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Handball: Kreisvorsitzender Reinhold Kölling fordert Unterstützung durch den DHB

»Es wird gute Jugendarbeit geleistet«

Lübbecke (WB). Seit seinem Amtsantritt vor gut drei Jahren hat Reinhold Kölling als Vorsitzender des Handballkreises Minden-Lübbecke viel bewegt. Im Interview mit Redakteur Volker Krusche geht er auf die trotz allgemein sinkenden Mitgliedszahlen in Deutschland auf die positiven Entwicklungen im Mühlenkreis ein.

Reinhold Kölling und sein Stellvertreter Wolfgang Budde bilden ein starkes Führungsduo im Handballkreis. Foto: Volker Krusche

Der Deutsche Handball-Bund verzeichnet unübersehbare Rückgänge seiner Mitgliederzahlen. Der Krug geht dabei auch nicht am Mühlenkreis vorbei. Die aktuellen Mannschaftsmeldungen waren noch nie so niedrig, wie für die bevorstehende Saison. Worin sehen Sie die Hauptgründe?

Reinhold Kölling: Der Handballsport leidet, wie übrigens die meisten anderen Mannschaftsportarten auch, unter den allgemeingesellschaftlichen Veränderungen, hin zu den sozialen Medien und anderen Angeboten. Diese Entwicklung ist neben den demografischen Veränderungen nicht am Deutschen Handballbund vorbei gegangen. Natürlich können sich die Vereine in unserem Kreis nicht gänzlich diesem Strukturwandel  entziehen.

Neuerungen gehen am Sport nicht spurlos vorbei. Das bekommen auch fast alle Sportarten in Deutschland zu spüren. Ist Mannschaftssport nicht mehr angesagt? Raubt die Elektronikbranche mit ihrem E-Sport dem wirklichen Sport die Basis?

Kölling: Es ist sicherlich richtig, dass die Elektronikbranche mit dem E-Sport dem Mannschaftssport schadet. Sicher spielt aber auch eine gewisse Individualisierung der Menschen – generationsübergreifend -  dabei eine große Rolle. Und nicht zu vergessen, dass der Ganztagsunterricht in den Schulen besonders unsere Jugendarbeit negativ tangiert.

Spielgemeinschaften allein reichen nicht

Es gibt Landstriche in Deutschland, da sind die Rückgänge erschreckend hoch. Selbst in Westfalen leiden einzelne Kreise sehr stark. Warum vermehrt in Südwestfalen? Ist Ostwestfalen immer noch eine der stabilen Handball-Hochburgen in Deutschland oder macht man es dort einfach besser?

Kölling: In Ostwestfalen hatte der Handballsport schon immer einen sehr hohen Stellenwert! Davon profitieren wir auf jeden Fall und macht es uns vielleicht ein bisschen leichter als den anderen Regionen, die Zahl der Aktiven noch immer auf einem guten Niveau zu halten.

Aber auch in OWL zeigt es sich, dass sehr viele Vereine nicht mehr in der Lage sind, allein Mannschaften zu stellen. Werden wir bis auf wenige Ausnahmen bald nur noch Spielgemeinschaften haben? Was haben Vereine, die es allein nicht schaffen, falsch gemacht?

Kölling: Die Vereine müssen alles erdenkliche tun, allein die Mannschaften zu stellen. Nur mit Spielgemeinschaften werden wir dauerhaft keinen attraktiven Spielbetrieb anbieten können. In Einzelfällen ist sicher besser, mal eine Spielgemeinschaft zu bilden, als sich ganz vom Handballsport zurückziehen zu müssen. Die Vereine müssen mit gut ausgebildeten Trainern und Übungsleitern für den Handballsport, auch schon in den Schulen, werben und sich gegebenenfalls damit von anderen Mannschaftssportarten abheben. Ich fordere dafür allerdings zukünftig stärkere Unterstützung der Vereine durch den DHB und die Landesverbände ein. Wir als Handballkreis können die notwendige Unterstützung der Vereine mit unseren ehrenamtlichen Kräften nicht allein leisten.

Obwohl die aktuellen Meldezahlen einen Minusrekord darstellen, stemmt sich der Handballkreis vehement gegen diese Entwicklung und hat ja auch Erfolge vorzuweisen. Was wurde mit Nachdruck getan, was hat sich als positiv erwiesen?

Kölling: Es ist richtig, dass wir in dem stattfindenden Strukturwandel noch immer sehr erfolgreich sind. Die tollen Ergebnisse bei den Jugendmannschaften in der letzten Serie, auch über den Kreisrahmen hinaus, beweisen das. Es wird in vielen Vereinen und Spielgemeinschaften hier im Kreis eben eine sehr gute Jugendausbildung geleistet. Auch die Lehrarbeit bei den Auswahlmannschaften, die unser Handballkreis anbietet, trägt sehr erfolgreich dazu bei. Das wir im Jugendbereich auch kreisübergreifenden Spielbetrieb gestaltet haben, hat sich als Erfolg erwiesen. Im Seniorenbereich hat besonders der neu gestaltete Pokalwettbewerb zur guten Stimmung beigetragen. Zukünftig wollen wir als Handballkreis auch die Beachhandballer mit in den Fokus nehmen. Beachhandball ist in den Sommermonaten sehr belebend und macht den Handballsport weiter bekannt.

In den ersten Jahren nicht alles vollendet

Sie sprachen davon, dass der Handball bei uns im Jugendbereich im Aufwind ist. Wie ist das gemeint, denn die Zahlen sind gegenüber dem Vorjahr eher gleich geblieben?

