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TuS N-Lübbecke und Baskets 96 Rahden bleiben skeptisch

Experten fordern Fan-Rückkehr

Rahden/Lübbecke

Schnelltests, Maskenpflicht und Alkoholverbot: Nicht zuletzt auf diesen drei Säulen baut eine Studie die Hoffnung auf, dass trotz der „dritten Welle“ der Corona-Epidemie schon bald wieder Sportveranstaltungen vor Zuschauern stattfinden dürfen. Zu den Profisportlern, die hoffen dürfen, gehören auch Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke und Rollstuhlbasketball-Erstligist Baskets 96 Rahden.

Ingo Notz 

Leere Reihen: Auf Besuche in der Kreissporthalle müssen die Fans derzeit verzichten. Foto: Ingo Notz

Der Grundton der Studie ist klar: nicht mehr warten, sondern handeln! „Da nicht mit einem stichtagsbezogenen, abrupten Ende der Pandemie zu rechnen ist, müssen jetzt geeignete Konzepte mit ausreichendem Vorlauf entworfen werden, um allen Kultur- und Sportsparten mit Zuschauerpartizipation den sicheren, schrittweise erfolgenden und nachhaltigen Weg zurück in eine Normalität zu ermöglichen. Eine Normalität, die die jeweilige epidemische Lage in Abstimmung mit den politisch Verantwortlichen und den Gesundheitsbehörden berücksichtigt. Es geht also darum eine ausbalancierte Situation herzustellen, die Aspekte des Gesundheitsschutzes und insbesondere die Lage in den Kliniken berücksichtigt, andererseits verantwortungsbewusste Veranstaltungen mit Zuschauern zu ermöglichen.“ Die Studie soll für die Kultur- und Sportbranche einen risikominimierenden Weg zur Rückkehr von Zuschauern aufzeigen.

Das Basiskonzept sieht dabei für Veranstaltungen in geschlossenen Räumlichkeiten wie Sporthallen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, eine Gesamtauslastung von maximal 25-30 Prozent zur Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht, ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1 000 Besuchern sowie ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen. Damit unterscheidet sich dieses Konzept im Kern kaum von dem, mit dem die Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke und GWD Minden zu Saisonbeginn zunächst erfolgreich um die Zulassung einer begrenzten Zuschauermenge in die Kreissporthalle Lübbecke gekämpft hatten, ehe sie von der Politik als Reaktion auf die rasant steigenden Corona-Zahlen doch wieder ausgebremst worden sind. Seither finden auch die Bundesliga-Spiele der Handballer ebenso vor leeren Rängen statt wie die Erstliga-Partien der Rollstuhlbasketball-Profis der Baskets 96 Rahden.

Dennoch stellen die Autoren der Studie nun mit Blick auf diese Maßnahme fest: Bei den Spielen vor insgesamt 57934 Zuschauern in der Basketball-Bundesliga (BBL) und der Handball-Bundesliga (HBL) sowie den dazugehörigen internationalen Wettbewerben sei kein Infektionsfall mit Übertragungsgeschehen bekannt.

Um wieder Hallenveranstaltungen durchführen zu dürfen, geht der neue Vorschlag noch einen Schritt weiter als frühere Lösungsansätze und legt unter anderem folgende Eckpunkte fest: Erstellung eines Hygiene-, Lüftungs- und Infektionsschutzkonzeptes für den Veranstaltungsort; maximal 25 bis 30 Prozent der Gesamtauslastung durch Zuschauer; durchgehende Maskenpflicht unter Nutzung von mindestens OP-Schutzstandard (Mund-Nasen-Schutz); kein Ausschank von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern; Einführung einer „Bagatelluntergrenze“ für Veranstaltungen im Amateur- und Breitensport: Bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen sollte es eine Sonderregelung mit folgenden Inhalten geben: Verpflichtendes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der gesamten Veranstaltung, Einhaltung eines erweiterten Mindestabstands (zum Beispiel 2,0 Meter), Nachweis und Nachverfolgung von Infektionsketten der Anwesenden durch zum Beispiel eine App-Lösung.

„Es wäre schön, wenn wir wieder Fans zu unseren Spielen begrüßen könnten“, reagierte Stephan Rehling, Bundesliga-Manager der Baskets 96 Rahden, auf die Initiative. Gleichzeitig sieht er die Umsetzung aber kritisch: „Kosten für Schnelltests für Zuschauer könnten wir natürlich nicht schultern, aber mit Maske und Abstand könnte ich mir das schon vorstellen. Wir haben ja zu Saisonbeginn auch mit Körpertemperaturmessungen gearbeitet. Ich glaube aber nicht, dass wir diese Saison noch Zuschauer haben werden, da es ja auch mit den Impfterminen nicht so klappt wie erhofft.“

Torsten Appel, Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke, begrüßt die Planungen, die aktuelle Entwicklung stimmt ihn aber nachdenklich: „Es ist immer gut, Öffnungsstrategien zu haben. Die aktuelle Situation, in der sich die Zahlen wieder verschärfen, macht mich skeptisch. Letztlich ist es an der Politik, das zu entscheiden. Wir begrüßen die Initiative natürlich, auch wenn es Punkte gibt, über die wir dann noch einmal reden müssten. Die Schnelltests wurden im letzten Gespräch mit der Liga zum Beispiel noch nicht thematisiert, das ist natürlich auch ein finanzieller Faktor. Ich würde mich freuen, wenn es in dieser Saison noch klappt, aber mein Optimismus ist da sehr verhalten.“

Noch günstiger als für Hallenveranstaltungen sei laut der Studie, naturgemäß, die Lage bei den Freiluft-Ereignissen wie Fußballspielen. Für eine weitere Erhöhung der Auslastung wird für die die Kultur- und Sportbranche die Option diskutiert, einen Antigentest am Veranstaltungsort zur Verfügung zu stellen. „Irgendwann muss die Frage beantwortet werden, wie gehen wir die Schritte zurück. Wir wollen der Politik einen Weg zeigen, wie geht es zurück. Das steht für uns im Vordergrund“, sagte Hygiene-Experte und Mitautor Florian Kainzinger, „das Wann ist eine Frage, die die Politik gerne mit uns diskutieren kann. Wir denken, dass der Einstieg bald möglich ist. Aber wichtiger ist das Wie.“

Unterstützung gibt es für diese Forderungen von großen Verbänden und Profiligen aus dem Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und Eishockey. „Mit dem Konzept wollen wir mit der Politik in den Dialog treten. Ich glaube, das kann ein Aufbruchsignal für die Gesellschaft insgesamt sein. Keiner hat mehr Lust auf den Lockdown. Wir wissen um die Brisanz einer Öffnung, halten sie aber für verantwortbar“, sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga. Der aktuelle Zuschauerausschluss gilt bis zum 7. März.

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