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Maike Naomi Schnittger siegt bei der EM in Dublin über 400m Freistil

Geschwächt zu Gold

Pr. Oldendorf/Dublin (WB). Die herausragende Medaillensammlung von Maike Naomi Schnittger ist um einmal Gold angewachsen. Bei der Para-EM in Dublin triumphierte die sehbehinderte Athletin über die 400m Freistil.

Adrian Rehling

Auch ein Infekt, der nach dem Rennen wieder richtig aufbrach, konnte Maike Naomi Schnittger nicht vom EM-Gold abhalten. Foto: imago

Dabei waren die Voraussetzungen für die aus Preußisch Oldendorf stammende Schwimmerin überhaupt nicht gut. Schnittger startete nämlich mit einem großen Handicap: »Ich habe eine Zeit lang mit einem Infekt zu kämpfen gehabt. Im Trainingslager war ich angeschlagen, in Dublin bin ich ebenfalls kränkelt angekommen.«

Nach langem Abwägen mit dem Trainer, der Familie und den Teamärzten entschied sich Maike Naomi Schnittger für (mindestens) einen Start. Zu intensiv waren die vielen Trainingsstunden in den vergangenen Wochen und Monaten, um es nicht zumindest zu probieren. »Ich wollte unbedingt schwimmen«, sagte Schnittger. Sie habe sich so lange vorbereitet und vieles auf sich genommen, um bei der Europameisterschaft dabei sein zu können.

Im Ziel drei Sekunden Vorsprung

Also ging es für die Sportlerin des SC Potsdam in der Klasse S 12 – für Sportlerinnen mit einer Sehkraft von maximal drei Prozent – ab auf den Startblock. Es folgten 4:45,83 Minuten der Extraklasse, in der Schnittger die Konkurrenz in Grund und Boden schwamm. Am Ende hatte die 24-Jährige drei Sekunden Vorsprung auf die zweiplatzierte Maria Delgado Nadal aus Spanien, auf die Italienerin Alessia Berra auf Rang drei waren es sogar mehr als sieben Sekunden. Dementsprechend zufrieden war Bundestrainerin Ute Schinkitz: »Ich freue mich über die guten Zeiten, den tollen Einsatz der Aktiven und besonders über die erste Medaille.«

Auch Maike Naomi Schnittger war natürlich überglücklich, sich erneut Europameisterin nennen zu dürfen. Bereits bei der Heim-EM 2011 in Berlin holte sie den Titel über die 400 Meter Freistil. Es ist die insgesamt 18. Medaille bei internationalen Wettkämpfen. Bei den Paralympics 2016 in Rio hatte Schnittger Silber geholt, bei diversen Weltmeisterschaften vier Gold- und sechs Bronzemedaillen, bei Europameisterschaften zwei Gold-, zwei Silber- und drei Bronzemedaillen.

Fokus liegt auf Olympia 2020 in Tokio

In Dublin wird allerdings kein weiteres Edelmetall für die 24-jährige Schwimmerin hinzukommen. Und das, obwohl die Paradestrecken wie die 100 Meter Freistil noch ausstehen. Insgesamt vier weitere Rennen hatte Schnittger auf dem Plan, der Körper machte allerdings einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. In der Nacht nach dem Wettkampf kam der Infekt zurück: »Ich liege jetzt wieder mit einer Bronchitis flach, die Stirnhöhlen sitzen komplett zu. Daher ist die EM an diesem Punkt vorbei.«

Die sympathische Sportlerin aus dem Altkreis ist dennoch mit sich im Reinen: »Ich bin stolz, dass ich das eine Rennen so durchgezogen und wie eine Irre gekämpft habe. Damit kann und will ich jetzt einfach zufrieden sein. Ich reise mit Gold zurück – es hätte schlimmer kommen können.«

Ihr aktueller Fokus liege nun erst einmal darauf, vollständig zu genesen. Und danach geht es mit Weitblick zurück ins Wasser. Maike Naomi Schnittger hat nämlich ein großes Ziel vor Augen: Olympia 2020 in Tokio. Ihre Eltern Rainer und Marion lebten längere Zeit in Japan, die Familie hat tolle Erinnerungen an das Land. Was könnte es da schöneres geben, als eine paralympische Goldmedaille der eigenen Tochter? »Das ist mein großer Traum«, schwärmt die frische Europameisterin.

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