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Sportschützin Pia Weber hat sich zweimal für Deutschen Meisterschaften qualifiziert

Mit innerer Ruhe zum Erfolg

Daseburg (WB). Auf der Olympiaschießanlage in München-Hochbrück hat sie sich 2010 mit den Besten ihrer Klasse bei den Deutschen Meisterschaften der Sportschützen gemessen. „Ich war knapp 14 Jahre alt und sehr nervös, aber es war etwas ganz besonderes“, erinnert sich Pia Weber aus Daseburg. Zwei Jahre später war sie erneut in der Schülerinnenklasse mit dem Luftgewehr dabei. 2017 schoss sich Pia Weber für ihren Verein, den SV Haueda, zur Schützenkönigin. „Das war so spontan und eine ganz andere Erfahrung als eine Meisterschaft“, erklärt die 23-jährige diese Ereignisse zu ihren schönsten Sporterlebnissen.

Astrid E. Hoffmann

Mit dem Cabrio ging es beim großen Festzug durch Kelze: Schützenkönigin Pia Weber und Schützenkönig Eckard Reichenbach. Fotos: Astrid E. Hoffmann Foto:

Mit neun Jahren war Pia Weber durch ihre Mutter, damals Luftgewehrschützin, das erste Mal mit dem Schießsport in Kontakt gekommen. Sabine Weber hatte ihre Tochter mit zum Training in Haueda genommen. Die Faszination für den Sport war geweckt, dazu kam auch ein gewisses Naturtalent, denn Pia versteht es sehr gut, die innere Ruhe zu finden. Ein wichtiger Aspekt für einen Schützen.

Mit dem Luftgewehr holte sie sich 2010 den Kreismeistertitel in der weiblichen Schülerklasse. Damit ging es zu den Gaumeisterschaften in Oberzwehren. Hier gelang die Quali für die Hessischen Meisterschaften in Frankfurt. In der Mainmetropole kam sie unter die ersten sechs Platzierten und schoss die erforderliche Ringzahl – das war das Ticket für München.

Die Titelkämpfe in München-Hochbrück gelten als größte Schießsportveranstaltung in Deutschland. Sie gehen über eine Woche, da alle Wettbewerbsklassen verschiedener Waffengattungen vertreten sind. „Meine Eltern und ich sind freitags hingefahren und haben im Hotel übernachtet. Ich habe allerdings nicht so gut geschlafen, ich war einfach zu aufgeregt“, erinnert sich Pia Weber an die Nacht vor ihrem großen Tag. In München war alles doppelt so groß wie in Frankfurt. Die Verkaufsstände reihten sich aneinander wie im Warburger Gewerbezelt der Oktoberwoche, nur halt draußen, schließlich war es August, beschreibt Weber, wie sie die Atmosphäre wahrgenommen hat.

In der Halle ging es zur Anmeldung und zur Waffenkontrolle, dann musste sie warten bis der Schießstand für ihre Klasse freigegeben wurde. Alle qualifizierten Schülerinnen traten gleichzeitig an. „Ich war so aufgeregt, dass ich es überhaupt bis zur Deutschen geschafft hatte, da war ich am Stand richtig zittrig“, beschreibt die Luftgewehrschützin den Beginn des Wettbewerbs. Nach den Probeschüssen, zwischen zehn und 15 Schuss sind üblich, wusste die Daseburgerin, es kann klappen. Mit ihren zwanzig Schüssen schaffte sie Rang 36. Von der Anmeldung bis zum Schluss des Wettbewerbes hatten ihre Eltern etwa fünf Stunden mitgezittert.

Nur zwei Jahre später durchlief sie die komplette Qualifikation erneut mit dem Endpunkt Deutsche Meisterschaften der Luftgewehrschützen der Schülerklasse weiblich. „Da war ich viel ruhiger, weil ich alles schon einmal gesehen hatte“, so Pia Weber. Beim zweiten Mal war sie nur mit ihrer Mutter angereist und auch nur Samstag und Sonntag. Die Umgebung war vertrauter, trotzdem war natürlich die Aufregung da. Diesmal saßen die 20 Schüsse besser. Es wurde Platz 17 von 188 Teilnehmern. Da war auch Mutter Sabine sehr stolz, die selbst aktuell die Vereinsjugend des SV Haueda trainiert.

Eine ganz andere Geschichte ist das Schützenfest der Sportschützenvereine im Schützenkreis Hofgeismar. Hierbei wird das Königspaar sportlich ermittelt. Aus jedem Verein dürfen eine Frau und ein Mann antreten. „Der SV Haueda hatte mich nominiert, das war schon eine besondere Ehre“, blickt Pia Weber zurück.

Um die Ausrichtung der dazugehörigen Feierlichkeiten bewerben sich die Vereine. In dem Jahr war es das Hugenottendorf Kelze. Pia Weber trainiert seit 2014 mit dem Kleinkalibergewehr in Helmarshausen und ist inzwischen ganz zu diesem Verein gewechselt. Das Schießen um die Majestätenwürde fand mit dem Kleinkalibergewehr in Immenhausen statt. Die routinierte Schützin ging es im Glasmacherort gewohnt ruhig an. „Disziplin, Ruhe, Balance, sind wichtige Komponenten, aber am wichtigsten ist die richtige Atmung“, weiß die gelernte Maler- und Lackiererin.

Nach drei Probeschüssen gab es nur einen Wertungsschuss – und der saß. Sie schoss eine 10,7 – höchstmöglich waren 10,9. Der Nachmittag in Immenhausen ist ihr noch gut in Erinnerung: „Man ist hingefahren, hat sich angemeldet, geschossen und ist wieder gefahren.“ Das Ergebnis hat sie am Abend erhalten. Mit ihrer 10,7 war sie nun Schützenkönigin des Schützenkreises Hofgeismar. Den männlichen Part hatte Eckard Reichenbach von der SG Grebenstein mit einer 10,5 geschafft. Mit ihm teilte sie sich das weiße Cabriolet, aus dem sie beim großen Festzug in Kelze am 21. Mai 2017 den begeisterten Zuschauern zuwinkten.

In der Festhalle musste das Königspaar auf das Tanzparkett. Nach reichlich Applaus gab es Blumen für die Königin und für beide jeweils eine Holzscheibe mit Namensgravur zur Erinnerung an den königlichen Tag.

In der gerade beendeten Saison steht noch eine Entscheidung aus. Pia Webers Mannschaft kann noch um den Aufstieg in die Oberliga kämpfen, der Termin für ein Schießen fiel dem Corona-Virus zum Opfer. „Wie es da weitergeht, ist noch nicht bekannt, aber die Deutschen Meisterschaften finden dieses Jahr nicht statt“, berichtet Pia Weber, die weiterhin auf viele sportliche Höhepunkte mit der Mannschaft und im Einzel hofft.

Wenn die verschobene Jahreshauptversammlung des Schützenvereins Helmarshausen nachgeholt werden kann, wird sie für das Amt der Schriftführerin kandidieren. Ihr ist es wichtig, auch da Verantwortung zu übernehmen.

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