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Meine Lockdown-Pause: Kapitän Joel Rybak über Zusammenhalt, Vereinstreue und häufiges Gassigehen

Tief verwurzelt beim TuS Stemwede

Stemwede

Ein Fußballer mit festen Prinzipien: Trotz zahlreicher Abwerbungsversuche, unter anderem von Preußen Espelkamp, streifte Joel Rybak in seiner Laufbahn bislang nie ein anderes Trikot über als das des TuS Stemwede. „Ich bin schon als Minikicker für den TuS aufgelaufen“, unterstreicht der 25-jährige, zentrale Mittelfeldspieler.

Frederik Kleimann

Zieht im zentralen Mittelfeld die Fäden: Joel Rybak trägt schon seit frühester Kindheit das Trikot des TuS Stemwede. Ein Vereinswechsel kam für den 25-jährigen TuS-Kapitän nie in Betracht. Der Lockdown ohne Fußball ist schmerzhaft. Foto: Stefan Pollex

Grund für den dauerhaften Verbleib Rybaks beim Heimatverein war der Wunsch, weiter mit den Freunden spielen zu wollen. „Freundschaft hat für mich mehr Gewicht als eine oder zwei Ligen höher zu kicken. Ich kenne viele meiner Teamkollegen von klein auf. Ich wollte den mannschaftlichen Zusammenhalt nicht vermissen“, führt der Kicker aus.

Obwohl er nicht den Schritt zu den Adlerträgern machte, verlief Rybaks Jugendzeit erfolgreich: „In der B-Jugend sind wir Kreismeister geworden und konnten uns im Fohlencup gegen die Konkurrenz von Preußen Espelkamp und Tengern durchsetzen.“ Im Berufsleben angekommen, änderte sich nichts an der lokalen Loyalität des Wirtschaftsingenieurs. Der Stemweder blieb im Dorf und nimmt lieber einen langen Arbeitsweg nach Sulingen auf sich als umzuziehen.

Im Seniorenbereich hatte Rybak Startschwierigkeiten. Das komplette erste Jahr musste er verletzungsbedingt pausieren. „Ich hatte Probleme im Leistenbereich. Letztlich haben nur eine lange Pause, viel Physiotherapie und Mobilisation der Hüfte geholfen“, beschreibt der 25-Jährige die schwierige Phase. Im zweiten Jahr lief es dafür umso besser. Nachdem der TuS acht von neun Jahren in der Kreisliga B gespielt hatte, war Rybak Teil der B-Liga-Meistermannschaft 2015/16. Seitdem bissen sich die Stemweder im Kreisoberhaus fest.

Joel Rybak zur positiven Entwicklung in der ersten Saisonhälfte

In dieser Saison komplettiert der TuS das Spitzenquintett der Kreisliga A, nachdem man die Vorsaison lediglich auf dem elften Platz abgeschlossen hatte. Einen wichtigen Impuls sieht Rybak im Trainerwechsel: „Mit Sven Kassen hatten wir eine wunderbare Zeit, aber das Feuer war erloschen. Als dann Toni Trucco übernommen hat, wollten sich alle zeigen. Die Trainingsbeteiligung lag bei mehr als 80 Prozent. Toni ist ehrgeizig und macht hervorragendes Training.“

Zudem passe er gut in das charakterliche Gefüge der Mannschaft. Ein wichtiger Punkt, ist es doch die Teamchemie, durch die sich der TuS auch in besonderer Weise auszeichnet. „Bei uns sticht keiner heraus. Wir haben alle ähnliche Ambitionen, sind ehrgeizig, aber kennen auch unsere Grenzen“, beschreibt Rybak. Dass die Mannschaft so gut harmoniere, liege auch am geringen Altersgefälle. Der Kapitän ist mit seinen 25 schon einer der Ältesten im Team. Bis auf Dominik Heyn und Jens Thiesing (beide 28 Jahre) ist der gesamte Kader zwischen 20 und 26 Jahre alt.

Lockdown-Alltag: Joel Rybak. Kapitän des TuS Stemwede, im Homeoffice am Laptop. Nicht nur das Fußballspielen vermisst der 25-Jährige, vor allem die Treffen mit Freunden fehlen ihm. Foto: privat

Der ein oder andere Charakterkopf trage laut Rybak einen Löwenanteil zur guten Stimmung in der Mannschaft bei. „Da muss ich an Noel Hartmann denken, der die Mannschaft unterhält, indem er ununterbrochen Nonsens von sich gibt. Ohne ihn wäre es nicht so witzig. Tim Wehmeyer zieht uns während der Spiele mit, indem er laut ist und sich in jeden Zweikampf reinhaut. Der ‚Spanier‘ Markus Kokemoor ist nach dem Spiel unverzichtbar, indem er die Mannschaft dazu animiert länger beisammen zu bleiben“, sagt Rybak.

Kurz gefragt...

Welche Konsequenzen hat der Lockdown, abgesehen von Fußball, für dich?

Rybak: Am meisten setzt es mir zu, dass ich mich nicht mit meinen Freunden treffen kann. Meine Arbeit übe ich derzeit überwiegend im Homeoffice aus. Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, habe ich aber die Möglichkeit, alleine im Büro zu arbeiten. Das mache ich so zweimal wöchentlich.

Hast du einen Fußball-Ersatz?

Rybak: Ich mache auch jetzt viel Sport. Ich gehe häufig laufen, probiere auch gerne viel aus, zum Beispiel Inlinerfahren.

Hast du ein Lockdown-Ritual?

Rybak: Ich gehe mehr mit dem Hund meiner Eltern spazieren als zuvor.

Bringdienst oder selber kochen?

Rybak: Im Lockdown koche ich häufiger als unter normalen Umständen, um mir die Zeit zu vertreiben. Ich koche vielfältig, aber nicht extravagant. Neben Aufläufen oder Kartoffelgratin darf es auch mal Spaghetti Bolognese sein.

Welche Musik beinhaltet dein Soundtrack für den Lockdown?

Rybak: Ich habe zuletzt Old School Hiphop für mich wieder entdeckt. Aktuell höre ich viel NAS.

Sport-Biographie?

Rybak: Ich habe die Netflix-Doku ‚All or Nothing: Manchester City‘ gesehen. Empfehlen kann ich ‚The Last Dance‘, eine Dokumentation über Michael Jordan.

Funktioniert Zusammenhalt im Team auch während des Lockdowns?

Rybak: Wir hatten bislang nur ein Mannschaftstreffen via Zoom. Ich habe aber keine Bedenken, dass wir uns nicht mehr verstehen, wenn es weiter gehen kann. Wir sind ein eingeschworener Haufen.

Wenn du mit einem Mitspieler in Quarantäne gehen müsstest, wer wäre das?

Rybak:Am lustigsten wäre es wohl mit unserem Torwart Noel Hartmann, weil er dauernd einen guten Spruch raushaut. Mein bester Kumpel ist aber Nils Kaes. Wir spielen schon seit Ewigkeiten zusammen.

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