1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Lokalsport
  4. >
  5. Tus-n-luebbecke
  6. >
  7. Im ersten Leben Spielmacher

  8. >

TuS N-Lübbecke: Die Karriere von Kreisläufer Yannick Dräger (26) hat eine ungewöhnliche Entwicklung genommen – WG mit Teamkollege Lutz Heiny – Saisonstart bereitet keine Sorgen: „Wir brauchen einen Flow“

Im ersten Leben Spielmacher

Lübbecke (WB). So breit wie heute waren die Schultern von Yannick Dräger vor einigen Jahren noch nicht. „Der TV Emsdetten hat mich 2016 noch als Mittelmann verpflichtet“, berichtet der Handballprofi, der seit dieser Saison beim Zweitligisten TuS N-Lübbecke unter Vertrag steht – als Kreisläufer!

Alexander Grohmann

Emotional: Kreisläufer Yannick Dräger bejubelt zusammen mit Kapitän Peter Strosack (links) den hart erkämpften Sieg in Eisenach. Mit dem TuS N-Lübbecke hat sich der 26-Jährige in dieser Saison viel vorgenommen. Foto: Sascha Fromm

Drägers „Umschulung“ erfolgte in seiner Anfangszeit in Emsdetten, als Lübbeckes Liga-Rivalen am Kreis aufgrund von Verletzten enorme Personalsorgen plagten. „Ich hatte mit André Kropp einen guten Lehrmeister im Team, er hat mir auf der Position alles beigebracht“, berichtet Dräger, der mit seiner Statur wie geschaffen für das körperliche Spiel am Kreis scheint. Das habe vor vier Jahren allerdings noch anders ausgesehen, verrät der 26-Jährige. „Damals wog ich nur 94 Kilo. Heute sind es 107“, unterstreicht der 1,99m-Hüne, der extrem an Muskelmasse zulegte. Wie er das geschafft hat? Mit Krafttraining – und gesundem Appetit: „Mein Trainer Daniel Kubes hat damals immer gesagt: ‚So viel essen, wie es geht‘“, grinst Dräger, der auch heute lieber eine warme Mahlzeit mehr als weniger am Tag zu sich nimmt.

Erste Profi-Luft bei der TSV Hannover-Burgdorf geschnuppert

Gestartet hat er seine Handballkarriere 2000 beim Harpstedter TB bei Bremen. „In Harpstedt steht auch mein Elternhaus. Das sind von Lübbecke aus über Land nur 50 Minuten mit dem Auto“, sagt Dräger, der zwischendurch gerne daheim vorbeischaut – wenn es der Spielplan erlaubt. Ansonsten hat sich Dräger, der als Youngster bei der TSV Hannover-Burgdorf (2014 bis 2016) auch schon Erstliga-Luft schnupperte (siehe Kasten), in Lübbecke prima akklimatisiert. „Das ging alles fix hier“, so der TuS-Profi, der sich mit Teamkollege Lutz Heiny eine WG teilt: „Wir kommen Beide aus der gleichen Handballecke, kennen uns schon ewig.“

Durch seine starken Leistungen in Emsdetten tauchte Dräger in diesem Jahr auf dem Radar von Rolf Hermann, Sportlicher Leiter des TuS, auf. Das Angebot kam zur richtigen Zeit, der Kreisläufer hatte Lust auf eine neue Herausforderung. „Mit Emsdetten ging es in vier Jahren immer gegen den Abstieg, beim TuS gibt es andere Ziele“, waren es auch die sportlichen Perspektiven, die Dräger nach Lübbecke lockten. Sein Ziel: Bundesliga. Beim TuS findet er zugleich die Voraussetzungen, um seine eigene Entwicklung voranzutreiben. „Das Niveau im Training ist höher. Es wird mehr verlangt, und das jeden Tag“, zieht er einen Vergleich zu seiner vorherigen Station in Emsdetten.

