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Das Sportgespräch: Petra Huppert-Buch

„Vereine stellen sich Herausforderungen“

Kreis Höxter

„Heimische Vereine sind neue Wege gegangen, um die Corona-Krise zu meistern. Ihnen werden viel Optimismus, Kreativität und auch eine ganze Menge Flexibilität abverlangt“, sagt Petra Huppert-Buch. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Kreissportbundes Höxter und Geschäftsführerin der Sportjugend im KSB blickt im Gespräch mit Redakteur Günter Sarrazin auf die Zusammenarbeit mit Vereinen, Schulen und Kitas in Zeiten der Corona-Pandemie.

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Petra Huppert-Buch hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Als Mitarbeiterin des Kreissportbundes Höxter und als Übungsleiterin bringt sie Menschen in Bewegung. Foto: privat

Frau Huppert-Buch, hat die Corona-Pandemie mit dem zweiten Lockdown die Arbeit der Vereine, des Kreissportbundes Höxter und auch die Zusammenarbeit zwischen KSB und Vereinen sowie mit Schulen und Kitas noch mehr verändert?

Petra Huppert-Buch: Auf jeden Fall trifft die Pandemie den organisierten Sport gerade jetzt im zweiten Lockdown noch einmal hart. Sie ist eine der größten Herausforderungen, der sich Sportvereine und Bildungsinstitutionen stellen dürfen. Und das seit März des vergangenen Jahres.Dass wir beim KSB und der Sportjugend seit Beginn der Corona-Krise digitaler geworden sind, ermöglicht uns, neben dem zeitweise mobilen Arbeiten weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, Themen anzugehen und im Austausch zu bleiben. Einige Seminare, Fortbildungen, Vorstandssitzungen, Erfahrungsaustausche und Besprechungen bieten wir mittlerweile in digitaler Form an. Die Erfahrung des vergangenen Jahres zeigt, dass es Sinn macht, darüber nachzudenken, dies auch nach überstandener Pandemie in das Portfolio des KSB zukünftig aufzunehmen.

Die Vereine stellen sich seit Beginn der Corona-Krise immer wieder neuen Aufgaben und Schwierigkeiten.

Huppert-Buch: Ja, die Vereine sind gefordert, sich in einem Dschungel regelmäßig veränderter Corona-Schutzverordnungen zurecht zu finden. Nachdem von einem auf den anderen Tag der gesamte Sportbetrieb zum Erliegen gekommen ist, sind in den Vorständen viele Fragen entstanden. Wie gehen wir mit dieser nie dagewesenen Situation um? Wie soll es weitergehen, beziehungsweise was kann der Verein trotz Sicherheitsauflagen, Kontaktbeschränkungen und Hygienevorschriften seinen Mitgliedern anbieten und grundsätzlich leisten? Das verlangt den Sportvereinen viel Optimismus, Kreativität und auch eine ganze Menge Flexibilität ab – und das in allen Aufgabenfeldern. Krisen eröffnen manchmal aber auch Chancen und neue Wege – und die sind heimische Vereine gegangen. Es freut mich, dass einige von ihnen Outdoor-Angebote und digitale Online-Sportangebote eingerichtet haben oder ihren Mitgliedern über die sozialen Medien Infos und Ideen zukommen lassen.

Was macht der Kreissportbund, um die Vereine in dieser schwierigen Phase zu unterstützen?

Huppert-Buch: Seit Beginn der Pandemie informieren wir die Vereine in regelmäßigen Abständen per Mail über die geltenden Regelungen für den Sport im Rahmen der jeweils gültigen Corona-Schutzverordnung und beraten, wie sie trotz Hygienekonzept oder kompletter Schließung in Kontakt mit ihren Vereinsmitgliedern bleiben können beziehungsweise ihnen Bewegungsideen für Zuhause unterbreiten können.Hier haben wir insbesondere auf die Maßnahmenpakete der Kampagne „Trotzdem Sport“ des Landessportbundes NRW und der Fachverbände aufmerksam gemacht. Einige Vereine haben die Möglichkeit genutzt, an ihre Vereinskinder Advents- oder Neujahrstüten zu verteilen, die kleine Bewegungsspiele, Mal- und Bastelvorlagen oder Bewegungsmaterialien für zu Hause beinhalteten.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Schulen und Kitas?

