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Helmut Motyl, Vorsitzender des Warburger SV, im Gespräch

„Wir könnten sofort loslegen“

Warburg

Das sportliche Tagesgeschäft ruht im Lockdown. Doch hinter den Kulissen wird beim Warburger Sportverein eifrig weiter gearbeitet. Alternative Angebote in der Corona-Zeit und der Re-Start beschäftigen den Vorsitzenden Helmut Motyl und sein Team.

Sylvia Rasche

Der Warburger SV ist 2020 der mitgliederstärkste Sportverein des Kreises Höxter gewesen. Hinter den Kulissen läuft die Vereinsarbeit auch im Lockdown weiter. So gibt es zwei neue Abteilungen, erklärt Vorsitzender Helmut Motyl. Foto: Sylvia Rasche

Herr Motyl, das Motto des Warburger SV lautet „Wir bewegen Warburg“. Wie gelingt Ihnen das während des Corona-Lockdowns?

Helmut Motyl: Wir geben unser Bestes und versuchen, mit unseren Mitgliedern durch verschiedene Aktionen in Kontakt zu bleiben und ihnen Angebote zu machen. Zum Beispiel waren die beiden Familienrallyes ein großer Erfolg. An der Premiere haben sich 67 Familien beteiligt. Vom Kleinkind bis zu den Großeltern waren alle auf den Beinen. Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Außerdem bieten wir auch Online-Kurse an und könnten diese bei Bedarf ausbauen. Vor allem möchten wir aber wieder mit unserem normalen Sportprogramm starten und sind da vorbereitet. Wann immer der Lockdown endet, wir könnten sofort loslegen.

Inwieweit können Online-Kurse die normalen Trainingseinheiten ersetzen oder zumindest abfedern?

Motyl: Das haben wir im Vorstand und auch mit den Übungsleitern ausgiebig diskutiert. Das Internet ist ja voll von Onlinekursen der verschiedensten Anbieter. Trotzdem haben wir uns entschlossen, dort auch einzusteigen. Wir sehen unseren Vorteil darin, dass die Sportler bei ihrem gewohnten Übungsleiter aktiv bleiben können.

Die neue Sportanlage Diemelaue ist im vergangenen Jahr eröffnet worden. Bisher gab es hier nur Sportevents unter Corona-Bedingungen. Blutet Ihnen das Herz oder sind Sie froh, überhaupt die eine oder andere Veranstaltung über die Bühne gebracht zu haben?

Motyl: Natürlich hätten wir uns eine große Eröffnungsfeier mit einem Tag der offenen Tür gewünscht. Aber das ging ja nun mal nicht. Trotzdem haben wir es geschafft, in der Diemelaue unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen sehr viel Sport anzubieten. Da wir alles dokumentieren mussten, kennen wir auch die genauen Zahlen. Im Juni waren 760 Sportler aktiv, im Juli 1400 und im August 2150. An einem Abend hatten wir sogar 151 Sportler in unterschiedlichen Gruppen vor Ort. Allerdings fehlte das Vereinsleben trotzdem. Alle kamen zu ihren Terminen und mussten anschließend schnell wieder verschwinden. Die Disziplin bezüglich der Einhaltung der Corona-Maßnahmen war bei Athleten und Zuschauern, die ja zeitweise auch zugelassen waren, sehr hoch.

In Ihrem Jahresprogramm fallen gleich drei Wandertermine auf, eine Familienwanderung, eine Nachtwanderung und eine Mega-Wanderung. Sie folgen damit dem aktuellen Trend...

Motyl: Wir haben Ende des Jahres zwei neue Abteilungen gegründet. Eine davon ist die Wander-Abteilung. Die Nachtwanderung für Jugendliche hatten wir ja schon früher im Programm, dazu kommen jetzt eine gemütliche Familienwanderung und die sportliche Mega-Wanderung. Diese wird 35 Kilometer umfassen und in einer großen Runde von der Diemelaue zum Quast und zurück führen.

Sie sprachen von zwei Abteilungen. Welchen Sport haben Sie noch neu im Angebot?

Motyl: Boule. Wir haben in der Diemelaue ja die beiden neuen Bahnen und haben uns auch dem Dachverband angeschlossen. Dabei sind Hobbyspieler und auch ambitionierte Spieler willkommen.

Ein Blick auf Ihre größte Veranstaltung, den Warburger Diemellauf. 2020 war er einer der ersten Läufe, die wegen des Corona-Virus abgesagt werden mussten und nun fällt er wieder aus.

Motyl: Er wird verschoben. Wir haben uns gegen den Termin im März entschieden, weil wir nicht glauben, dass der Lauf in seiner normalen Form dann schon wieder möglich wäre. Bei der virtuellen Variante fehlt uns das typische Volkslauf-Flair, das uns sehr wichtig ist. Daher nehmen wir am 28. August einen neuen Anlauf. Der Termin war im Hochstift-Cup noch frei. Wir hoffen, dass wir bis dahin wieder viele Athleten auf die Strecke schicken dürfen.

In den Sommermonaten hat sich der Warburger SV in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Camps am Ferienprogramm der Stadt beteiligt, unter Auflagen auch im Corona-Sommer 2020. Was planen Sie für diesen Sommer?

Motyl: Eine besondere Premiere: Erstmals im Kreis Höxter haben wir die Fußballschule von Real Madrid zu Gast und freuen uns sehr darauf. 40 Kinder haben sich schon angemeldet. Außerdem gibt es wieder unser Actioncamp, in dem die Teilnehmer verschiedene Trendsportarten ausprobieren können. Zudem steht erstmals eine Theater-Woche auf unserem Plan.

Der Warburger SV ist 2014 als Fusionsverein entstanden und der größte Sportverein im Warburger Land. Wie steht es um die Struktur des Vereins?

Motyl: Wir waren im vergangen Jahr mit 1237 Mitgliedern sogar der größte Sportverein im Kreis Höxter. Während der Corona-Pause haben uns leider nicht alle Mitglieder die Treue gehalten. Aktuell stehen wir bei 1144. Normalerweise wachsen wir im Frühjahr. Das wird dieses Jahr wegen des Lockdowns vermutlich anders sein. In unserer Geschäftsstelle haben wir zwei Mitarbeiterinnen auf Mini-Job-Basis. Ich selbst bin Rentner und habe viel Spaß an der Vereinsarbeit. Diese vielen Stunden kann niemand, der im Berufsleben steht, nebenbei leisten. Daher müssten wir eigentlich noch einen hauptamtlichen Mitarbeiter einstellen. Dazu müssten wir uns in absehbarer Zeit aber bei 1500 bis 1600 Mitgliedern einpendeln.

Sie sind Stützpunktverein im LSB-Projekt „Integration durch Sport“. Wie engagieren Sie sich dort?

Motyl: Wir haben schon 2015 in der ersten großen Flüchtlingswelle integrative Angebote vor allem für Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlingsfamilien geschaffen und diese weiter ausgebaut. Seit 2017 sind wir Stützpunktverein für Integration und Migration. Alle unsere Angebote sind so ausgerichtet, dass Kinder aus Flüchtlingsfamilien bei uns am Sport teilnehmen können und integrativ betreut werden.

Worauf freuen Sie sich nach dem Lockdown am meisten?

Motyl: Auch wenn die Antwort überraschen mag: Ich freue mich auf mehr Ruhe und auf gemeinsame Aktivitäten mit meiner Frau. Wir haben zwar aktuell keinen normalen Sportbetrieb, aber hinter den Kulissen sehr viel zu organisieren. Die Vereinsarbeit macht in diesen Zeiten keine Pause – im Gegenteil.

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