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Meine Corona-Pause: Jonas Franke, Vorsitzender des TuS Willebadessen, hat den Laufsport für sich entdeckt

Das Fitness-Motto: „Schlag den Präsidenten“

Willebadessen

Ein Beachvolleyballfeld und eine Boulebahn haben sie neu angelegt. Die Heimkabine des Sportheims haben sie komplett renoviert, den Sandkasten für die jüngsten Mitglieder erneuert und obendrein ein großes Stück der vormaligen Aschenbahn um den Sportplatz als Zuschauerweg gepflastert: Die Vorstandsmitglieder des TuS Willebadessen und freiwillige Helfer aus der ersten Seniorenfußballmannschaft sowie aus dem Volleyballteam haben im ersten Coronajahr einige Projekte angepackt und umgesetzt.

Günter Sarrazin

Laufen macht ihnen sichtlich Spaß: Jonas Franke (rechts) und Mahmut Demir absolvieren ihre Runden an den Paderborner Fischteichen. Foto: Privat

„Das war sehr schön. Wir haben sogar mehr geschafft, als wir uns vorgenommen hatten. Gut war, dass auch die einzelnen Abteilungen zusammengearbeitet haben. So sind die Volleyballer und die Fußballer etwas zusammengerückt“, sagt Jonas Franke. Der 29-jährige Ingenieur steht seit fast einem Jahr mit einem neuen Führungsteam an der Spitze des Traditionsvereins. Die Vorstandsmannschaft wurde am 13. März 2020, also direkt vor dem ersten Corona-Lockdown, gewählt. Trotz aller Einschränkungen und Erschwernisse hat sie vieles auf den Weg gebracht.

Nach der Übernahme der Amtsgeschäfte und einigen Vorstandssitzungen, die als Videokonferenzen abgehalten wurden, begann bereits im April der erste Baueinsatz. „Hinter dem Tor zum Sportheim haben wir eine Fläche mit dem Bagger ausgehoben, mit Sand gefüllt, Randsteine und Pfosten gesetzt“, blickt Franke auf die Entstehung des Beachvolleyballfeldes zurück.

Der meiste Schweiß floss bei den Pflasterarbeiten. Von der Feuerwehreinfahrt ins Eggestadion bis zum Garagenvorplatz neben dem Sportheim wurden im Juni auf einer Länge von gut 150 Metern Pflastersteine verlegt. „Das war eine lange geplante Aktion“, erinnert Franke daran, dass von der Stadt Willebadessen zur Verfügung gestellte Pflastersteine einige Jahre am Sportheim gelegen haben. Mit frischem Elan setzte der neue Vorstand das Bauprojekt um.

Eine neue Sportart hat der Borussia Dortmund-Fan, der seit sechs Jahren in Paderborn wohnt und in Lengerich im Münsterland arbeitet, während der Corona-Krise für sich entdeckt: das Laufen. Eigentlich habe er es früher nie gerne gemacht, doch Mahmut Demir habe ihn dazu motiviert. Der Paderborner ist Spieler und Assistenztrainer des Willebadessener B-Liga-Teams. „Bruder, wir müssen uns doch auch in der Coronazeit fit halten, hat er im Dezember zu mir gesagt“, berichtet Franke. Der ließ sich nicht lange bitten und so begannen die beiden gleich in den nächsten Tagen mit lockerem Joggen. „Dabei hatten wir auf der Laufrunde um den Paderborner Ahornsportpark ideale Trainingsbedingungen“, sagt Franke. Nachdem auch das komplette Gelände dort aufgrund der verschärften Corona-Schutzverordnungen geschlossen wurde, entdeckten die beiden die Laufstrecken rund um die Fischteiche der Domstadt für sich. „Dort haben wir auch einige Fußballer aus anderen Vereinen getroffen. Das war eine zusätzliche Motivation“, erklärt der TuS-Vorsitzende.

Inzwischen ist er so gut in Form, dass er die Spieler der ersten Seniorenmannschaft des fast 600 Mitglieder zählenden Vereins zu einem Wettbewerb gebeten hat. „Schlag den Präsidenten“ heißt das Fitness-Motto. Konkret sieht es so aus: Wenn es drei Spieler schaffen – jeweils einzeln gezählt – im Februar mehr Kilometer zu laufen als Jonas Franke, gibt dieser beim nächsten Mannschaftsabend etwas an Getränken dazu. Und wenn die Spieler es nicht schaffen? „Dann bekomme ich ein Getränk aus der Mannschaftskasse“, lächelt Franke, der den TuS mit seiner ruhigen und ausgeglichenen Art führt.