Im Mittelblock neben Bagaric: „Marko ist eine Maschine“

Seinen Platz hat der gebürtige Bremer schnell gefunden: In den ersten drei Saisonspielen kam ­Dräger auf viele Einsatzminuten – sowohl am Kreis als auch hinten, wo der Neuzugang im Innenblock meist an der Seite von Abwehrchef Marko Bagaric agierte. „Marko ist eine Maschine. Er hat in seiner Karriere viel erlebt und ist mit seiner ruhigen Art ein sehr angenehmer Mitspieler“, schaut Dräger sich gerne etwas vom Routinier ab.

Neues Duo im Lübbecker Mittelblock: Yannick Dräger (links) stand in den ersten Saisonspielen zumeist neben Abwehrchef Marko Bagaric in der Deckung. Der TuS-Neuzugang will sich noch in vielen Bereichen verbessern, bringt enormen Ehrgeiz mit. Foto: Alexander Grohmann

Lobende Worte findet er auch für seinen Kreis-Kollegen Leos Petrovsky: „Wenn Leos die Sperre stellt, steht sie. Da kommt keiner vorbei“, sagt Dräger, der in dieser Hinsicht weiter hart an sich arbeiten will: „Ich kann krafttechnisch noch zulegen und in der Abwehr meine Beinarbeit verbessern“, sagt der ehrgeizige Neuzugang. Auch die bisherige Torausbeute (sechs Würfe, sechs Treffer) will der Kreisläufer in den nächsten Wochen ausbauen.

Kreisläufer Yannick Dräger

Der eher holprige Saisonstart mit dem TuS (3:3 Punkte) bereitet Dräger keine Bauchschmerzen. „Mit dem Spiel gegen Dresden konnte man sicher nicht zufrieden sein. In Dormagen hätten wir aber auch gewinnen können“, blickt er auf das umkämpfte 25:25 zurück. „Insgesamt gab es noch zu viele Höhen und Tiefen. Wir müssen uns als Mannschaft ein bisschen besser finden, dann wird das schon“, ist es für Dräger nur eine Frage der Zeit, bis die Mannschaft ihr ganzes Potenzial auf die Platte bringt.

Wichtig: „Um in der 2. Liga oben mitzuspielen, braucht man einen Flow, dann wird vieles leichter. Wenn wir die ersten beiden Spiele gewonnen hätten, wären wir wahrscheinlich auch in Dormagen als Sieger vom Parkett gegangen“, vermutet Dräger. Die 2. Bundesliga sei nun einmal extrem umkämpft, wie die Ergebnisse zeigten. „Es ist unglaublich, wer da alles wen schlägt.“

Mammutprogramm bis Silvester

Mit zwölf Spielen bis Silvester wartet auf die TuS-Profis nach dem nun spielfreien Wochenende ein Mammutprogramm. Die Un­sicherheiten durch die Corona-Pandemie blendet Yannick Dräger bestmöglich aus: „Wir bereiten uns auf jeden Gegner unter der Woche konzentriert vor. Wenn dann mal eine Absage kommt, kann man es nicht ändern. Corona darf aber nicht bei uns im Kopf sein“, sagt der Handball-Hüne, der darauf achten wird, während des Spiele-Marathons bei Kräften zu bleiben. Und im Zweifel lieber eine Mahlzeit mehr als weniger isst.

Yannick Dräger über...

... eine missglückte Premiere: „Als junger Spieler kam ich bei der TSG Hannover-Burgdorf zu meinem ersten Bundesliga-Einsatz in Berlin. Nach drei Minuten habe ich nach einer eigentlich harmlosen Aktion gegen Petar Nenadic gleich die Rote Karte gesehen. Da hatten sie mich als Jüngling in die Falle laufen lassen.“

... WM-Bronze: „2015 durfte ich mit der U21-Nationalmannschaft zur WM nach Brasilien. Mein Glück war, dass Deutschland damals einen starken Jahrgang auf der Spielmacherposition mit Wiede und Drux hatte. Die waren schon bei den Herren, deshalb wurde ich als Back-up nachnominiert. Das Spiel um Platz drei war ein absolutes Highlight: Gegen Ägypten haben wir uns nach 80 Minuten durchgesetzt – durch den Siegtreffer von Tim Suton 20 Sekunden vor Schluss.“

... Handball als Beruf: „Ich empfinde es als Privileg, liebe es, mich auf dem Spielfeld zu messen. Ein toller Sport.“

Startseite