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Fußball: HSC Alswede geht bei den Fans auf originelle Weise auf Spendenjagd

„Virtuelle“ Bratwurst kann helfen

Lübbecke (WB). So langsam fährt Deutschland wieder hoch. Nach den Geschäften dürfen auch die Restaurants jetzt wieder aufmachen. Ausgestanden ist die Corona-Krise damit natürlich noch lange nicht. Das gilt besonders auch für den Amateurfußball. Hier werden die Folgen der Pandemie möglicherweise noch lange zu spüren sein. An normales Training, geschweige denn Spiele ist auf absehbare Zeit weiter nicht zu denken.

Alexander Grohmann

Solche Szenen gibt es auch in Alswede schon seit langem nicht mehr zu sehen: Der A-Ligist versucht in der Corona-Pause, die fehlenden Zuschauer- und Bewirtungseinnahmen mit virtuellen Ticket- und Bierverkäufen zumindest ein kleines bisschen zu kompensieren – und die Fans dabei gleichzeitig mitzunehmen. Foto: Pollex

Der HSC Alswede ist einer von vielen Vereinen, die unter dieser ungewohnten Situation leiden. Die Saison im heimischen Fußballkreis ist beendet. Wann der nächste Anpfiff ertönt, steht in den Sternen. Das bedeutet: tote Hose auf dem Sportplatz – und in der Vereinskasse. Denn auf Zuschauereinnahmen muss der HSC Alswede wie alle anderen Klubs natürlich ebenfalls verzichten.

Geisterspieltickets sind im Internet erhältlich

Während die Bundesliga ihre Saison vom kommenden Wochenende an mit Geisterspielen retten will, ist für die Hobbykicker ein solches Szenario nicht möglich. Dennoch bietet der HSC Alswede seit einigen Wochen im Internet „Geisterspieltickets“ an. Auf der Seite www.geisterspieltickets.de/hsc-alswede-von1946 können Fans gegen eine Spende eine virtuelle Eintrittskarte erwerben. „Jeder kann mitmachen und helfen!“, wirbt der HSC um den Zuspruch von Fans und Mitgliedern.

Auf die Idee für die Seite ( www.geisterspieltickets.de ) war zuvor der TC Freisenbruch (Essen) gekommen. Die Plattform ist eine Möglichkeit für Vereine, um finanzielle Unterstützung zu werben. Jeder Verein kann sich kostenlos anmelden und zwar völlig unabhängig von der Größe und der betriebenen Sportart.

„Die Idee ist ziemlich originell, der Fantasie keine Grenzen gesetzt. So ist auch der Kauf von virtueller Bratwurst und dem dazugehörigen Bier möglich“, sagen Alswedes Macher. So kreativ füllt sich ein virtueller Warenkorb, für den es als Gegenleistung das Gefühl von Zusammenhalt in der Corona-Krise gibt. Hier macht die Spende auch noch richtig Spaß, denn einen faden Überweisungsschein gibt es nicht.

Patrick Brüls, Vorsitzender des HSC Alswede

„Die fehlenden Eintrittsgelder und Umsätze, die bei Spielen am Platz erzielt werden, reißen gerade schon ein kleines Loch in die Vereinskasse“, sagt der Vorsitzende des HSC Alswede, Patrick Brüls. Mit einem Geisterspielticket oder einer Bratwurst, das die treuen HSC-Anhänger im Internet erwerben, können sie dem Verein somit ein bisschen über die Ausfälle hinweghelfen. Dafür erhalten sie zwar keinen materiellen Gegenwert, aber das Gefühl, ihrem Verein in der schwierigen Phase zur Seite gestanden zu haben. Denn „echte“ Tickets werden auf der Seite nicht vertrieben.

Die ein oder andere Bestellung ist schon eingegangen

„Ein paar Bestellungen sind schon eingegangen. Wir reden hier jetzt aber natürlich nicht von Riesensummen“, sagt Patrick Brüls, der die Aktion eher aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. „Es ist für uns eine Möglichkeit, als Verein weiter Präsenz zu zeigen und den Kontakt zu den Menschen zu wahren, die derzeit nicht auf den Sportplatz kommen können“, so das junge Vereinsoberhaupt. „Wir senden ein Lebenszeichen in der Corona-Zeit und zeigen, dass es uns noch gibt“, unterstreicht der 28-Jährige.

Raphael Etzold, Abteilungsleiter „Neue Medien“ im Verein

Mitstreiter Raphael Etzold (Abteilungsleiter „Neue Medien“) verweist auf die Corona-Pause, die auch für den HSC eine Herausforderung ist: „Das ganze Vereinsleben ist zum Erliegen gekommen. Mir fehlt der Fußball am Sonntag und unser Vereinsheim.“ Die Situation erfordere nicht nur ein Umdenken hinsichtlich vorübergehender Umstrukturierungen und entsprechender Maßnahmen für Einsparungen, sondern vor allem hinsichtlich der Hilfe von außen.

Sonder-Angebot: „Balkonien statt Malle“

Die Geisterspieltickets sind ein kreativer Ansatz, um sich Unterstützung zu sichern. Neben einer Eintrittskarte für 1,50 Euro oder „Stadionbratwurst“ im Gegenwert von einem Euro ist in der virtuellen Alsweder „Geschäftsstelle“ auch ein Sommer-Gutschein für „Balkonien statt Malle“ erhältlich. Kostenfaktor: fünf Euro.

„Bis sich alles wieder normalisiert hat, wird eine Weile ins Land ziehen“, weiß Brüls. Die Spendenbereitschaft im Netz ist derweil groß: Durch die Geisterspielticket-Aktion konnten die Vereine bis Montag deutschlandweit 16.885 Eintrittskarten, 12.286 Würstchen, 16.570 Bierchen und 3.821 Bierkisten zu einem Gesamtwert von 232.071 Euro verkaufen.

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