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Sandro Nagel spendet nach eigener Covid-19-Infektion regelmäßig Blutplasma – Antikörper können Leben retten

Trainer des FC Oppenwehe hilft Corona-Patienten

Stemwede

Zu den Helden des Alltags in der Corona-Krise gehört Sandro Nagel. Der Trainer des Fußball-B-Ligisten FC Oppenwehe fährt seit einiger Zeit regelmäßig ins Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen, um Blutplasma zu spenden.

Alexander Grohmann

Sandro Nagel hofft auf ein baldiges Lockdown-Ende, um mit seinen Kickern wieder auf den Platz zu können. Mit regelmäßigen Plasma-Spenden leistet der Trainer des FC Oppenwehe in der Zwischenzeit seinen ganz persönlichen Dienst an der Allgemeinheit. Foto: privat

Denn: Seit seiner eigenen Covid-19-Erkrankung im vergangenen Jahr trägt Nagel immer noch Antikörper in sich, die sowohl für die Forschung als auch zur Behandlung von Corona-Patienten mit schweren Verläufen Gold wert sein können.

„Ich habe vier Tage lang richtig flach gelegen“, erinnert sich der Oppenweher an das vergangene Frühjahr, als er selbst von der ersten Corona-Welle erwischt wurde. „Ich hatte Kopfschmerzen und Gliederschmerzen und fühlte mich so schlapp, dass ich abends schon um halb acht ins Bett gefallen bin. Das hatte meine Frau in 25 Jahren mit mir nicht erlebt“, schildert der sportliche Ex-Kicker.

Auch wenn Nagel sich in der Zeit danach recht schnell erholte, hatte er – wie viele Leidensgenossen – noch monatelang mit Folgeerscheinungen zu kämpfen. „Ich hatte ein Drittel meines Lungenvolumens verloren. Beim Walken oder Radfahren fiel mir vor allem in den ersten fünf bis zehn Minuten auf, wie kurzatmig ich war“, berichtet der 49-Jährige. Bei kaltem Wetter waren diese Probleme noch deutlicher zu spüren.

In den ersten Monaten nach seiner Covid-19-Infektion fiel das Walken schwer. „Ich war total kurzatmig“, erinnert sich Sandro Nagel. Mittlerweile sind die typischen Post-Corona-Symptome beim 49-Jährigen zum Glück verschwunden. Foto: privat

Für den Trainer des FC Oppenwehe, der seine Fußballer aufgrund des Lockdowns seit geraumer Zeit nicht mehr zu Gesicht bekommen hat, stand schnell fest, dass er aus der schlechten Erfahrung immerhin einen Nutzen für die Allgemeinheit ziehen will. „Damals habe ich in der Zeitung gelesen, dass Blutplasma-Spender gesucht werden.“ So meldet sich Nagel für seinen ersten Termin im Herz- und Diabeteszentrum an. Seit Mai legt der kaufmännische Angestellte einmal im Monat die einstündige Fahrt nach Bad Oeynhausen zurück, um sich von den Fachkräften Plasma entnehmen zu lassen. Denn: „Ich habe immer noch Corona-Antikörper in mir. Erst vergangene Woche war ich wieder im HDZ“, so Nagel.

Den Aufwand – insgesamt ist der Oppenweher pro Termin drei Stunden unterwegs – nimmt er gerne auf sich, um Anderen zu helfen. Nagel hat sogar selbst etwas davon: Bei jedem Termin wird er zunächst einem kleinen Gesundheitscheck unterzogen. Fieber- und Blutdruckmessung sowie eine Symptombefragung stehen auf dem Programm, ehe Nagel den Arm frei macht. „Insgesamt werden fünf Kanülen Blut entnommen. Danach wird das Plasma herausgefiltert“, beschreibt er das Verfahren.

Weil eine ganz gezielte Behandlung von Corona immer noch nicht möglich ist, sind die Plasmaspenden aus der Bevölkerung wichtig, um das Immunsystem von Menschen mit schweren Verläufen mit den Antikörpern unterstützen zu können – um im besten Fall Leben zu retten.

Blutplasma wird zur Behandlung bei schweren Verläufen benötigt. Die Antikörper können im besten Fall sogar Leben retten. Auch im Bereich der Forschung spielt das gefilterte Blut eine Rolle. Foto: Jörg F. Müller/DRK

Sandro Nagel ist froh und dankbar, dass er zu denen zählt, die keinen lebensbedrohlichen Verlauf hatten. „Einigen Bekannten und Freunden, die erkrankt waren, ging es richtig schlecht“, sagt er. Der ehemalige Oppenweher Bezirksliga-Fußballer empfindet es gerade deshalb als Verpflichtung, mit dem Plasma denen zu helfen, die es schwer erwischt hat.

Corona, das steht für ihn fest, wird trotz der weltweiten Impfkampagne nicht mehr so schnell aus dem Alltag verschwinden. „Die Maske wird uns lange begleiten“, denkt Nagel. Der Oppenweher kann dagegen etwas aufatmen. Selbst der Wintereinbruch hat ihm in den vergangenen Tagen keine Probleme bereitet. „Die Kurzatmigkeit ist fast weg“, sagt der Fußballcoach. Spenden wird er weiterhin.

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