Die Aktion wird gut angenommen. Überrascht war der Herausforderer, „dass die Jungs so viel laufen und nach der ersten Woche schon mehrere Spieler mehr als 50 Kilometer absolviert hatten.“ Damit habe er nicht gerechnet, bekennt Franke. Wegen des Wintereinbruchs war der Wettbewerb ein paar Tage unterbrochen. Seit Montag dieser Woche geht er weiter.

Für den Verein unterwegs waren einige Vorstandsmitglieder der Rot-Weißen am vergangenen Samstag. Sie gingen in Willebadessen von Haus zu Haus und verteilten coronakonform Schnuckertüten an die Kinder. „Wir wollten unseren jungen Jecken eine Freude machen“, weist Jonas Franke auf den traditionellen Kinderkarneval des TuS hin. „Dieser wird seit dem Jahr 1969 gefeiert“, hat er in der Chronik nachgeschlagen.

Ein frischer Wind wehe bei den Rot-Weißen mit den neuen Jugendfußballobleuten Mark Schieberle und Elmar Lüke auch im Nachwuchsbereich, merkt Jonas Frank an. „Sie haben viele neue Jugendtrainer gewinnen können“, führt er lobend aus.

Die nächsten Bauprojekte wurden auch bereits ins Auge gefasst. Um sie realisieren zu können, hat Willebadessens Vorstand Zuschüsse aus dem Förderprogramm „Moderne Sportstätten 2022“ des Landes NRW beantragt. Geplant ist es, die Toiletten im Sportheim zu erneuern. Auch soll die Garage umgebaut werden. „Sie soll zur Spielstätte für unsere mittlerweile drei Dart-Mannschaften werden. Zudem sollen in dem neuen Raum in Zukunft Vorstandssitzungen stattfinden können“, berichtet Jonas Franke.

Mit seinem Vorstandsteam setzt er auf Ideen, Einsatzbereitschaft und gemeinsame Lösungen. „Wenn alle zufrieden sind, kann man den Weg auch gemeinsam gehen“, sagt der 29-Jährige.

Kurz gefragt

Lauf- oder Krafttraining: Auf jeden Fall Lauftraining. Besonders seitdem die Sportplätze gesperrt sind, ist das Laufen eine mittlerweile angenehme Alternative für mich geworden. Das hätte ich vor der Corona-Pandemie niemals für möglich gehalten.

Bringdienst oder selber kochen: Meine Frau und ich kochen sehr gerne zusammen. Sonntags greifen wir aber auch auf den Bringdienst zurück.

Playstation oder Netflix: Da entscheide ich mich eher für Netflix. Dort kann ich mehr Zeit verbringen als vor der Konsole. Am liebsten sind mir Serien mit ausreichend Staffeln, umso zwischenzeitlich dem ganzen Corona-Wahnsinn zu entkommen.

Podcast oder Buch: Auf meinem Weg zur Arbeit verbringe ich viel Zeit auf der Autobahn und dort höre ich mir oft einen Podcast an. Der Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz bringt mich des Öfteren zum Lachen, aber auch der NDR-Podcast mit Herrn Drosten war am Anfang der Pandemie sehr informativ.

Spotify oder Radio: Ich höre mehr Musik über Spotify als über das Radio. Das Radio schalte ich für die lokalen Nachrichten an. Um Musik zu hören, ist Spotify meine erste Wahl. Dort gibt es auch immer einen persönlichen Mix der Woche, in dem ich viele neue Lieder kennenlerne, die genau meinen Musikgeschmack treffen.

Lieblings-Internetseite: Häufig bin ich beim Kicker unterwegs, um die aktuellen Spielstände der Bundesligen zu verfolgen oder um neue Sportnachrichten zu lesen. Ansonsten verfolge ich noch die Seite vom Ehrenamt des Kreises Höxter. Dort finde ich teilweise Termine für Veranstaltungen, die für unsere Vorstandsarbeit hilfreich seien können.

Sportlerbiografie: Die Biografie über Jürgen Klopp von Raphael Honigstein hat mir sehr gut gefallen. Interessant waren die Beweggründe für die mutige Entscheidung des FSV Mainz, Trainer Eckhard Krautzun durch den Spieler Jürgen Klopp zu ersetzen, und welche neuen taktischen Ansätze Klopp gewählt hat.

Corona-Rituale: Wandern und lange Spaziergänge haben sich bei mir als Rituale etabliert. Durch Homeoffice und durch die Schließung der Restaurants und Sportstätten fällt einem öfters die Decke auf den Kopf. Da sind eine Wanderung zum Bierbaums Nagel oder ein Abstecher zu den Externsteinen willkommene Abwechslungen von der Corona-Tristesse.

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