sollte man, so wird einem vorher gesagt, den Mund geschlossen halten. „Das klappt natürlich nicht, ich habe die ganze Zeit geschrien. Aber dann meint man auch der Kopf platzt einem, am Boden war aber alles wieder gut“, sagt der 38-Jährige, der zu dem noch Höhenangst hat. „Es ist sehr empfehlenswert, ich würde es jederzeit wieder machen.“

Mit diesem Sprung begannen für den Stahlkaufmann viele „wilde“ Sachen. „Ich gehe gern an meine Grenzen, ich habe dann in Duisburg von einem Autokran einen Bungee-Sprung gemacht. Zum House-Running ging es in Köln auf das Dach eines Hotels. „Oben über die Kante gehen, ist hier die größte Herausforderung, dann spaziert man schön an der Fassade nach unten und kann sogar kleine Hüpfer einlegen“, kann Dunschen im Nachhinein locker erzählen.

Tobias Dunschen (links) und Trainingspartner Andreas Redeker machen beim Trailrunning eine Abstecher auf die Weidelsburg Foto: privat

2017 wurden bei ihm Herz-Rhythmusstörungen festgestellt, 2018 wurde er operiert. Ausdauersport wäre gut, sagte der Arzt. Also setzte Dunschen sich auf das Mountainbike, das hatte er früher schon gemacht. Die Ausdauer machte ihm aber erst Spaß, als der das Laufen für sich entdeckte. Beim einem Gespräch mit seinen Freunden Timo Fischer und Andreas Redeker wurde die Idee geboren, am Hermannslauf 2019 teilzunehmen. „Ich war noch gar nicht viel gelaufen, das war ein echtes Brett, aber als Neuling in Gruppe C bin ich als 1688. ins Ziel gekommen“, so der Familienvater.

Schließlich kam er zum Trailrunning, also zumeist über Wanderwege, mit vielen Höhenmetern laufen. Mit Timo Fischer nahm er am Vulcano Race am Oechsenberg in Vacha (Thüringen) teil. Auf elf Kilometer wurden 520 Höhenmeter überwunden, Dunschen wurde Neunter. Das war alles nur der Auftakt zum ersten Marathon, den er mit Andreas Redeker am ersten Dezemberwochenende um den Twistesee lief. Der Tag des Adventsmarathon, der natürlich diesmal nicht stattfand.

Bisher war Tobi Dunschen immer nur die Halbmarathonstrecke gelaufen, doch Andreas Redeker sagte: „Du bist fit genug“. Mit einem Freund auf dem E-Bike, der die Verpflegung dabei hatte, ging es für die beiden früh los und lief auch recht gut. Bei Kilometer 17 blieb der Versorgungsradler mit einem platten Reifen zurück.

Andreas Redeker und Tobias Dunschen liefen wie ein Uhrwerk, aber irgendwann war der letzte Tropfen Wasser getrunken, die Salztablette wurde im Mund immer mehr. „Dennoch war mir bei bei Kilometer 28 klar, dass wir vielleicht unter vier Stunden laufen können.“ Wohlgemerkt, beim Start war für Tobi Dunschen noch Ankommen das Ziel gewesen.

„Auf den letzten Metern wollte ich dann auch unter drei Stunden 50 Minuten kommen“, war der Läufer voller Adrenalin, dass ihn letztlich nach 3:49:43 über die Ziellinie brachte.

Dort stand der Bulli mit Getränken, Speisen und trockenen Sachen, doch den Türschlüssel hatte der Verpflegungsmann, von dem jede Spur fehlte. Also wurde weiter gelaufen, um warm zu bleiben.

„Besonders an diesem Marathon war aber, dass ich ihn genau ein Jahr nach einem Bandscheibenvorfall gelaufen bin“, sagt Tobias Dunschen, der sich gern als Motivator für andere sieht, denn er hat schon viele Verletzungen überstanden und weiß: „Man muss in Bewegung bleiben!“

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