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Boxen: Profi-Weltmeister Christian Pawlak verpflichtet Ex-Champion Ralf Rocchigiani als Coach für seinen geplanten Titelkampf im Oktober im Espelkamper Bürgerhaus

„Rocky II“ feiert sein Comeback

Espelkamp (WB). Er ist eine Legende. Einer der größten deutschen Boxer aller Zeiten. Jetzt kehrt Ralf Rocchigiani zurück an den Ring. Der Berliner hat seine Zusage gegeben, den Espelkamper Weltmeister Christian Pawlak auf dessen Titelkampf am 3. Oktober vorzubereiten.

Ingo Notz

Vereinte Weltmeister: Christian Pawlak (links) wird bei seiner Heim-WM in Espelkamp erneut von Box-Legende Ralf Rocchigiani betreut. Foto: Ingo Notz

Im Espelkamper Bürgerhaus wollen am Tag der deutschen Einheit Weltmeister Christian Pawlak und der Deutsche Meister Riza Baydilli ihre Titelsammlung weiter aufstocken. Einen „Punktsieg“ auf dem Weg zur Heim-WM konnte Pawlak jetzt in Berlin feiern. In einem persönlichen Treffen mit seinem früheren Trainer und Betreuer Ralf Rocchigiani konnte Christian Pawlak die Boxlegende für ein Comeback als Coach gewinnen. Erfahrene Hilfe eines ehemaligen Weltmeisters kommt gerade recht: Ralf Rocchigiani war selbst einst Profi-Weltmeister und galt als einer der talentiertesten deutschen Boxer aller Zeiten. Nach seinem Karriereende war „RR“ auch als Trainer aktiv – so haben sich auch die beiden Weltmeister kennengelernt. Die Verbindung zwischen Christian Pawlak und Ralf Rocchigiani besteht seit fast eineinhalb Jahrzehnten. Pawlak, damals noch weit weg von den späteren Triumphen, war der erste Profi im Duisburger Boxstall Rockys Gym, den Ralfs Bruder Graciano aufgebaut hatte.

Weltklasse als Boxer und als Trainer

Der 57-Jährige war nicht nur als Boxer Weltmeister, auch als Trainer war er bereits in den 90er Jahren auf Weltklasse-Niveau unterwegs. Im März 1998, als sein Bruder Graciano gegen Michael Nunn Weltmeister wurde, hatte Ralf kurzzeitig seinen Bruder trainiert, nachdem sich dieser wenige Tage vor dem Kampf von seinem etatmäßigen Coach Emanuel Steward, der später auch Trainer von Wladimir Klitschko war, getrennt hatte. Anders als Graciano Rocchigiani war Ralf auch abseits des Sports beruflich aktiv: Ralf Rocchigiani führte mit dem Rockys Inn eine Kneipe am Savignyplatz in Berlin-Charlottenburg, die er im Sommer 2007 schließen musste.

Pawlak war Rockys erste Nummer eins

Ralf Rocchigiani war bereits im Herbst 2006 auf den Spuren seines Bruders nach Duisburg gegangen und hatte sich dort um das Rockys Gym gekümmert, während Graciano eine Haftstrafe (wegen einer Trunkenheitsfahrt und damit des erneuten Verstoßes gegen Bewährungsauflagen) absitzen musste. Im Boxstall Rockys Gym war Christian Pawlak der erste Nummer-eins-Boxer der beiden Rocchigianis und holte mit den beiden 2006 seinen ersten Titel als Deutscher Meister im Supermittelgewicht. Der Kontakt zu beiden Rocchigianis ist nie abgebrochen, obwohl die beiden Brüder geschäftlich wieder unterschiedliche Wege gingen. Ralf zog es, nach einer Episode als Trainer von Thomas Ulrich, in Berlin eher weg vom Box-Geschäft. Graciano blieb und war mit Unterbrechungen auch weiter als Trainer und väterlicher Freund für Christian Pawlak da. Beim letzten Titelkampf in Espelkamp standen beide Rocchigianis in Pawlaks Ecke – und hatten auch darüber hinaus Pläne.

Tödlicher Unfall durchkreuzt große Pläne

Pawlak und Graciano Rocchigiani hatten sich vor Ort schon Räumlichkeiten angesehen und planten ein großes Box-Projekt – bis das Leben zuschlug. Härter als jeder Gegner zuvor, denen Pawlak oder Rocchigiani im Ring gegenüber gestanden hatten. Im Oktober 2018 verunglückte Pawlaks Trainer bei einem Verkehrsunfall in Italien tödlich – damit war auch das geplante Projekt im Mühlenkreis gestorben. Nach einem sportlich verlorenen Jahr, auch wegen Problemen mit seinem Weltverband WBU, der Pawlak immer noch als Weltmeister führt, aber in dem es zu keinem Kampf mehr gekommen ist, wollte Pawlak 2020 wieder neu durchstarten. Dann kam Corona und stoppte nicht nur Pawlaks Pläne.

Christian Pawlak (Box-Weltmeister)

Rechtzeitig zum für den 3. Oktober geplanten WM-Kampf im Espelkamper Bürgerhaus scheinen die Lockerungen der Corona-Sperren so zu greifen, dass Pawlak die Vorbereitungen für sein Heimspiel weiter vorantreiben kann. Zusammen mit seinem zweiten Trainer Achim Beck ist der mittlerweile 40 Jahre alte Espelkamper in die Vorbereitung gestartet, um im Oktober körperlich topfit nach einem weiteren Titel greifen zu können. Mit Achim Beck hat er jetzt ein erstes Trainingslager absolviert und dabei die Schwerpunkte auf Kraft und Ausdauer gelegt: „Das war top, das hat richtig gut getan. Achim kommt in ein paar Wochen noch einmal für ein weiteres Camp zu mir!“ Zwischendurch trainiert Pawlak in Eigenregie nach den Plänen seiner beiden Trainer und kümmert sich nebenbei auch noch um die Organisation des Kampfabends, die Corona-Beschränkungen hat er dabei immer im Blick: „Wir hoffen, dass sich bis dahin noch etwas tut und wir möglichst viele Zuschauer in das Bürgerhaus lassen können. Klar ist, dass die Gesundheit auch für uns an oberster Stelle steht. Klar ist aber auch: Ohne Zuschauer machen wir es nicht, weil die Fans die Kämpfe ja sehen wollen!“, hat der amtierende Weltmeister Christian Pawlak seine Hoffnungen noch nicht aufgegeben, dass das Bürgerhaus im Oktober gut gefüllt sein darf. Die neuesten Lockerungen der Corona-Sport-Beschränkungen in dieser Woche machen dem „Champ“ Mut, dass die „Fight Night“ wie geplant über die Bühne gehen kann. Die Einzelheiten der dann stattfindenden Kämpfe sind bisher noch nicht klar. Pawlak, der in seiner Dreifachfunktion neben seinen Rollen als Boxer und Trainer von Riza Baydilli auch als Veranstalter auftritt und entsprechend viel im Vorfeld zu organisieren hat, hofft auf spektakuläre Kämpfe mit hochkarätigen Gegnern, um den vollen Erfolg der bisherigen Titelkämpfe in Espelkamp und Lübbecke noch einmal zu übertreffen. Und um sich seinen nächsten Weltmeistergürtel zu holen...

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