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Handball-2. Bundesliga:

Lübbecke verliert die Kontrolle

Lübbecke

Das war zuwenig „Rock ‚n‘ Roll! Auch in der „Handball-Hölle“ „Merkur Arena Lübbecke“ können die Bäume nicht immer in den Himmel wachsen: Mit ihrer „Tor-Fackel“ Dominik Ebner an der Spitze einer nur 15 Minuten lang spielfreudigen Offensive brannten die Zweitliga-Handballer des TuS N-Lübbecke im Heimspiel gegen den HSV Hamburg kein Dauer-Feuerwerk ab und mussten sich nach einer enttäuschenden zweiten Halbzeit schließlich verdient mit 24:28 (12:12) geschlagen geben.

Ingo Notz

Der TuS N-Lübbecke unterlag dem HSV Hamburg 24:28 (12:12). Foto: Oliver Krato

Mit dem AC/DC-Rockkracher „Highway to Hell“ wurden die Mannschaften am Dienstagabend in der weitgehend leeren Merkur Arena begrüßt. Für die Hamburger ein klarer Fingerzeig, dass sie in Lübbecke durch die Hölle mussten? An diesem Abend sollte sich das schon bald als Falschetikettierung entpuppen... Von der Ansage aus den Musikboxen ließ sich der Tabellendritte zunächst wenig beeindrucken, die Hamburger rockten den Start. Lübbeckes offensive Deckung mit den meist vorgezogenen Yannik Dräger und Marko Bagaric fing sich innerhalb der ersten 217 Sekunden gleich zwei Zeitstrafen ein – beide Prellböcke mussten hintereinander zum Abkühlen auf die Bank. Parallel dazu leisteten sich die Hausherren vor allem auf der linken Abwehrseite mit Tom Skoblien den Luxus, den Rechtsaußen Thies Bergemann zu viele Freiheiten zu lassen. Der Hamburger Flügelflitzer sagte mehr als einmal artig „Danke“ und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team zunächst vorne lag. Es dauerte bis zur achten Minute, ehe der TuS die Partie unter Kontrolle bekam: Dominik Ebner glich zum 2:2 aus und sorgte wenig später mit drei Treffern dafür, dass aus einem 5:5 die erste Drei-Tore-Führung der Partie wurde.

Nach 15 Minuten lagen die Hausherren so mit 8:5 vorne. Als die Lübbecker auf einem guten Weg schienen, die Partie unter Kontrolle zu halten, schlug Hamburg allerdings zurück und war dank seines wuchtigen Kreisläufers Niklas Weller schnell wieder zum 8:7 dran (20.). Der Weller-Brecher sorgte nach einem weiteren Bodenpass am Kreis für den Hamburger Ausgleich zum 8:8 (22.)., ehe Peter Strosack Lübbecke wieder nach vorne warf. Hinten konnten sich die Rot-Schwarze gestern weiter auf ihren jungen Keeper verlassen: nach einer erneuten Glanztat von Johannes Jepsen gegen Linksaußen duselte Peter Strosack den TuS mit einem von HSV-Keeper Jonas Maier unglücklich abgefälschten Ball zur erneuten Zwei-Tore-Führung (24.).Bei einem 10:8-Vorsprung flog Tom Skroblien, der Bergemann diesmal enger decken wollte, für zwei Minuten vom Feld Ab diesem Zeitpunkt kam der große Bruch ins Lübbecker Spiel. Hamburg verkürzte vom Punkt. Im Gegenzug leisteten sich die Lübbecker in Unterzahl einen überhasteten Ballverlust im Spielaufbau, der Hamburg die Tür zum Unentschieden öffnete: Weller ging durch die Tür und erzielte per Siebenmeter das 10:10. Lübbecke bewies zunächst noch Moral: In Unterzahl, Ebner musste auf die Strafbank, legte der TuS vom Punkt nach. Die nächste Zwei-Minuten-Strafe folgte allerdings schnell – und wieder erwischte es den TuS, diesmal Lutz Heiny. Mit vier Feldspielern fingen sich die Lübbecker den erneuten Ausgleich durch Tobias Schimmelbauer. Ein Glücksfall für den TuS, dass er zur Zeit einen Torjäger in Topform hat: Dominik Ebner legte zum 12:11 nach. Der erneute Ausgleich durch Tissier war ein weiteres Geschenk der phasenweise zweifelhaft pfeifenden Schiedsrichter, die in den fünf Zeitstrafen gegen den TuS, aber nur eine gegen den HSV verhängten und vorm 12:12 ein klares Foul der Hamburger übersehen haben. Beinahe wäre der HSV so mit einer Führung in die Kabine gegangen, doch bei Bergemanns Versuch hatte Johannes Jepsen das Glück des Tüchtigen und lenkte den Ball, ohne es selbst zu sehen, mit dem Fuß an den rechten Pfosten und von dort kullerte er über die Lübbecker Torlinie – aber eben nicht ins Tor.

