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FC Preußen Espelkamp: Präsident äußert sich zum Lang-Rücktritt

Vogt: »Er hat mir ins Gesicht gelogen«

Espelkamp (WB). Die aktuelle Situation ist eine der schwierigsten in der mehr als 14 Jahre andauernden Amtszeit von Dr. Oliver Vogt (41). Nach dem Rücktritt von Trainer Alexander Lang spricht der Präsident des FC Preußen Espelkamp mit den Redakteuren Volker Krusche und Marc Schmedtlevin über die Hintergründe.

Die Liste ist lang: Einige Gründe für den Rücktritt von Trainer Alexander Lang beim FC Preußen Espelkamp zählt Dr. Oliver Vogt, der Präsident des Vereins, auf. Foto: Marc Schmedtlevin

Herr Vogt, wann ist mit der Präsentation eines neuen Trainers zu rechnen?

Vogt: Es gibt ein internes Auswahlverfahren, das arbeiten wir nach unserem Fahrplan jetzt ab. Sobald es abgeschlossen ist, werden wir den neuen Trainer präsentieren. Ich könnte mir vorstellen, dass wir Ende nächster Woche soweit sind.

Welches Anforderungsprofil muss der gesuchte Trainer erfüllen?

Vogt: Zunächst einmal muss er eine Lizenz haben, das ist eine formale Anforderung. Wir wünschen uns jemanden, der die Kommunikation zwischen der ersten und zweiten Mannschaft sowie der A-Jugend intensiv führt. Und zwar anders als in der Vergangenheit abgelaufen, es soll eine echte Zusammenarbeit sein. Außerdem muss es eine Persönlichkeit sein, die bei der Mannschaft Akzeptanz findet. Sie muss mit ihr erfolgreich arbeiten können. Neben der sportlichen Kompetenz muss natürlich auch die soziale vorhanden sein.

Was spricht für eine interne, was für eine externe Lösung?

Vogt: Es gibt Vor- und Nachteile bei beiden Varianten. Bei einer internen Lösung kennt die Person den Verein schon. Das kann allerdings auch ein Nachteil sein, weil sie zu behaftet ist bei gewissen Abläufen. Ein Externer geht unvoreingenommener an Strukturen heran und richtet den Blick von außen darauf. Allerdings muss der sich erst im Verein zurechtfinden und eingewöhnen.

Sind Sie davon überzeugt, dass die Mannschaft auch ohne Alexander Lang Erfolg haben wird?

Vogt: Ja, die Mannschaft ist individuell mit vielen Talenten gespickt, die nicht erst jetzt ihre Leistungsfähigkeiten unter Beweis gestellt haben. Ich habe bisher auch nicht verspürt, dass die Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft belastet ist.

Herrschte beim Abgang von Alexander Lang absolute Einigkeit im Vorstand?

Vogt: Nein. Alexander ist ein Urgestein des Vereins gewesen. So eine Zusammenarbeit beendet man ja nicht leichtfertig. Für mich war es immer wichtig, die maßgeblichen Kräfte im Verein zusammenzuführen und in eine gemeinsame Richtung zu bringen. Diese Arbeit ist in den letzten eineinhalb Jahren immer schwerer geworden. Mit zunehmender Schärfe gab es unterschiedliche Ansichten zur künftigen Ausrichtung des Vereins. Damit meine ich weniger das Ziel, sondern mehr den Weg dahin. Alexander hatte hier eigene Vorstellungen, die sich nicht mehr mehrheitsfähig deckten mit denen des Vorstandsteams.

Bereits der dritte Rücktritt

Es soll zuvor schon mehrere Rücktritte von Alexander Lang gegeben haben. Wieso gab es da noch einen Sinneswandel?