Kölling: Als Erfolg sehen wir es an, dass wir besonders bei den jüngeren Jahrgängen gute Zuwächse bei den Mannschaftsmeldungen haben. Das macht Hoffnung für eine gute Entwicklung in die Zukunft. Und da müssen die Vereine weiter ansetzen. Wir vom Handballkreis unterstützen das beispielsweise durch das tolle Grundschulspielfest, das 2018 wieder in Nettelstedt super organisiert wurde und eine sehr hohe Beteiligung hatte. Diese Veranstaltung ist einzig in Westfalen.

Was ist künftig im Handballkreis zu erwarten? Wie wirkt sich der Strukturwandel aus? Worauf basiert Ihre Zuversicht?

Kölling: Der Strukturwandel macht dem Handballsport zu schaffen, ohne Frage. Der Handballkreis als Dienstleister der Vereine wird sich im Rahmen seiner Möglichkeiten beim Landesverband und dem DHB für eine breitere Unterstützung der Basisvereine einsetzen. Zuversichtlich bin ich, dass auch die Vereine die Zeichen dieser Zeit erkannt haben, sich gegen den aktuellen Trend stemmen und alles dafür tun wollen, dass der Mühlenkreis eine Handballhochburg bleibt.

Wird es in NRW oder in Westfalen in absehbarer Zeit eine Strukturreform geben? Wo liegt dann deren Schwerpunkt? Rechnen Sie damit, dass dauerhaft Handballkreise zusammengelegt werden?

Kölling: Über eine Reform der Verbandsstrukturen wird schon seit einiger Zeit diskutiert, leider bislang noch ohne greifbare Erfolge. Es geht darum, aus den drei Landesverbänden Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein in Nordrhein-Westfalen und dem Westdeutschen Handballverband in Düsseldorf einen schlagkräftigen NRW-Verband zu gestalten. Das ist übrigens auch eine Zielvorgabe des DHB. Ich persönlich stehe einem schlagkräftigen Handballverband in Westfalen sehr aufgeschlossen gegenüber und setze mich im Präsidium auch dafür ein. Da die Handballkreise eigenständige Vereine sind, müssen sie auch selbst über ihre Zukunft entscheiden. Die Handballkreise in Ostwestfalen pflegen eine gute Zusammenarbeit, das spiegelt auch das gute Miteinander im Jugendspielbetrieb wieder. Auch ohne eine Zusammenlegung von Kreisen kann man also gestalten wenn es von den Beteiligten gewollt ist.

Sie haben für eine weitere Amtszeit als Kreisvorsitzender Ihr Ja-Wort gegeben. Was soll, was muss in diesen drei Jahren passieren? Worauf werden Sie besonderen Wert legen?

Kölling: Ja, ich habe nochmals für die nächste Wahlperiode von drei Jahren zugesagt, obwohl ich es anders geplant und angekündigt hatte. Doch in den ersten drei Jahren ist noch nicht alles vollendet worden, was wir uns vorgenommen hatten und darum habe ich auch gern nochmals nachgelegt. Offen ist zum Beispiel noch die angesprochene Verbandsreform, bei der ich im Erweiterten Präsidium des HV Westfalen mitwirke. Das möchte ich schon weiter mitbearbeiten. Auf Kreisebene haben wir mit der Schaffung einer Geschäftsstelle unsere Organisationsstrukturen verbessert, die weitere Umsetzung begleite ich ebenfalls gern. Ebenso die weitere Ausrichtung unserer »Marketing«-Aktivitäten wie den Ausbau der medialen Kanäle. Und zu guter Letzt möchte ich gern zusätzliche jüngere Mitarbeiter in unserem Vorstand einbinden, die dann in drei Jahren bereit sind, die erforderliche Führungsarbeit im Handballkreis Minden-Lübbecke zu leisten. Zudem bin ich auch noch als Revisor beim DHB gewählt und will diese Periode natürlich ebenfalls durchziehen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wie würde ein realistischer dann aussehen?

Kölling: Wünsche sind meistens nicht realistisch. Ein Wunsch wäre allerdings, dass sich im kommenden Jahr »alle« Grundschulen am Grundschulspielfest beteiligen. Da gibt es auf der Landkarte noch weiße Flecken.

Neben Ihnen hat auch ihr Stellvertreter und langjähriger TK-Vorsitzender Wolfgang Budde zum nächsten Kreistag seinen Rückzug angekündigt. Geht dem Handballkreis dann nicht zu viel Wissen, Erfahrung und Qualität verloren, so dass man wieder ein paar Schritte zurückmachen wird?

Kölling: Wir haben jetzt drei Jahre Zeit, die Nachfolge zu regeln und zu gestalten. Im jetzigen Kreisvorstand - auch im erweiterten Kreis - haben wir viele gute Leute, die schon jetzt maßgeblich an den vielfältigen Aufgaben im Handballkreis mitwirken. Ohne diese wäre die erfolgreiche Arbeit auch gar nicht zu leisten gewesen. Es sollte uns gelingen aus diesem Kreis auch die Nachfolgeregelungen zu treffen.

Was ist Ihnen sonst noch wichtig? Gibt es Appelle Ihrerseits?

Kölling: Ich rufe auch andere dazu auf, bei uns im Handballkreis mitzuwirken. Interessierte sind immer gern gesehen. Handball ist ein dynamischer Sport, darum braucht es auch junge, dynamische Gestalter in den Gremien und Organisationen sowie in den Führungspositionen.

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