1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Luebbecke
  6. >
  7. Das Geld liegt auf dem Tisch

  8. >

Das Land NRW stellt rund 300 Millionen Euro für Sanierung, Modernisierung oder andere Baumaßnahmen der klubeigenen Anlagen zur Verfügung

Das Geld liegt auf dem Tisch

Lübbecke  (WB/rich/Kru). Der Draht von der Landesregierung zu den Sportvereinen war noch nie so kurz, so direkt: Das Förderprogramm »Moderne Sportstätten 2022« dringt unmittelbar dorthin vor, wo Hilfe benötigt wird. Und es erinnert an das Märchen von Sterntaler: Der Sportverein steht im sprichwörtlich letzten Hemd, und plötzlich regnet Gold herab.

Im Rahmen des Förderprogramms »Moderne Sportstätten 2022« fließen knapp fünf Millionen Euro in den Mühlenkreis. Foto: iwo

Rund 300 Millionen Euro stellt das Land NRW zur Verfügung. Geld, das von den Vereinen abgerufen und in Sanierung, Modernisierung oder andere Baumaßnahmen der klubeigenen Anlagen investiert werden soll. Es ist ein kleiner Betrag, wenn man daneben den von der Kreditanstalt für Wiederaufbau im Kommunalpanel auf knapp zehn Milliarden Euro taxierten Sanierungsstau für Sportstätten und Bäder in NRW betrachtet. Doch es ist viel Geld für die Vereine vor Ort – und Geld, das sich durch ehrenamtliche Eigenleistung vermehren wird.

Vergabeverfahren

Der Geschäftsführer des Kreissportbundes, Helmut Schemmann, führt die Vereinsvertreter dieser Tage ein in Antragberechtigungen, Antragsvoraussetzungen und Verfahrensabläufe. Es wird vertraut gemacht mit der konkreten Ausgestaltung des Vergabeverfahrens. Zunächst dürften den Vereinsvertretern die Ohren klingeln. Denn es liegt viel Geld auf dem Tisch. Das fünffache der Sportpauschale schüttet das Land in die einzelnen Städte und Gemeinden aus. Von landesweit mehr als 266 Millionen Euro entfallen auf den Mühlenkreis 4.778.770 Euro. Der größte Batzen geht nach Minden mit seinen etwa 120 dem Landessportbund angeschlossenen Sportvereinen. 1,1 Millionen werden Vereine in der Weserstadt zur Verfügung gestellt. In den gesamten Altkreis Lübbecke fließen knapp 1,9 Millionen Euro. Davon erhalten Hüllhorst, Preußisch Oldendorf, Rahden und Stemwede jeweils 300.000 Euro. Für Lübbecke sind 345,370 Euro, für Espelkamp 337.745 Euro vorgesehen. Zudem werden Bad Oeynhausen mit 661.835 Euro, Hille mit 300.000 Euro, Porta Westfalica mit 480.305 Euro und Petershagen mit 345.980 Euro bedacht.

Neue Möglichkeiten

Diese Zuwendungen eröffnen den Klubs neue Möglichkeiten: Das undichte Dach, die marode Heizungsanlage, die heruntergekommenen sanitären Anlagen – die Sanierung und vieles mehr kann nun möglich werden.

Ernüchterung wird sich allerdings bei einigen Anwesenden breitmachen, wenn Schemmann die Antragsberechtigung konkretisiert: Nur gemeinnützige Vereine, die im KSB und einem Fachverband organisiert sind, können die Förderungen beantragen, wenn sich die zu modernisierenden Sportstätten entweder in ihrem Eigentum befinden oder eine eigentumsähnliche Rechtsstellung besteht. Fußball- oder Handballvereine, die in städtischen Sportanlagen zuhause sind, fallen somit ebenso aus der Förderberechtigung wie Profisportvereine. Grund der Beschränkung: Das Geld soll da helfen, wo niemand sonst zu Hilfe verpflichtet ist. Klassischerweise antragsberechtigt für ein oder auch mehrere noch nicht begonnene Projekte sind Wassersportvereine mit eigenem Bootshaus, Tennisklubs oder Reitvereine. Sie können Fördermittel von 10.000 Euro bis zu einer Summe von über einer Million beantragen. Die Förderung bewegt sich in einem Rahmen von 50 bis 90 Prozent. Für den Förderrahmen von 10.000 bis 100.000 Euro ist ein sogenanntes »vereinfachtes Verfahren« vorgesehen, um bürokratische Hürden möglichst niedrig zu halten. Der Eigenanteil kann aus verschiedenen Töpfen befüllt werden: Mittel aus der Sportpauschale, Spenden oder Eigenleistungen.

Sportbünde verantwortlich

Die Stadt- und Gemeindesportbünde befinden sich in der Funktion als Flaschenhals: Über sie gehen die Förderanträge auf den Weg. Sie empfehlen, ob und in welcher prozentualen Höhe ein Antrag genehmigt und über die NRW-Bank ausgezahlt werden soll. Sie müssen die Anträge koordinieren, vor allem, wenn die Summe der Anträge die bereitgestellte Fördermenge überschreitet. Sie regeln: Wer kriegt was wofür?

KSB-Geschäftsführer Helmut Schemmann hat sich tief in das Thema eingearbeitet und bereits in mehreren Kommunen informiert. Er dämpft aber auch umgehend aufblühende Erwartungen: »Eine Wunschliste ist keine Bestellliste.« Doch zugleich lobte er den Umfang der Förderung und machte die Besonderheit des Projektes deutlich: »Erstmals wird Geld allein der Sportfamilie zur Verfügung gestellt. Der Sport entscheidet selbst.« Dieser Verantwortung gelte es gerecht zu werden: »Wir wollen zeigen, dass wir damit umgehen können«, lautet Schemmanns Appell an die Vereine, sich mit Augenmaß in den Dialog mit ihrem Stadt- oder Gemeindsportverband einzubringen. Das Geld liegt auf dem Tisch. Nun muss es sinnvoll verteilt werden.

Startseite
ANZEIGE