1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Kreis-minden-luebbecke
  6. >
  7. Durch nichts zu stoppen: TuS N-Lübbecke erobert die Spitze

  8. >

2. Bundesliga: Gastgeber bezwingen Großwallstadt auch ohne Tom Skroblien mit 31:25 (15:11) und stehen auf Platz eins

Durch nichts zu stoppen: TuS N-Lübbecke erobert die Spitze

Lübbecke

Der TuS N-Lübbecke macht weiter Druck auf die Aufstiegskonkurrenz: Mit einem 31:25 (15:11)-Sieg gegen den TV Großwallstadt übernahm die Mannschaft von Emir Kurtagic am Freitagabend vorübergehend die Tabellenführung.

Von Alexander Grohmann

Platz eins: Leos Petrovsky (von links), Jan-Eric Speckmann, Marek Nissen und Lutz Heiny (leicht verdeckt) feiern den wichtigen Heimsieg über den TV Großwallstadt. Die Lübbecker wiesen den Gegner mit starker Abwehr und hohem Tempo eindrucksvoll in die Schranken. Foto: Oliver Krato

Beim Erfolg gegen das zweitbeste Rückrundenteam ließen sich die Lübbecker weder vom kurzfristigen Ausfall ihres besten Torschützen Tom Skroblien noch den kleinlich agierenden Schiedsrichtern stoppen „Wir waren bereit für das Spiel. Wir haben über weite Strecken sehr gut verteidigt, das war die Grundlage“, sagte Trainer Kurtagic nach der energiegeladenen Vorstellung seiner Mannschaft, die zudem immer wieder über ihr gefürchtetes Tempospiel zu Treffern kam und dem zuvor gelobten Gegner am Ende keine Chance ließ. „Wir haben in schwierigen Momenten die Ruhe bewahrt und hatten auch das nötige Glück“, so der TuS-Coach, den die erstmalige Tabellenführung nicht kalt ließ: „Wir dürfen Platz eins nicht überbewerten, aber es ist ein schönes Gefühl. Die Jungs gehen weiter ihren Weg“, so Kurtagic.

Für die Gäste aus dem Süden Deutschlands endete dagegen ein toller Lauf in der Meisterschaft, nachdem die Großwallstädter eine Quarantäne vor dem Spiel empfindlich ausgebremst hatte. „Ich will das nicht als Entschuldigung nehmen, aber dass wir zwei Wochen nicht trainieren konnten, war schon ein großes Handicap“, sagte TVG-Coach Ralf Bader, der den Lübbeckern artig zum Sieg gratulierte: „Lübbecke hat verdient gewonnen.“

Dominik Ebner drückte der ersten Halbzeit den Stempel auf. Der Rückraumschütze entdeckte immer wieder die Lücken in der Gäste-Abwehr und war fünf Mal erfolgreich.. Foto: Oliver Krato

In einer temporeichen ersten Halbzeit übernimmt der TuS beim 3:2 (6.) erstmalig die Führung und gibt sie in der Folge nicht mehr ab. Dass die Hausherren über 8:5 (12.) und 14:9 (26.) kontinuierlich davonziehen, haben sie ihrer aggressiven Abwehr zu verdanken: Der Gastgeber verrammelt das Zentrum, ist emotional von Beginn an voll im Spiel. Deutliches Zeichen: Jede gelungene Aktion wird von der Bank mit Standing Ovations bedacht, die TuS-Handballer übernehmen quasi die Rolle der weiterhin nicht existenten Fans in der Merkur Arena. Der Gastgeber wirkt taktisch gut eingestellt und setzt auch auf die Tempokarte: Immer wieder kommen die Lübbecker nach Ballgewinnen per Gegenstoß blitzartig zum Torerfolg.

Emir Kurtagic

Der „Arbeitstag“ der Lübbecker hatte am Morgen mit einer guten und zugleich schlechten Nachricht begonnen: Bei der hochschwangeren Ehefrau von Tom Skroblien war die Fruchtblase geplatzt. Wegen der bevorstehenden Geburt des ersten Kindes sagte der Top-Torjäger nach Absprache mit dem Verein seinen Einsatz kurzfristig ab. Für Skroblien sprang Jan-Eric Speckmann auf Linksaußen in die Bresche. Kurtagic war nach dem Spiel zu Scherzen aufgelegt: „Toms Frau ist nicht seit gestern schwanger. Wir hatten genug Zeit, uns mit dieser Variante zu beschäftigen. ‚Specki‘ wusste, dass dieser Tag kommen konnte und hat es prima gelöst“, lobte Kurtagic „Backup“ Jan-Eric Speckmann, der sich auf Linksaußen nahtlos ins Spiel einfügte. Dass Skroblien den Kreißsaal der Kreissporthalle vorzog, dafür hatte jeder im Kader Verständnis.

