Serie Meine schönsten Sporterlebnisse: Warburger Norbert Peitz ist von der Vielseitigkeit des Kanusportes begeistert

Ruhig oder wild – er mag beide Gewässer

Warburg

Norbert Peitz behält die Ruhe. Im rauschenden Wasser paddelt er mit seinem Kajak durch eine Stromschnelle mit dicken Felsbrocken auf beiden Seiten. Ein Actionfoto zeigt den Vorsitzenden des Kanu-Clubs Warburg bei einer Kanuschulung in Südfrankreich auf dem Fluss Ubaye. „Es ist ein Nebenfluss der Durance“, berichtet der 66-Jährige, der die etwa fünfzehn Kilometer lange Tour von St. Paul nach Jausiers noch gut vor Augen hat.

Günter Sarrazin

Sicher ist Norbert Peitz im Wildwasser des Flusses Ubaye in Südfrankreich unterwegs und meistert die enge Passage. Foto: Privat

„Bei der einwöchigen Schulung im Sommer 2016 bin ich auf mehreren Flüssen gefahren“, sagt Warburgs Mister Kanu, der seit 1984 als Vorsitzender die Geschicke des KC Warburg lenkt. In der Vielfalt – vom Wasserwandern und dem Naturerlebnis bis hin zu Wildwasserfahrten – liegt für den Familienvater die Faszination des Kanusports. „Beim Wasserwandern erlebt man die Natur und kann abschalten. Beim Wildwasser ist es sportlich und man lernt seine Grenzen kennen“, erklärt er.

Der Abschnitt auf dem Ubaye, auf dem er gefahren ist, bietet durchweg eine schnelle Strömung. „Bis auf wenige Stellen ist es ein übersichtliches Wildwasser mit Blockstrecken und wuchtigen Schwällen in herrlicher Landschaft“, beschreibt Norbert Peitz anschaulich. „Und schon am Anfang ist man mittendrin“, stellt er heraus.

Mittendrin war er mit seinem 21 Kilogramm schweren Wildwasserboot schon häufiger auf der Isel, die durch Osttirols Hauptstadt Lienz fließt. Die Dolomitenstadt ist eines der Lieblingsziele des Campingfreundes. „Im Urlaub verbinde ich gerne Kanutouren, Wandern und Städtebesichtigungen“, sagt der Warburger. Der Reiz des Kanufahrens auf dem Gletscherfluss liege darin, dass es wildwassertechnisch viele unterschiedliche Schwierigkeiten gebe. Zur Hauptschneeschmelze von Mitte Mai bis Mitte Juli werden hier zumeist höhere Wasserstände mit bis zu 80 Kubikmetern pro Sekunde angetroffen. „Um dort fahren zu können, sollte man in körperlich guter Verfassung sein und vor allen Dingen nie alleine aufs Wasser gehen“, betont Peitz.

Seine ersten Versuche als Kanute hat er 1967 im Alter von dreizehn Jahren bei einem Tag der offenen Tür des 1958 gegründeten Kanu-Clubs Warburg gemacht. Seitdem ist er begeistert dabei und geht voran. Grundlagen erlernte er unter anderem bei Bodo Klostermann, der auch mit 80 Jahren noch zu den Aktiven auf dem Wasser gehört. Als junger Sportler startete Norbert Peitz von 1967 bis 1974 im Kajak-Einer und im Kajak-Zweier bei jährlichen Regatten in NRW, Hessen, Niedersachsen und Holland. Hierbei belegte er viele erste und zweite Plätze. Zu den sportlichen Höhepunkten dieser Zeit gehörte seine Teilnahme an der Westdeutschen Meisterschaft im Kajak-Einer.

Vor ihrem Start: Norbert Peitz (rechts) hat im Sommer 2020 gemeinsam mit seinem Vereinskollegen Stephan Budde die fünftägige Märkische Umfahrt absolviert. „Ein tolles Erlebnis.“ Foto: Privat

Von 1977 bis 1980 betreute Peitz die Rennmannschaft des KC Warburg. Aufgrund der schlechter werdenden Trainingsbedingungen auf der Diemel, die nicht mehr genug Wassertiefe hatte, wurde der Rennsport 1982 eingestellt. Die Schwerpunkte des Vereins verlagerten sich auf den Wander- und Wildwassersport. „Aktuell gehören Sicherheits-Ökoschulungen, Kanu-Rallyes und Wanderfahrten im gesamten Bundesgebiet, in Holland, Österreich, Südfrankreich und der Schweiz zu unserem Programm“, berichtet Peitz. „Wenn Corona es zulässt“, fügt er hinzu.