Huppert-Buch: Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten ist bedingt durch die Auflagen und Vorgaben, die von den Institutionen eingehalten werden müssen, etwas schwieriger. Im Rahmen der Möglichkeiten versuchen wir, weiter zu informieren. Wenn gewünscht, bieten wir telefonische oder auch digitale Beratungen an.

Was sind ansonsten die Schwerpunkte dieser Zusammenarbeit?

Huppert-Buch: Hier möchte ich zwei Projekte hervorheben: den Anerkannten Bewegungskindergarten und das Sporthelferprogramm. Im Projekt „Gütesiegel zum Anerkannten Bewegungskindergarten“ betreue ich neun Kindertageseinrichtungen und neun Sportvereine, die als kinderfreundlicher Verein mit den Einrichtungen kooperieren. Hier stehe ich mit ihnen im regelmäßigen Austausch. Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, die vorgegebenen Qualitätskriterien jährlich abzufragen. Eines der wichtigsten Kriterien ist die regelmäßige Aus- und Fortbildung der Erzieherinnen und Erzieher sowie Übungsleiterinnen und Übungsleiter im Bereich der Bewegungsförderung. Ziel ist es immer wieder, neue Inputs zu geben und aufzuzeigen, wie in Kindergarten und Verein die Kinder in Bewegung gehalten werden können.Das Sporthelferprogramm findet an den weiterführenden Schulen statt. Hier gibt es 13 Schulen, die regelmäßig die Sporthelfer-1-Ausbildung durchführen. Diese Ausbildung qualifiziert Jugendliche ab 13 bis 15 Jahren für eine helfende Tätigkeit in Schulen und oder auch Sportvereinen.

Was umfasst das Programm „NRW bewegt seine Kinder“, für das Sie beim Kreissportbund zuständig sind?

Huppert-Buch: Es gibt vier Handlungsfelder in diesem Programm, die alle auf ein Ziel hinwirken: Kinder möglichst früh zu einem lebenslangen Bewegen und Sporttreiben hinzuführen. Kinder haben von Natur aus einen Bewegungsdrang, über die Bewegung erfahren sie sich und ihre Umwelt. Diese Bewegungslust gilt es zu erhalten. Laut dem bundesweiten, aktuellen vierten Kinder- und Jugendsportbericht bewegen sich Kinder im Alltag immer noch zu wenig. Unser Auftrag ist es, ein möglichst passendes und breit gefächertes Bewegungsangebot zu schaffen. Wir möchten Sportvereine motivieren beziehungsweise dabei unterstützen, entsprechende Angebote in den jeweiligen Altersgruppen anzubieten. Die Qualifizierung von geeigneten Übungsleiterinnen und Übungsleitern ist hier das A und O.

Wie werden die Kooperationen möglich?

Huppert-Buch: Damit Kooperationen möglich werden, versuchen wir seitens des KSB entsprechende Netzwerke aufzubauen. Im Bereich der Kindertagesstätten und der Kindertagespflege stehen wir hierzu mit den Fachberaterinnen des Kreises Höxter in Kontakt. Im Bereich der Schulen sind wir mit dem Schulamt im Austausch. Und wenn es um den Ganztag der Schulen geht, stehen wir mit den jeweiligen Trägern des Ganztags in Kontakt.

Wie erleben Sie Corona gerade bei diesem Projekt?

Huppert-Buch: Die Corona-Krise hat zu Beginn den gesamten Kinder- und Jugendsport zum Erliegen gebracht. Nichts ging mehr. Es gab keine Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote mehr in den Vereinen, Schulen und Kitas. Gut nachgefragte Qualifizierungsveranstaltungen und geplante Termine mussten abgesagt werden. Das hat mich anfangs sowohl beruflich als auch persönlich sehr betroffen gemacht. Glücklicherweise haben wir uns im KSB, wie eingangs gesagt, zügig digital aufstellen können. Der Corona-Krise gewinne ich insofern etwas Positives ab, dass ich erfahren durfte, dass die digitale Welt viele Möglichkeiten bietet, nicht nur, um sich mit anderen auszutauschen und in Kontakt zu bleiben, sondern auch, um trotzdem gemeinsam Sport zu treiben.

