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Fußball: Nach 44 Jahren verlässt der Germeter Wolfgang Eikenberg die Kreisspruchkammer

Urteile auch nach Mitternacht

Germete (WB). Seit 44 Jahren ist Wolfgang Eikenberg in der Spruchkammer des Fußballkreises aktiv, seit 27 Jahren Kammerchef. Beim Kreistag in Bonenburg geht Ende April eine Ära zu Ende. Der Germeter stellt sich nicht erneut zur Wahl.

Sylvia Rasche

Die Satzung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen ist Wolfgang Eikenberg bestens vertraut. Seit 44 Jahren ist er Mitglied der Kreisspruchkammer, seit 27 Jahren Vorsitzender. Mit 75 Jahren stellt er sich nun nicht mehr erneut zur Wahl. Foto: Sylvia Rasche

Es ist das Jahr 1975. Borussia Mönchengladbach wird Deutscher Fußballmeister, gewinnt zudem den UEFA-Cup. Niki Lauda holt seinen ersten Formel-1-Weltmeisttitel. Udo Jürgen führt mit »Griechischer Wein« die Hitparade an. Im kleinen Fußballkreis Warburg übernimmt Bürokaufmann Wolfgang Eikenberg (32) aus Germete einen frei gewordenen Platz in der Spruchkammer unter Vorsitz des Hohenwepelers Franz Peine. Der Libero der zehn Jahre zuvor von ihm mitgegründeten ETSG Germete sollte diesen Posten über mehr als vier Jahrzehnte nicht mehr loswerden.

Neue Altersgrenze für Ämter im Kreis und Verband

Mehr noch: 1985 wurde er stellvertretender Kammervorsitzender, 1992 als Nachfolger von Heinz Scholle Vorsitzender der Warburger Kreisspruchkammer und 2013 auch Chef der Kammer der fusionierten Kreise Höxter und Warburg. »Das ist schon eine lange Zeit. Aber es hat immer Spaß gemacht, weil wir in der Kammer stets ein tolles Team zusammen hatten«, sagt Eikenberg im Rückblick. Mit 20 verschiedenen Kollegen hat er in den 44 Jahren zusammen gearbeitet.

Doch jetzt ist Schluss. »Ich möchte nach der langen Zeit Platz für Jüngere machen«, sagt Wolfgang Eikenberg. Nach einem Beschluss des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen dürfte er noch einmal wiedergewählt werden, verzichtet darauf aber. Es gilt eine neue Altersgrenze für Ämter im Kreis und Verband. »Die beträgt 75 Jahre. Es gibt jedoch eine Übergangsfrist«, berichtet Eikenberg. Seine Entscheidung stand auch ohne diese neue Altersbegrenzung längst fest.

Die Zahl der Verhandlungen ist in der jüngsten Vergangenheit nicht mehr so hoch wie früher. Grund ist eine Satzungsänderung: Seit 2017 heißt die Spruchkammer offiziell Kreissportgericht. Ein Einzelrichter soll die Fälle möglichst im schriftlichen Verfahren entscheiden. Nur in Ausnahmefällen gibt es noch die mündlichen Verhandlungen, wie Wolfgang Eikenberg sie jahrzehntelang geführt hat.

Beweisaufnahme bis weit nach Mitternacht

»Da ist viel zusammen gekommen«, sagt er in der Rückschau. Sitzungen mit besonders vielen Zeugen in der Beweisaufnahme dauerten auch schon mal bis weit nach Mitternacht. »Ich erinnere mich an einen Fall, da war der Geschäftsführer eines Vereins angeklagt, einen Spielbericht gefälscht zu haben. Er bestritt das allerdings. Wir haben sehr viele Zeugen gehört und schließlich nachts um ein Uhr das Urteil verkündet.« Ein Jahr Funktionssperre und 250 Mark Strafe verhängte die Kammer seinerzeit. Der Geschäftsführer legte Berufung ein. Der Fall ging vor die Bezirksspruchkammer. »Die hat dann auf ein halbes Jahr Sperre und 500 Mark entschieden«, so der Germeter.

Ein »besonders dreister Fall« sei ihm erst in der vergangenen Spielzeit untergekommen. »Da haben mehrere Spieler unter falschem Namen in einer Partie mitgewirkt. Weil dem Schiedsrichter das bei der Passkontrolle nicht auffallen sollte, hatte der Betreuer sogar die Fotos in den Pässen ausgetauscht«, berichtet Wolfgang Eikenberg. Neun Monate Sperre gab es dafür.

Die höchsten von der heimischen Kammer verhängte Sperren aktiver Fußballer belaufen sich auf 18 Monate. »Das hatten wir sogar in dieser Amtszeit, also in den vergangenen drei Jahren, gleich zweimal. In beiden Fällen ging es um Tätlichkeiten«, berichtet der engagierte Ehrenamtler.

Auch Vorsitz beim FC Germete-Wormeln abgeben

Er war nicht nur in der Kammer, sondern auch im Verein tätig. Zuerst in der ETSG Germete, danach im ebenfalls von ihm mitgegründeten FC Germete-Wormeln. Der 2003 gegründete Fußballverein an der Diemel kennt nur einen Vorsitzenden in seiner Geschichte: Wolfgang Eikenberg. Doch auch damit möchte der Fußballfan jetzt aufhören, ist aber noch auf der Suche nach einem Nachfolger.

Den hat er im Kreissportgericht schon gefunden: Der Wormelner Gerd Thöne, neben Eikenberg derzeit einziger Einzelrichter der Kammer, wird in Bonenburg am Freitag, 26. April, für den Vorsitz kandidieren. »Die ganze Mannschaft steht, sofern sie von den Delegierten des Kreistages gewählt wird«, freut sich Wolfgang Eikenberg, dass er ein gut aufgestelltes Sportgericht an seinen designierten Nachfolger, der übrigens ebenfalls schon seit 1995 dabei ist, übergeben kann.

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