In der zweiten Halbzeit setzte sich das schlechtere der beiden Lübbecker Gesichter durch, an die weitgehend guten ersten 15 Minuten konnte der TuS nicht mehr anknüpfen. Dafür stand zunächst Hamburgs Dominik Axmann im Mittelpunkt: Erst warf er den HSV in Führung, „durfte“ sich Sekunden später darüber zwei Minuten lang auf der Bank erinnern… Lübbecke nutzte das zunächst nicht: Dräger scheiterte an einer Topparade von Jonas Maier, Tom Skroblien unterlief ein Schrittfehler. Seine Vorderleute konnten sich zu Beginn der zweiten Hälfte bei Johannes Jepsen bedanken, der seinen Tor-Safe verschlossen hielt. Im Gegenzug verhinderte ein Pfostentreffer von Heiny den Ausgleich. In Überzahl, Schimmelbauer musste nach einem Foul an Ebner für 120 Sekunden vom Feld, machte es Heiny beim nächsten Versuch besser.

Das 14:14 wiederum war ein Sahnemoment von Marko Bagaric: Nach einem Ballklau in der Abwehr nutzte er das leere Hamburger Tor und warf den Ball über das ganze Feld vom eigenen Kreis ins Ziel. Sekunden später legte Tom Skroblien mit seinem nächsten Siebenmeter-Treffer zum 15:13 nah. Nach Hamburgs Ausgleich zum 15:15 übernahm Dominik Ebner erneut Verantwortung und brachte seine Farben erneut in Führung. Was Ebner für den TuS, war am Dienstagabend Thies Bergemann für den HSV: Nach seinem Ausgleich lagen die Hamburger Sekunden später sogar wieder vorne. Es entwickelte sich ein Spiel, in dem die Teams nun schnellere Abschlüsse suchten: Hamburg blieb dabei zunächst vorne, Lutz Heiny glich aus.

Ein Problem blieben die vielen Aktionen, die zu Pfiffen und Siebenmeter führten: Auch der im Laufe der Partie für die Marken eingesetzte Keeper-Routinier Aljosa Rezar fand kein Mittel gegen die sichere Hamburger Punkt-Power. Eine Doppelparade von Jepsen und ein Kontertor von Bagaric drehten die Partie nach 45 Minuten scheinbar wieder in die Lübbecker Richtung. Richtig absetzen konnte sich aber auch jetzt keine der beiden Mannschaften. Nach Axmanns 21:20 hielt Jepsen den TuS im Spiel, im Angriff sank die Lübbecker Quote aber nun bedenklich. Philipp Bauer bestrafte dies mit dem 20:22 (50.). Hamburg verteidigte anschließend seinen Zwei-Tore-Vorsprung trotz des nächsten Ebner-Treffers, weil Lübbecke trotz des weiterhin starken Jepsen im Angriff zu viele Bälle liegen ließ und dabei auch weiterhin über die Pfiffe der Unparteiischen Cesnik/Konrad (Gummersbach) lamentierte, statt die eigenen technischen Fehler abzustellen und mehr Ordnung und Variationen ins das Angriffsspiel zu bekommen. Erst ein gepfiffenes Stürmerfoul der Gäste und ein mit Glück gezogenes Foul an Ebner brachten Lübbecke beim 22:24 noch einmal zurück ins Spiel. Dräger verballerte diese Chance allerdings, im Gegenzug legte Hamburg zum vorentscheidenden 22:25 nach und zog auch noch eine Zeitstrafe gegen Marko Bagaric. In Unterzahl war das knapp vier Minuten vor dem Ende die Vorentscheidung. Yannick Dräger verkürzte in Unterzahl zum 23:25, doch die verbleibende Drei-Tore-Hypothek konnten die Lübbecker nach dem schnellen 23:26 in den verbleibenden drei Minuten nicht mehr ablösen. Zwei Minuten vor dem Ende war das Ende dann auch klar: Mit dem Treffer zum 23:27 waren die Lübbecker geschlagen und mussten dem HSV schließlich zum verdienten Auswärtssieg gratulieren. „Das war ein verdienter Sieg des HSV. Wir starten gut mit dem 8:5 und sollten da eigentlich diese Lockerheit und Ruhe behalten, agieren dann aber zu nervös. Dann haben wir uns über 45 Minuten sehr schwer getan. Was in den letzten Spielen gut war, war diesmal schlecht!“

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