1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Kreis Höxter
  6. >
  7. Radtour Andrea Alessandrini: Wenn die Weser zum Norkap führt

  8. >

Radsport: Italiener Andrea Alessandrini kommt bei 3800-Kilometer-Tour auch durch den Kreis Höxter

Wenn die Weser zum Nordkap führt

Höxter

Die Welt ist sein Zuhause. Derzeit ist der Italiener Andrea Alessandrini mit dem Rennrad auf dem Weg vom Lago Maggiore zum Nordkap – und dabei in der vergangenen Woche auch durch die Kreise Höxter und Holzminden gekommen.

Von Sylvia Rasche

Er will vom Lago Maggiore mit dem Rad bis zum Nordkap (kleines Foto rechts) und ist auf den 3800 Kilometern von Norditalien bis nach Nordnorwegen auch durch die Kreise Höxter und Holzminden gekommen. Den Weserradweg (großes Foto) bezeichnet Andrea Alessandrini (kleines Foto links) als „ spektakulär“. Solche Wege brauchen wir auch in Italien.“ Foto: privat, dpa

„Ich hatte vorher noch nie vom Weserradweg gehört, war erst bei der Vorbereitung meiner Reise darauf gestoßen“, räumt der 37-Jährige ein. Wenn er dann von seinen Eindrücken dieses Abschnitts seines Abenteuers berichtet, kommt ein Wort ziemlich häufig vor: „Spektakulär“.

Begeistert vom Weserradweg

„So gut ausgebaute und gepflegte Radwege gibt es in Italien kaum. Ich habe ganze Familien mit vollbepackten Rädern auf der Tour gesehen. Das wäre bei uns undenkbar“, erzählt er. Obwohl er ausgerechnet auf seinem Weg durch den Kreis Höxter das bislang schlechteste Wetter der ganzen Reise erwischt und mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatte, kam er gut voran. „Auf den Wegen ist das auch nicht schwer“, lacht Alessandrini, der inzwischen Deutschland einmal der Länge nach durchfahren hat und über Dänemark bereits in Schweden angekommen ist.

Tagesetappen bis 170 Kilometer

Um die 130 Kilometer fährt er im Schnitt pro Tag mit seinem Rennrad, mit Spitzen bis zu 170 Kilometern wie am Donnerstag bei der ersten Schweden-Etappe. „Die ganz langen Tagesstrecken habe ich aber jetzt hinter mir. Aber man weiß ja nie, was noch so kommt“, sagt der Mathematiker, der für die Leidenschaft des Reisens kürzlich sogar seinen Job in Rom gekündigt hat und nun das Hobby zum Beruf machen will.

Zum Start über den Pass

Nach der Rückkehr vom Nordkap stehen die ersten beiden Einsätze als Reiseleiter (Indonesien und USA) bereits fest in seinem Terminkalender. Einen eigenen Reiseblog (www.travelsbeer.com) führt er schon länger. Von den geplanten 3800 Kilometern zum Nordkap hat er etwa die Hälfte absolviert und musste dabei gleich in den ersten beiden Tagen ordentlich Höhenmeter stemmen, um über den Gotthard-Pass in die Schweiz zu kommen. Weiter ging es Richtung Deutschland, einen Teil der Romantischen Straße und – ganz wichtig – zur deutschen Märchenstraße.

Tour für verstorbene Cousine

Die war nämlich ein zentraler Bestandteil seiner Reise. „Ich wollte immer schon mal zum Nordkap. Dass ich ausgerechnet jetzt fahre, hat mit dem plötzlichen Tod meiner Cousine zu tun“, erzählt Andrea Alessandrini. Seine verstorbene Cousine Caterina Villano hat ein Märchenbuch („Storie per Sogni d´oro“) verfasst. „So kam die Idee auf, ihr diese Reise zu widmen, indem ich über die Deutsche Märchenstraße fahre, und dabei auch ein bisschen für das Buch werbe“, berichtet der Italiener. Damit war klar, dass sein Weg vom Lago Maggiore, wo seine Familie lebt, zum Nordkap genau durch den für ihn bis dahin völlig unbekannten Kreis Höxter führen würden.

Beim WM-Finale in Berlin

Mehr als 70 Länder auf allen Kontinenten hat der Ausdauerathlet, der auch Marathon läuft, bisher bereist. „Es kommen bestimmt noch weitere Länder dazu. Ich bin neugierig, lerne gerne neue Orte und neue Menschen kennen“, sagt er. An Deutschland hat der Fußballfan ganz besondere Erinnerungen. 2006, beim WM-Titel der Azzurri war er im Berliner Olympiastadion live dabei. „Ein tolles Erlebnis. Ich hatte zuvor schon das Spiel in Kaiserslautern gegen Australien gesehen. Aber das Finale gegen Frankreich war natürlich einzigartig“, schwärmt er noch heute.

In Südamerika verliebt

Begeistert berichtet er von verschiedenen Reisen, wie von der längsten Radtour seines Lebens vor dem aktuellen Nordkap-Abenteuer: Die Carretera Austral in Chile. „Das waren 1100 Kilometer bis nach Patagonien mit beeindruckenden Landschaften“, erzählt der Weltenbummler, der sich nicht zuletzt wegen dieser Tour in Südamerika verliebt hat. „Bis auf Venezuela habe ich dort alle Länder schon einmal besucht.“

Immer Richtung Norden

Doch jetzt geht es erst einmal Richtung Norden. Seit dem 29. Juni ist er unterwegs und kennt nur eine Richtung – immer nordwärts und meist gegen den Wind. Das Nordkap will er am 1. August erreichen. „Ich mache vor jeder Tour Pläne, die ich unterwegs immer wieder anpasse. Der 1. August müsste aber klappen“, blickt er voraus. Im Gepäck hat er bei der Rückkehr viele neue Erlebnisse – darunter auch die „spektakulären“ Eindrücke des heimischen Weserradweges.

Startseite
ANZEIGE