Die Hausherren ziehen ihr Angriffsspiel im ersten Durchgang immer wieder in die Breite: Vor allem Dominik Ebner findet regelmäßig die Lücken im TVG-Abwehrbollwerk und trägt fünf Treffer zur 15:11-Pausenführung bei. Probleme bereiten dem TuS dagegen die Schiedsrichter: Darnel Jansen und Lucas Hellbusch verfolgen eine strenge Linie und verteilen bis zur Pause neun Zeitstrafen, sechs davon gegen Lübbecke. Nach 60 Minuten stehen 14 Zeitstrafen zu Buche. „Man könnte meinen, wir haben uns hier geprügelt. Aber es war ein faires Spiel“, stellte Kurtagic fest. Das Problem: Mit Marko Bagaric und Leos Petrovsky sind beide Mittelblock-Säulen des TuS zur Pause bereits doppelt verwarnt. Es droht Ungemach.

Nach der Pause nur noch Tribünengast: Lübbeckes Abwehrchef Marko Bagaric sah bereits in der 39. Minute die Rote Karte – die Folge der strengen Linie der Schiedsrichter. Foto: Oliver Krato

Nach dem Seitenwechsel kassieren die Hausherren in doppelter Unterzahl zunächst das 15:12, bleiben ihrer aggressiven Linie aber treu und melden sich mit drei Treffern in Folge zum 18:12 zurück. Als Speckmann mit einem weiteren Gegenstoß auf 19:12 erhöht, ist die Kurtagic-Sieben dem wichtigen Heimerfolg nahe (38.). „Da war für mich die Partie eigentlich schon gelaufen“, kommentierte Gäste-Coach Ralf Bader später.

Ein paar Nerven kostet das Spiel aber auch den neuen Tabellenführer noch: In der 39. Minute lässt Peter Strosack einen Siebenmeter aus, im Anschluss landet Abwehrchef Marko Bagaric nach der dritten Zeitstrafe auf der Tribüne. Tom Jansen bringt Großwallstadt mit dem 19:14 etwas heran. „Wir sind aber weiter ruhig geblieben – auch in solchen Momenten“, freute sich Kurtagic.

Als Benas Petreikis nach einem Slalomlauf durch das Großwallstädter Abwehrzentrum auf 24:17 erhöht, halten die Hausherren endgültig alle Trümpfe in der Hand (50.). Ein Wechselfehler beschert dem Gast die nächste Unterzahl: Roman Becvar und Marek Nissen erhöhen auf 27:19 (53.). Die Partie ist entschieden. Da der bisherige Spitzenreiter HSV Hamburg und der VfL Gummersbach erst am Wochenende im Einsatz sind, übernimmt der TuS N-Lübbecke vorübergehend den ersten Platz und hat weiter gute Karten im Kampf um den Aufstieg.

Herr der Lüfte: Lutz Heiny passt den Ball auf Yannick Dräger, der erfolgreich vom Kreis abschließt. Das Lübbecker Angriffsspiel wirkte flüssig. Foto: Oliver Krato

„Wir haben ein Team geschlagen, das ein Super-Jahr spielt. Die Tabelle ist noch ein bisschen verzerrt, aber wir haben uns 30 Spieltage dafür den A... aufgerissen, dass wir jetzt da stehen, wo wir stehen “, sagte Lutz Heiny über Platz eins. Rückraum-Kollege Dominik Ebner trug ebenfalls ein Lächeln im Gesicht: „Das Ergebnis war auch in der Höhe gerechtfertigt. Wir waren über 60 Minuten die bessere Mannschaft. Jetzt geht es langsam in den Saison-Endspurt.“

TuS N-Lübbecke: Rezar, Gercar – Becvar (2/2), Heiny (4), Baumgärtner, Ebner (5), Petreikis (2), Bagaric, Strosack (7/2), Mundus, Dräger (2), Spohn (3), Nissen (1), Speckmann (4), Petrovsky (1).

TV Großwallstadt: Redwitz, Adanir – Spatz (4/4), Messerschmidt, Jansen (3), Eisenträger (1), Bandlow (2), Matijasevic (1), Bransche, Weit (1), Corak (1), Stark (3), Pfeifer (1), Spieß, Savvas Savvas (8).

Zeitstrafen: 9:5.

Disqualifikation: Marko Bagaric (TuS N-Lübbecke/39.).

Siebenmeter: 5/4 : 4/4 (Strosack neben das Tor/39.).

ANZEIGE