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Volleyball: Lilian Engemann schlägt in der fünften Saison in der 2. Bundesliga auf

Eissenerin hat Volleyball im Blut

Eissen (WB). Wer mit Lilian Engemann über Volleyball spricht, der spürt es sofort. Ihr Sport ist nicht einfach nur irgendein Hobby, sondern echte Leidenschaft. Die Eissenerin spielt im fünften Jahr in der 2. Bundesliga und steht dort mit dem SV Lohhof aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz.

Sylvia Rasche

Hoch honzentriert schlägt Lilian Engemann auf: Die Eissenerin spielt im fünften Jahr in der 2. Bundesliga Volleyball und belegt mit dem SV Lohhof aktuell Platz zwei in der 2. Liga Süd. Foto:

„Wir dürfen weiter trainieren und auch weiterhin spielen, natürlich unter strengen Auflagen. Aber immerhin müssen wir die Saison nicht unterbrechen“, freut sich die 20-Jährige, dass sie trotz des Corona-Lockdowns weiter auf dem Feld aktiv sein darf.

Anfänge beim Warburger TV

Der Weg in die Bundesliga begann für die Eissenerin beim damaligen Warburger TV. „Ich habe mit zwölf Jahren angefangen, allerdings waren die andern Spielerinnen alle älter als ich und es gab keine Jugendmannschaft“, berichtet Lilian Engemann. Sie durfte in der Damen-Kreisliga mitspielen, bevor Trainer Thomas Riesen ihr einen Kontakt zum SV Sande vermittelte. Dreimal in der Woche ging es fortan zum Training nach Paderborn. „Das war stressig und auch ein großer Aufwand für meine Eltern, die mich ja immer fahren mussten“, erzählt die damalige Mittelblockerin, die sich inzwischen auf der Angriffsposition am wohlsten fühlt.

Sie spielte sich in den NRW-Kader und bekam auf einem Turnier das Angebot, eine Probewoche im Sportinternat in Münster zu absolvieren. „Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung, was da alles auf mich zukommen würde. Die Volleyball-Welt war mir noch neu, ich habe mich einfach so mitziehen lassen und war neugierig auf das Sportinternat“, erinnert sich Lilian Engemann an die Zeit, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen sollte.

Probewoche mit Hindernissen

Die Probewoche lief zwar völlig anders als erwartet, da sich die groß gewachsene Eissenerin schon im zweiten Training einen Finger brach und damit erst einmal ausgebremst war. Die Verantwortlichen hatte sie da aber schon von ihrem Talent überzeugt.

Zurück auf dem elterlichen Biohof grübelte die damals 15-Jährige zunächst über das Angebot, entschied sich aber letztlich dafür. „Ich fand es cool, aufs Sportinternat zu gehen. Wenn es mir doch nicht gefallen hätte, wäre ich eben wieder zurück gekommen“, berichtet Engemann.

Keine Zeit für Heimweh

Doch ein Zurück gab es nicht mehr. Sie lebte sich schnell in Münster ein, hatte „keine Zeit für Heimweh“. „Da gab es nur Schule, Volleyball, essen und schlafen. Alle andere war mir bei acht Trainingseinheiten die Woche zu viel“, erzählt die Zweitligaspielerin.

Beim USC Münster begann sie während der Internatszeit in der Oberliga und rückte später in den Zweitliga-Kader auf.

Schul-WM in Tschechien

Ein besonderes sportliches Highlight prägte die Internatszeit: Mit dem Pascal-Gymnasium Münster holte sich Lilian Engemann die Silbermedaille bei der Schul-Weltmisterschaft in Tschechien. „Ein so großes Turnier habe ich nie wieder gespielt. Die Dimension war enorm. Außerdem waren fast alle Volleyballteams in der gleichen Unterkunft untergebracht. Wann hat man sonst mal die Gelegenheit, mit Volleyballern aus Israel oder Taiwan zu sprechen“, war für „Lili“ auch immer die soziale Komponente an ihrem Sport wichtig.

Sehr wichtig sogar: „Ich habe nie Volleyball gespielt, um große Erfolge zu feiern, sondern immer, um Spaß mit dem Team zu haben“, sagt die Eissenerin. Wenn man sich richtig in ein Match hineinkämpfe, um sich herum alles vergesse und ganz im Spiel versinke, sei das viel mehr wert. Und so wie Lilian Engemann über diese Erlebnisse spricht, spürt man die Begeisterung für diesen Sport in jeder Silbe.

Volles Haus in Sonthofen

Inzwischen lebt die junge Frau in München, hat ein Jahr in Sonthofen im Allgäu gespielt und jetzt im zweiten Jahr beim SV Lohhof. „Ich glaube, ich war noch nie so nervös, wie vor unserem ersten Spiel in Sonthofen. Es waren 600 Zuschauer in der Halle“, berichtet die Medizin-Studentin. In Lohhof kommen zwar „nur“ um die 200 Zuschauer zu den Partien, allerdings sind die Wege zu den Heimspielen deutlich kürzer. „Ich habe mich auch im Allgäu sehr wohl gefühlt, aber hier in Lohhof kann ich Studium und Volleyball besser unter einen Hut bringen und habe auch noch Zeit, Freunde zu treffen“, berichtet Lilian Engemann.

Aktuell auf Platz zwei

Mit ihrem Team belegt sie derzeit den zweiten Tabellenplatz hinter Wiesbaden. „Im oberen Tabellendrittel möchten wir auch gerne am Ende landen. Wichtig ist, dass wir überhaupt möglichst lange spielen dürfen.“ Da die Tribünen derzeit leer bleiben müssen, werden viele Spiele im Live-stream übertragen. „Das ist eine schöne Möglichkeit für meine Eltern, mir öfter mal zuzugucken“, sagt Lilian Engemann. Überhaupt ist ihr die Familie wichtig. „Hätten mich meine Eltern gerade am Anfang nicht so stark unterstützt, hätte ist es nie so weit gebracht“, ist sie überzeugt. Und auch im Steckbrief auf der Homepage ihres Vereins kommt der Familiensinn der 20-Jährigen zum Ausdruck. Unter „Helden Deiner Kindheit“ schreibt sie „Meine Oma“.

An diesem Sonntag steht das nächste Heimspiel gegen die Roten Raben Vilsbiburg auf dem Programm. Und dann sitzt sicher auch wieder die Familie in Eissen vor dem Computer und verfolgt, wie Lilian Engemann mit großer Leidenschaft um jeden Punkt kämpft. Volleyball ist für sie eben viel mehr als ein ganz normales Hobby.

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