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Fifa-20-Könner: Julian Feist (SVE Börninghausen) geht mittlerweile online auf Torejagd

Kaltschnäuzig auch an der Konsole

Preußisch Oldendorf (WB). Tore ballern, und das am besten noch vor Zuschauern – auf dieses Glücksgefühl müssen die heimischen Amateurkicker seit geraumer Zeit verzichten. Zumindest Julian Toni Feist hat aber längst eine „Ersatzdroge“ gefunden: Der Stürmer des SVE Börninghausen lässt es daheim an der Konsole beim Spiel „Fifa 20“ krachen. „Ich brauche nicht viele Chancen für meine Tore. Weder auf dem Platz noch an der Playstation“, sagt der 25-Jährige schmunzelnd über seine Qualitäten, die ihn somit auch am Computer zu einer „Gefahr“ für gegnerische Abwehrreihen machen. Mittlerweile besitzt Feist sogar seinen eigenen Kanal im Internet, auf dem ihm Fans beim Spielen live über die Schulter schauen können.

Alexander Grohmann

An der Playstation ebenso abgezockt wie im richtigen Strafraum: Julian Toni Feist an seinem „Spielplatz“. Der Stürmer des SVE Börninghausen zeigt seit Beginn der Corona-Krise sein Können verstärkt live im Internet. Regelmäßig tritt der 25-Jährige im Spiel “Fifa 20” in der Weekend League an und lässt dort die Gegner reihenweise verzweifeln. Während der Partien kommuniziert er mit seinen Followern und lässt diese an seinen Emotionen teilhaben. Foto:

Die Langeweile hält sich beim Konsolen-Kicker selbst im aktuellen Lockdown in Grenzen. Sein Hobby hat Feist während der Corona-Pandemie noch einmal stark intensiviert: Seit rund einem Monat „streamt“ Feist seine Fußball-Partien an der Playstation auf der Plattform “Twitch” im Internet. Bis zu 50 Zuschauer verfolgen hier in der Spitze, wenn der e-Sportler in virtuellen Arenen auf Torejagd geht.

Erster Titel für Toni nach neun Siegen am Stück

Vor anderthalb Wochen konnte Julian Feist ganz nebenbei noch seinen ersten Turniersieg feiern. Der TuS Volmerdingsen, ein Verein aus dem Bad Oeynhausener Stadtgebiet, hatte den ­e-Cup ins Leben gerufen, um die fußballfreie Zeit etwas mit Leben zu füllen 16 Vereine machten mit bei dem Konsolen-Spaß, der nicht nur dem Zeitvertreib dienen sollte, sondern auch Spenden an gemeinnützige Einrichtungen beinhaltete.

Turnier-Organisator Tiago Ferreira konnte eine positive Bilanz ziehen. 800 Euro kamen für den guten Zweck zusammen. Das Geld kommt gleichmäßig Parisozial Minden und Caritas Minden zu Gute. Die Startgebühr betrug pro Verein 25 Euro. „Durch Privatspenden und zwei recht große Sponsoren konnte der Betrag aufgestockt werden“, freut sich ­Ferreira, der als Social-Media-Manager bei der Merkur Sportwetten GmbH in Espelkamp tätig ist.

Auch sportlich konnte das Turnier die Erwartungen erfüllen. Jeder Klub durfte einen Akteur an die Playstation schicken. Am Ende setzte sich Julian Feist durch. „Das hat richtig Spaß gemacht“, sagt er. Die Finalspiele auf Twitch verfolgten in der Spitze „bis zu 100 Zuschauer“, berichtet Ferreira, der nicht nur als Strippenzieher, sondern am Finaltag zudem als Kommentator gefragt war.

6:5 im Finale gegen Teilnehmer aus Bad Oeynhausen

Im Endspiel ging es dann noch einmal richtig zur Sache: Julian Feist, dem zu Turnierbeginn der Karlsruher SC als Team zugelost worden war, setzte sich durch ein Tor in der 84. Minute mit 6:5 gegen ­Vitali Miller vom TuS Bad Oeynhausen respektive RB Leipzig durch. „Zwischen den einzelnen Teams gab es keine Unterschiede, da alle Spieler bei dem Turnier die gleiche Wertung hatten. Daher kam es auf die Skills an“, sagt Feist, der offenbar über das nötige Fingerspitzengefühl verfügt.

Tiago Ferreira vom TuS Volmerdingsen hat das Online-Turnier organisiert. Trotz kurzer Vorlaufzeit spielten 16 Vereine mit, 800 Euro für den guten Zweck kamen zusammen. Foto:

Die Abgebrühtheit, die er an der Playstation an den Tag legt, zeigt der Stürmer normalerweise auch in der Kreisliga B. Mit acht Saisontoren hat Feist für den SVE Börninghausen in der (noch) laufenden Saison zuverlässig ins Schwarze getroffen. Seit die Fußballplätze im Zuge der Corona-Krise zu „Sperrzonen“ erklärt wurden, hat Feist seinen Aktionsradius aber ausgedehnt und „knipst“ nunmehr verstärkt am Monitor.

Für den e-Cup hatte sich Feist zunächst einmal intern qualifizieren müssen. Bei einem Vorturnier des SVE Börninghausen setzte sich der 25-Jährige durch. Beim Volmser Konsolen-Wettkampf erwischte er dann einen guten Lauf. Mit der Rekordausbeute von 18 Punkten und 39:14 Toren aus sechs Spielen setzte sich Feist in der Gruppe D durch. Im Viertelfinale fertigte er Dominik Berner vom SC Isenstedt (Arminia Bielefeld) mit 12:2 ab. Das Halbfinale gegen die JSG Am Wiehen (Bayern München) war ebenfalls eine klare Angelegenheit: Beim 7:2-Erfolg drückte Feist wieder die richtigen Knöpfe. Erst im Finale hatte er zum ersten Mal im Turnierverlauf zu kämpfen. Übrigens: Mit dem VfB Fabbenstedt (Sebastian Vogt) und dem Holsener SV (Nico Benner) waren zwei weitere Klubs aus dem Lübbecker Fußballkreis am Start. Für sie kam das Aus in der Vorrunde.

Julian Toni Feist, SVE Börninghausen

„Das Turnier war super organisiert“, lobt Julian Toni Feist. Bei Twitch kann man den Konsolen-Könner, der hier übrigens den Benutzernamen „Pottschnitt“ verwendet, seit einigen Wochen sogar bei Spielen in der „Fifa Weekend League“ in Aktion erleben. Mit Headset ausgerüstet, lässt Feist seinen Emotionen freien Lauf.

Trotz der Zeit, die er im Moment an der Playstation verbringt: „Draußen auf dem Platz“, räumt Toni ein, „macht das Toreschießen immer noch am meisten Spaß“. Auf diese Möglichkeit, so scheint es, muss allerdings nicht nur der Angreifer des SVE Börninghausen noch eine Weile warten.

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