Seit Jahrzehnten nehmen Warburgs Kanuten am jährlichen Wesermarathon mit seinen unterschiedlichen Distanzen von 50, 80 und 135 Kilometern teil. Das Großereignis mit den Kanufahrten von Hann. Münden bis Hameln steigt am ersten Maiwochenende. Sechsmal, so oft wie kein anderer im Kanu-Club Warburg, meisterte Peitz die Goldstrecke – die 135 Kilometer. Die Fahrzeit von etwa zwölf Stunden lässt erahnen, wie fit die Absolventen sein müssen. „Um eine solche Strecke fahren zu können, braucht man eine gute Kondition, den perfekten Paddelschlag und viel Sitzfleisch“, erläutert Peitz. Man sagt auch: „Marathon – die schönste Schinderei im Frühjahr“, bringt er es auf den Punkt. Nachdem die 50. Auflage 2020 und auch jetzt abgesagt werden musste, soll sie nun am 1. Mai 2022 stattfinden. „Wenn möglich, bin ich dabei“, so Norbert Peitz, der von 1982 bis 1984 zweiter Vorsitzender des KC Warburg war.

Dass es auch in einer langjährigen Laufbahn immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt, belegt ein Blick in das vergangene Jahr. „Da habe ich meine schönste Fahrt gemacht“, sagt Peitz. Bei der Märkischen Umfahrt ist er zusammen mit seinem Vereinskollegen Stephan Budde einen 180-Kilometer-Rundkurs gefahren. Fünf Tage dauerte die Tour. Das Gepäck wurde in den Kajaks mitgenommen, übernachtet wurde in Zelten. „Von Erkner ging es über Märkisch Buchholz, Kossenblatt, Besskow und Fürstenwalde zurück nach Erkner. Dabei paddelt man über den Dämeritzsee, die Dahme-Wasserstraße, den Köthener See, den Neuendorfer See und die Spree“, berichtet Norbert Peitz. Das Besondere sei, dass man die Natur aus einem anderem Blickwinkel sehe.

Wenn man zum Beispiel die Lippe fährt, sieht man weniger von der Landschaft, da der Fluss sehr tief im Bett liegt. Bei der Märkischen Umfahrt ist das Gegenteil der Fall. „Da kann man richtig weit schauen, die Natur erleben und genießen und trotz der Anstrengung der Fahrt entspannen.“

Nach dem Unterschied zwischen Paddeln und Rudern gefragt, nennt Peitz scherzhaft ein Zitat der Kanuten: „Der Ruderer sieht das Lokal erst, wenn er vorbei ist.“ Die Kanuten, die ihre Boote mit ihren Doppelpaddeln in Blickrichtung vorwärts bewegen, sind dann schon da.

Immer wieder schön sind für Norbert Peitz die Fahrten auf der Diemel. Die Strecken vom Diemelsee bis Marsberg und von Warburg bis Lamerden sind die Lieblingsstrecken des langjährigen Betriebsleiters der Firma PRG, der seit Ende Oktober 2017 im Ruhestand ist. Wie auf vielen Flüssen, gibt es auch im hessischen Bereich der Diemel Beschränkungen. „Diese wurden festgelegt, um die Flora und Fauna vor einer Überbelastung zu schützen“, erklärt er.

In Zeiten von Corona fehlen dem Warburger die gemeinschaftlichen Paddeltouren des Kanu-Clubs. So wünscht er sich, dass die Vereinsmitglieder bald wieder zusammen fahren können. „Entsprechende Hygienekonzepte haben wir ausgearbeitet.“

Ein erster Schritt nach Monaten des Lockdowns erfolgte in der vergangenen Woche mit der Wiederaufnahme des Vereinstrainings. Dabei müssen die Abstände auf dem Wasser beachtet werden. Und es wurden zusätzliche Gruppen gebildet. „Statt vier Booten nebeneinander fahren nun zwei mit mehr Abstand. Auch wird zum nachfolgenden Duo eine größere Distanz eingehalten“, beschreibt Norbert Peitz, der sich schon auf das nächste Training und seine nächste größere Tour freut.

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