1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Tus-n-luebbecke
  6. >
  7. Furioses Finale: Lutz Heiny beantwortet Kempa mit Siegtor

  8. >

2. Bundesliga: Der TuS N-Lübbecke gewinnt „Thriller“ beim TuS Fürstenfeldbruck mit 22:21

Furioses Finale: Lutz Heiny beantwortet Kempa mit Siegtor

Fürstenfeldbruck

Der TuS N-Lübbecke kassiert beim TuS Fürstenfeldbruck sechs Sekunden vor Schluss per Kempa-Tor den Ausgleich. Die Antwort könnte nicht cooler ausfallen: Lutz Heiny besorgt im direkten Gegenzug per Gewaltwurf quasi mit dem Schlussgong den 22:21-Siegtreffer und lässt die Gäste doch noch jubeln.

Alexander Grohmann

Ausgelassener Jubel im „Pantherkäfig“: Die Spieler des TuS N-Lübbecke feiern den Sieg in letzter Sekunde beim TuS Fürstenfeldbruck. Das Schlusslicht hatte sechs Sekunden vor Schluss per Kempa ausgeglichen, der Tabellenzweite aber postwendend geantwortet. Foto: Wolfgang Fehrmann

Unglaubliches Ende eines verrückten Handballspiels: Mit einem Tor in letzter Sekunde hat Lutz Heiny Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke beim Favoritenschreck TuS Fürstenfeldbruck zu einem 22:21 (15:12)-Sieg geworfen, nachdem die Gastgeber erst sechs Sekunden zuvor ausgeglichen hatten. Durch den Erfolg verteidigten die Lübbecker Platz zwei vor dem ebenfalls siegreichen VfL Gummersbach.

Mit dem Mut der Verzweiflung und einem kühlen Kopf: Lutz Heiny beantwortete den Ausgleich der Hausherren im direkten Gegenzug. Sein Wurf zappelte mit dem Schlusspfiff in den Maschen. Der TuS behielt beim Favoritenschreck doch noch die Oberhand., Foto: Wolfgang Fehrmann

Während sich die Gäste nach dem Happy-End in den Armen lagen, sanken die gegnerischen Akteure wie auf Knopfdruck aufs Parkett. Ein paar Meter weiter versuchte, Rolf Hermann die wilde Schlussminute zu verarbeiten. „Mein Herz! Ich glaube, ich muss mich bald zur Ruhe setzen“, kommentierte der Sportliche Leiter Rolf Hermann das gerade Erlebte. Mit einer schwachen Angriffsleistung hatte sich der TuS nach der Pause in die Bredouille gebracht und schien vom Schlusslicht bitter bestraft zu werden. Doch der letzte Wurf des Abends landete im Kasten der Gastgeber. „Über das, was heute nicht so gut gelaufen ist, will ich jetzt nicht sprechen. Die Hauptaussage ist: Hier musst du erstmal gewinnen und das hat unsere Mannschaft geschafft“, sagte Hermann erleichtert und glücklich.

Der TuS Fürstenfeldbruck, der in diesem Jahr in eigener Halle schon Spitzenreiter HSV Hamburg und den Tabellendritten VfL Gummersbach ausgeschaltet hatte, wollte sich am Samstagabend nun den nächsten „Großen“ krallen. Wie erwartet, setzten die Hausherren im „Pantherkäfig“ auf ihre 3-2-1-Abwehr und attackierten die Lübbecker schon früh. Der Favorit erwischte dennoch den besseren Start und warf eine 5:2-Führung heraus (11.). Gerade zu Beginn leistete sich der TuS allerdings einige leichte Fehler im Aufbauspiel. Glücklicherweise hatte Aljosa Rezar erneut einen guten Tag erwischt: Der TuS-Keeper konnte einige Gegenstöße entschärfen und ahnte auch beim Siebenmeter von Falk Kolodziej die richtige Ecke. Mit einem Blitzreflex lenkte „Joschi“ den Ball um den rechten Pfosten.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Lübbecker das Geschehen bei einer 9:5-Führung weitgehend unter Kontrolle. Auch weil Emir Kurtagic im Angriff früh durchgewechselt hatte: Für Roman Becvar, Dominik Ebner und Lutz Heiny kamen bereits Mitte der ersten Halbzeit Benas Petreikis, Florian Baumgärtner und Valentin Spohn in die Partie. Das Trio schaffte es besser, die Nahtstellen in der offensiven Abwehr der Hausherren zu finden.