Vogt: Es ist bereits der dritte Rücktritt von Alexander Lang innerhalb eines Jahres. Häufiger ist es rund um die erste Mannschaft im Hintergrund zu Konfliktpotenzial gekommen, weil vorherige Absprachen von Lang häufig nicht eingehalten worden sind – aus verschiedensten Gründen. Das hat zu massiven Verstimmungen bei anderen Vorstandsmitgliedern und häufiger auch zu Eskalationen verbaler Art geführt. Es war mehrfach zu einem Punkt gekommen, an dem die Beteiligten keine Chance mehr auf einen Kompromiss sahen. Alexander hat sich dann an mich gewandt und mir seinen Rücktritt mitgeteilt. Er mache nur weiter, wenn er von mir volle Rückendeckung erhalte und seine Wünsche erfüllt würden, hieß es. Mit Blick auf die Verdienste von Alexander, gerade im Jugendbereich, und seine langjährige Vereinszugehörigkeit habe ich als Vorsitzender immer wieder schützend meine Hand über ihn gehalten – auch unter Inkaufnahme massiver Kritik des Vorstands an meiner Entscheidung bis hin zur Androhung des Rückzugs einiger. Was ich einräumen muss: Es ist mir trotz vieler Gespräche mit den Beteiligten nicht gelungen, alle auf ein gemeinsames Ziel hin einzuschwören. Meine Botschaft war immer: Lasst doch diese Alleingänge sein und stellt die Befindlichkeiten hintan, ansonsten können wir unsere Vorhaben nicht erfolgreich meistern.

Bereitete auch Langs Doppelrolle als Trainer und Fußballobmann Probleme?

Vogt: Zu dieser Doppelfunktion kam es auch wegen eines Rücktritts. Alexander war auf der letzten Jahreshauptversammlung als Beisitzer von den Mitgliedern abgewählt worden und kündigte daraufhin seinen Rücktritt an. Ich habe in vielen Stunden die Wogen geglättet. Er war nur bereit, sein Amt weiterzuführen unter der Bedingung, das Präsidium würde ihn nachtäglich auf die freie Position des Fußballobmanns berufen, um weiterhin dem Vorstand anzugehören. Ich hatte keine andere Wahl mehr, sonst hätte ich schon im Oktober 2017 keinen Trainer Lang mehr gehabt. Ich habe das damals mit dem Blick auf die sportlichen Ziele getan, erhielt aber zahlreiche Kritik dafür und verspürte Widerstand nach der demokratischen Abstimmung bei der Versammlung.

Für Außenstehende ist es dennoch nicht nachvollziehbar, wie man einen so erfolgreichen Trainer ziehen lassen kann.

Vogt: Mir ist völlig klar, dass das alles für Außenstehende überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Die kennen ja auch die Hintergründe nicht. Rein sportlich gesehen ist Alexander Lang ein Top-Trainer, dem ich blind eine Mannschaft anvertrauen würde und mit dem ich unwahrscheinlich viel sportlich umgesetzt habe. Meinerseits besteht ein hohes Maß Anerkennung für seine Leistung. Allerdings ging es jetzt nicht um sportliche Belange.

Wie ist es denn in der vergangenen Woche zum finalen Rücktritt gekommen?

Vogt: Ich war drei Wochen im Urlaub, in der Zeit ist es wieder zwischen Vorstandsmitgliedern und Alexander Lang zu Konflikten gekommen. Es sind viele Kleinigkeiten gewesen, doch in der Summe macht es das Gesamtproblem aus. Bildlich gesprochen: Es hat lichterloh gebrannt, mein Löschwasser hat nicht mehr gereicht.

Konfrontation nach Kritik

Es soll während einer Kabinenansprache und auch öffentlich Kritik von Alexander Lang am Vorstand gegeben haben. War das am Ende der ausschlaggebende Punkt?

Vogt: Ich habe ihm die Gelegenheit gegeben, sich zu diesen Vorwürfen zu äußern. Diese Chance hat er verstreichen lassen, denn seiner Meinung nach sei da nichts Nennenswertes gewesen. Er hat mir, ohne rot zu werden, ins Gesicht gelogen. Daraufhin bin ich laut geworden, mir ist der Kragen geplatzt, und ich habe ihm aufgezählt, was mir alles zugetragen worden ist. Er hat die Vorgänge anschließend bagatellisiert oder ins Lächerliche gezogen. Ich habe mich in der Situation wirklich ausgenutzt gefühlt und es bleibt daher auch eine persönliche Enttäuschung.