Welche Projekte sind über die genannten hinaus in Planung? Welche mussten abgesagt werden?

Huppert-Buch: Ein besonderes Projekt, das ungefähr ab Mai dieses Jahres umgesetzt werden soll, ist das Programm „Bärenstark in Höxter“. Hier geht es um ein Selbstbehauptungsprogramm für Kinder im Vorschulalter mit dem Ziel, diese in ihrem Handeln und Tun nachhaltig zu stärken. Für das Kooperationsangebot zwischen Kindertagesstätten und Sportvereinen suchen wir noch Übungsleiterinnen und Übungsleiter sowie interessierte Vereine. Dazu soll es in naher Zukunft eine Informationsveranstaltung geben.Unsere erstmalig geplante Praxisbörse „Kinder in Bewegung“ mussten wir leider aufgrund des erneuten Lockdowns im November absagen. Das war sehr schade. Wir werden einen erneuten Versuch in diesem Jahr starten.

Was fehlt Ihnen persönlich am meisten?

Huppert-Buch: Da geht es mir wahrscheinlich wie vielen anderen Menschen auch: die sozialen Kontakte. Ich wünsche mir, endlich wieder in der Gruppe Sport treiben zu dürfen, sich dort gemeinsam auszutauschen, zu lachen und gemeinsam Freude und Spaß zu haben. Und natürlich fehlt mir das Wiedersehen von Freunden und Verwandten. Vor allem derjenigen, die weiter weg wohnen.

Sie sind selbst früh und vielseitig mit Sport angefangen und auch früh Übungsleiterin geworden. Was war Ihre Motivation?

Huppert-Buch: Ich glaube der Grundstein für meine eigene Motivation ist schon in der frühen Kindheit gelegt worden, zunächst durch die Menschen, die mich für den Vereinssport begeistert haben. Der Rest hat sich dann im Laufe der Zeit ergeben.Ich habe in meinem damaligen Verein viele persönliche und positive Erfahrungen sammeln können und durfte mich aufgrund des breit gefächerten sportlichen Angebotes vielseitig ausprobieren. Auch haben verschiedene Vorbilder zur Motivation beigetragen. Wenn ich meine eigene Übungsleitertätigkeit betrachte, habe ich diesen Weg auch wegen der positiven Erfahrungen mit meinen Trainerinnen und Trainern eingeschlagen. Sie sind auch dafür verantwortlich, dass ich mit 14 Jahren als Helferin aktiv geworden bin und später den Übungsleiterschein absolviert habe. Ich habe in meinem Sportverein einen großartigen Zusammenhalt erleben dürfen. Diese vielen positiven Erfahrungen und die Tatsache, dass ich mich selbst gerne bewege, motivieren mich bis heute, als Übungsleiterin andere Menschen in Bewegung zu bringen.

Wie sieht aus Ihrer Sicht der Sportverein der Zukunft aus?

Huppert-Buch: Ein Patentrezept gibt es nicht. Sportvereine haben sich immer wieder neuen Herausforderungen, gesellschaftlichen Entwicklungen aber auch unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen von Menschen zu stellen. Die Frage ist, inwieweit sie bereit sind beziehungsweise bereit sein können, sich zu verändern, weiterzuentwickeln und anzupassen. Meine Empfehlung wäre, regelmäßig eine Bestandsaufnahme zu machen und zu schauen, wo steht der Verein, wo hat er Bedarf, was möchte und was kann er verändern und welche Unterstützung benötigt er zum Beispiel vom Kreissportbund, der Sportjugend oder den Fachverbänden. Auch braucht es eine offene und gute interne sowie externe Kommunikation.

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