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Serie Meine schönsten Sporterlebnisse: Dalhausener Peter Guske

„Olympische Spiele sind das größte Highlight“

Dalhausen.

Olympische Spiele in Seoul, Barcelona, Sydney, Salt Lake City und Athen – eine Reise um die ganze Welt legt Peter Guske in seinem Berufsleben hin. Der Physiotherapeut aus Dalhausen ist inzwischen 77 Jahre alt. Von Müdigkeit ist aber noch lange nichts zu spüren

Rene Wenzel

Peter Guske (Zweiter von links) mit einem strahlenden Lächeln in Salt Lake City: Bei den Olympischen Winterspielen 2002 fieberte der Dalhausener unter anderem mit der deutschen Skisprung-Mannschaft mit (von links) Sven Hannawald, Michael Uhrmann, Stephan Hocke und Martin Schmitt mit. Foto: privat

„Geistige und körperliche Betätigung halten mich sehr lange jung. Es gibt auch Tage, an denen ich mich wirklich wie 77 fühle. Aber meistens fühle ich mich dann doch viel jünger – also wie etwa 60“, sagt Guske. Komplett ausruhen gilt für ihn nicht. Der Dalhausener ist immer noch viel unterwegs. Aktuell etwas ausgebremst von Corona. Doch die ehrenamtlichen Tätigkeiten laufen im Home-Office weiter. „Ich komme gerade aus einer Video-Konferenz“, erklärt Peter Guske.

Der 77-Jährige ist ehrenamtlich in der Konföderation der deutschen Rückengesundheit (KddR) als abgeordnetes Mitglied des Verbandes Physikalische Therapie (VPT) tätig. Anfang des Jahres 2019 haben ihn die acht Mitgliedsverbände aus den Bewegungsfachberufen für die KddR zum Koordinator gewählt. Guske gibt dabei seine langjährige Erfahrung unter anderem Sportlehrern oder Physiotherapeuten weiter. Denn die Teilnahme an fünf Olympischen Spielen nimmt dem Gesundheitsexperten keiner mehr.

In Seoul half er 1988 mit, Spitzensportler auf die Wettbewerbe vorzubereiten. Bei den Sommerspielen 1992 in Barcelona war Peter Guske zu Gast bei nationalen und internationalen Kollegen im Olympischen Dorf, 2000 in Sydney folgten die für ihn größten Momente, 2002 ging es ausnahmsweise zu Winterspielen nach Salt Lake City. Und zum Ende einer langen Olympia-Reise führte der Weg 2004 nach Athen. Namen der behandelten Sportler nennt Peter Guske nicht. Dies würde gegen den Kodex der Physios verstoßen.

„Olympische Spiele sind nicht nur für die Sportler etwas Besonderes – das ist auch für einen Physio das größte Highlight, mit allem was dazugehört. Doch die Spiele in Sydney übertreffen alles“, sagt Guske mit Rückblick auf den Wettbewerb Anfang des Jahrtausends. „Da stimmte einfach alles“, betont Guske. „Die Organisatoren hatten alles sehr gut im Griff. Es war eine unglaubliche Einigkeit mit tiefgründigen Eindrücken zu spüren“, beschreibt er.

Besonders in Erinnerung bleibt ihm die Atmosphäre im deutschen Haus. Dreizehn Goldmedaillen holten die deutschen Athleten in Australien. Peter Guske stieß mit Kollegen und Athleten in Down Under auf die großen Leistungen an. Und dann ist da noch eine andere Begegnung, an die sich der damals 56-Jährige bestens erinnert.

Im Olympischen Dorf versammelte sich eine große Menschenmasse vor der Mensa. Ein besonderer Sportler war in Sydney zu Gast – Muhammad Ali. Für viele ist er einer der größten Sportler aller Zeiten. Auch für Guske. „Er war sehr gut abgeschirmt, aber ich konnte ihn ganz aus der Nähe beobachten.“ Am 3. Juni 2016 ist die größte Ikone des Boxsports im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus bei Phoenix gestorben. Für Guske ein Schock. Denn beide trennt nur ein Lebensjahr.

Doch der Gesundheitsexperte macht einen sehr fitten Eindruck. Als Physiotherapeut mit der Lizenz Sportphysiotherapie DOSB hat er über viele Jahre seinen Heimatverein SV Grün-Weiß Dalhausen betreut. Bei Bedarf ist er heute noch beim Frauen-Regionalligisten SV Bökendorf unterwegs. Richtig aktiv begleitet der 77-Jährige die Bezirksliga-Truppe des SV Dringenberg. Auch das hält ihn jung. Nicht die kurzen Sprints zu den verletzten Spielern, sondern vielmehr ist es der Kontakt zu jungen Menschen.

„Diese Tätigkeiten sind für mich nicht nur aus körperlicher Sicht wichtig. Es fördert den Gemeinschaftsgeist und macht mich fit fürs Leben. Meine Erfahrungen mit jungen Leuten sind sehr positiv. Es begeistert mich immer wieder, wie respektvoll der Umgang untereinander ist. Das macht richtig Spaß“, sagt Peter Guske. „Der Sport und der Gemeinschaftsgeist machen die jungen Sportler physisch und psychisch fit für das Leben“, betont er.

Früher die Top-Stars aus der Sport-Welt, heute die Amateurkicker aus der Region sowie Breiten-, Fitness und Freizeitsportler – der 77-Jährige macht in den Behandlungen keine Unterschiede. Bei vielen Benefiz-Fußball-Events mit früheren Nationalspielern wirkte er als Physio mit. In seinen Händen fühlen sich die Menschen wohl – auch in Zeiten von Corona.

„Es gibt hier ganz strenge Vorschriften. Schon der kleinste Erkältungsansatz eines Patienten bedeutet das Termin-Aus. In der Statistik der Ansteckungsgefahr stehen wir Physios im Ranking ganz hinten“, erklärt Guske, der immer noch privat in seinem Fachgebiet aktiv ist. Und so hält sich der Gesundheitsexperte weiter fit. Ein Ende seiner Tätigkeit ist nicht in Sicht. „Ich mache das noch so lange, wie ich fit bin“, betont der 77-Jährige.

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