Beim 9:14 lag der TuS erstmals mit fünf Treffern in Front. Auch weil die Abwehr immer besser zupackte und dem Schlusslicht kaum freie Würfe erlaubte. Fürstenfeldbruck war, unterstützt von mehr als nur einer Handvoll Trommlern, aber noch längst nicht am Ende mit seinem Latein: Kurz vor der Pause verkürzte der kampfstarke Außenseiter auf 12:15. Nach der Pause arbeitete sich die Truppe von Martin Wild Stück für Stück heran.

Leos Petrosky (links) wird von Tobias Prestele gestellt. Lübbeckes Kreisläufer kam kaum zum Zug und musste kurz vor Schluss nach der dritten Zeitstrafe vorzeitig das Parkett verlassen. Foto: Wolfgang Fehrmann

Die Lübbecker verließen im Angriff ihre zuvor erfolgreiche Linie, schoben auch in der Abwehr nicht mehr so gut zu. Die Folge: 90 Sekunden vor Schluss verkürzte Falk Kolodziej auf 20:21 und brachte den TuS endgültig in die Bredouille. Auch den folgenden Angriff konnten die Lübbecker nicht erfolgreich abschließen, zumal sie nach der Roten Karte gegen Leos Petrovsky (dritte Zeitstrafe) auch noch in Unterzahl auf dem Parkett standen.

20 Sekunden vor dem Ende wechselte der Ballbesitz noch einmal. Und die „Panther“ hatten sich etwas ganz Besonderes für ihre letzte Chance ausgedacht: Sie passten den Ball auf Rechtsaußen und von dort auf direktem Weg in den Kreis, wo Johannes Stumpf per Kempa zum umjubelten 21:21 abstaubte. Sechs Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt auf der Uhr noch verblieben.

Während sich die Brucker innerlich schon über einen weiteren Husarenstreich gegen ein Topteam freuten und mental vielleicht etwas zu früh abschalteten, holte der Tabellenzweite zum Gegenschlag aus: Lutz Heiny schnappte sich nach der Schnellen Mitte den Ball, zog „im Vollsprint“ (Rolf Hermann) Richtung gegnerisches Tor und traf aus neun Metern zum 21:22 in die Maschen. Ein Treffer zum Ausflippen!

„Wir müssen uns heute auch bei Aljosa Rezar bedanken, der wieder einmal fantastisch gehalten hat. Ohne ihn wäre es eventuell schwierig geworden. Das war auch für den Kopf ein ganz wichtiger Sieg“, sagte Rolf Hermann nach einem Abend in Bayern, den Lübbeckes Handballer nicht so schnell vergessen werden.

TuS Fürstenfeldbruck: M. Luderschmid, Oberosler, Hanemann – Huber, Kaulitz (2), Kolodziej (4/2), Borschel (1), Lex, Seitz (2), J. Luderschmid, Meinzer (1), Engelmann (1), Stumpf (6), Prause (1), Horner (2), Priestele (1).

TuS N-Lübbecke: Rezar, Gercar – Skroblien (5/2), Heiny (3), Petrovsky, Heiny, Ebner (1), Petreikis (2), Spohn (5), Strosack, Becvar, Bagaric, Speckmann, Baumgärtner (4), Nissen (2).

Rote Karte: Leos Petrovsky (TuS N-Lübbecke/59. dritte Zeitstrafe).

Die Stimmen der Trainer

Martin Wild (Fürstenfeldbruck): „Was unsere Jungs heute geleistet haben, war wieder sensationell. Dass wir gegen eine Mannschaft wie Lübbecke in der zweiten Halbzeit nur sieben Treffer zulassen, ist unfassbar. Bei unserem Ausgleichstreffer zum 21:21 haben wir eine schöne Lösung gefunden – nur vielleicht drei, vier Sekunden zu früh. Allerdings war die Schnelle Mitte anschließend vielleicht auch nicht ganz korrekt von den Lübbeckern ausgeführt. Es war insgesamt ein tolles Handballspiel. Es fühlte sich an, als wenn 1000 Zuschauer in der Halle sind.“

Emir Kurtagic (TuS N-Lübbecke): „Wenn wir hier nur mit einem Prozent mangelnder Bereitschaft angereist wären, dann wären wir wie die anderen Spitzenteams auch mit einer Klatsche nach Hause gefahren. Ich hoffe, dass Fürstenfeldbruck sich für die Art und Weise, wie sie Handball spielen, am Ende der Saison mit dem Klassenerhalt belohnen. Wir wussten, dass es nicht so leicht werden wird wie im Hinspiel in Lübbecke, als der Gegner zudem nicht in Bestbesetzung angetreten war. Wir hatten die hitzige Abwehr erwartet, haben den Ball dann aber nicht gut laufen lassen. Ich bin froh, dass wir eine ähnlich gute Abwehr mit einem guten Torwart dahinter gestellt und am Ende ein Tor mehr geworfen haben.“

Startseite