Als Reaktion darauf kam Alexander Langs Rücktritt?

Vogt: Alexander kam er am nächsten Tag in zivil zum Training. Es gab eine Besprechung mit der Mannschaft, in der der Rücktritt verkündet wurde. Anschließend wurde ein Teil des Vorstandes per E-Mail informiert. Die Presse hatte er aber nicht unterrichtet.

Gab es denn die Überlegung, noch einmal das Gespräch mit ihm zu suchen?

Vogt: Ich habe noch einmal im Vorstand die Initiative ergriffen, ein persönliches Gespräch mit Alexander zu führen mit der Zielsetzung, ihn von diesem Rücktritt abzubringen. Allerdings nur mit einem entsprechenden Votum des Vorstands. Dieses hat es aber nicht gegeben.

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt der FC Preußen Espelkamp spätestens jetzt als »FC Hollywood«. Ist das ein Image, mit dem Sie leben können?

Vogt: Natürlich kann ich mit so einem Image nicht zufrieden sein. Wir stehen auch immer stark im Fokus. Wer allerdings glaubt, dass man einen Verein mit dieser Ausrichtung und diesen sportlichen Zielen einfach mal so führen kann, ist auf einem Holzweg.

Wie hat die Mannschaft sich zum Lang-Rücktritt geäußert?

Vogt: Ich kann sehr gut verstehen, dass sich die Spieler eine weitere Zusammenarbeit gewünscht hätten. Alexander hat ja dafür gesorgt, dass an die Mannschaft selber nichts herangekommen ist. Vielfach sind Dinge von ihm abgefedert worden. Von den internen Konflikten hatten sie wohl dadurch auch keine Kenntnis.

Auf die Persönlichkeit kommt es an

Läuft man durch den Abgang Alexander Langs Gefahr, bald wichtige Stützen der Mannschaft zu verlieren?

Vogt: Es ist jetzt wichtig, dass wir mit der Auswahl des neuen Trainers eine Persönlichkeit finden, die in der Lage ist, mit der Mannschaft erfolgreich zu arbeiten. Dann werden sich die meisten Entwicklungen automatisch ergeben.

Wohin soll die sportliche Reise des FC Preußen führen?

Vogt: Wir haben immer gesagt, dass es uns in dieser Saison um den Klassenverbleib in der Landesliga geht – auch wenn wir von anderen Vereinen schon woanders hingelobt worden sind. Das ehrt uns sehr, aber man muss realistisch bleiben. Wir müssen erst einmal in der Liga ankommen, das hat man auch am ersten Spieltag gut gesehen. Es ist daher wichtig, den Blick nicht zu weit nach vorne zu richten, sondern zunächst die schwierige Situation zu lösen.

Wo sieht sich der Präsident in den nächsten Jahren?

Vogt: Vor der aktuellen Entwicklung hatte ich mein Bild: Ich wollte mich, wie schon eingeleitet, auf meine repräsentativen Aufgaben konzentrieren und mich aus dem Tagesgeschäft heraushalten. Für die einzelnen Bereiche haben wir im Verein andere Leute mit mehr Fachwissen als mich. Zunächst einmal bin ich aber bis zur nächsten Jahreshauptversammlung gewählt. Wie es danach mit mir weitergeht, muss der gesamte Verein entscheiden.

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Entwicklung für die Vereinsstruktur?

Vogt: Mit der sportlichen Ausrichtung und Alexander Lang als Trainer hatte ich die Hoffnung, diesen Part abgedeckt zu haben. Es muss sich jetzt natürlich wieder einiges neu finden, es wird Veränderungen geben müssen. In jeder Krise steckt aber auch eine Chance, man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. So sehe ich das jetzt für den Verein auch. Ich bin davon überzeigt, dass wir gemeinsam wieder in ein ruhiges Fahrwasser kommen werden, in dem wir etwas aufbauen können.

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