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TuS N-Lübbecke muss die auferlegte Geldstrafe an den Ex-Spieler zurückzahlen

Remer gewinnt vor Gericht

Lübbecke (WB). Vor dem Mindener Arbeitsgericht war es im Dezember zu keiner Einigung gekommen , nun liegt das Urteil aber vor. Der TuS N-Lübbecke muss seinem Ex-Spieler Tim Remer die wegen einer Mallorca-Fahrt verhängte Geldstrafe zurückzahlen.

Marc Schmedtlevin

Das Urteil ist gefallen: Der TuS N-Lübbecke um Torsten Appel (rechts) muss die Forderung von Tim Remer erfüllen. Foto: Thomas F. Starke

Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war die Schlussphase der Saison 2016/17. Die Tage vor der letzten Partie des sicheren Aufsteigers TuS N-Lübbecke beim TV Hüttenberg, der noch mit anderen Teams um den Aufstieg kämpfte, hatten drei Spieler für eine Reise nach Mallorca genutzt – darunter Tim Remer. Eine Tatsache, die bei den Verantwortlichen des Vereins gar nicht gut ankam. Eine Mannschaftsfahrt war nämlich bis einschließlich des letzten Spieltags verboten worden. Der TuS verhängte daraufhin eine Geldstrafe gegen Remer und die beiden Teamkollegen.

Genau dieses Geld wollte der Niederländer zurückgezahlt haben. Sein Vertrag habe eine Reise während einer trainingsfreien Zeit nämlich nicht verboten. Das Urteil gibt dem ehemaligen Lübbecker Linksaußen recht. »Es ist nicht bestimmt genug, wie es in unserem Vertrag steht. Um das zu erreichen, müssten wir seitenweise Texte schreiben«, macht TuS-Geschäftsführer Torsten Appel deutlich. Das Urteil und Remers Forderung in Höhe von 1782,55 Euro – inklusive Zinsen – sehe er deswegen auch gelassen. »Das Urteil ist wie erwartet ausgefallen. Das war uns auch schon zur Zeit der Klage klar«, sagt Appel und kann sich einen Kommentar in Richtung Remer nicht verkneifen: »Juristisch ist das Urteil für mich nachvollziehbar, die moralische Komponente aber nicht.«

Möglichkeit der Berufung

Ein Monat bleibt dem Verein von nun an, um möglicherweise Berufung einzulegen. »Wir überlegen jetzt, ob wir weitere Schritte einleiten. Wir werden die Bedenkzeit nutzen«, sagt Appel.

Im Streit zwischen Tim Remer und dem TuS N-Lübbecke musste das Gericht um den Vorsitzenden Rolf Nottmeier entscheiden. Der hatte sich während der Verhandlung Mitte Dezember in Minden bei der Bewertung äußerst schwer getan und Verständnis für beide Seiten gezeigt. Der Richter war mit seinen Ausführungen spürbar um eine Einigung bemüht.

Es hatte schon vor der Verhandlung zwei Vergleichsangebote gegeben. Das erste lehnte Remer ab, das zweite der TuS N-Lübbecke. Richter Nottmeier hatte noch einen dritten Versuch gestartet. Remer solle sich entschuldigen und erklären, dass das Schädigen des Vereins nie seine Absicht gewesen sei. Der TuS N-Lübbecke wiederum solle 1200 Euro zurückzahlen. Die Reaktion des Vereins folgte aber schnell. Er wolle keinen Vergleich, sondern ein Urteil. Genau das hat der TuS N-Lübbecke nun bekommen.

Ein Kommentar von Volker Krusche

Das Urteil ist eindeutig: Tim Remer hat den Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber gewonnen. Doch ist der Niederländer wirklich ein Gewinner? Wohl eher nicht. Vielmehr darf sich der TuS N-Lübbecke als Sieger fühlen, weil er Regeln für wichtig hält. Zwar hat das Arbeitsgericht in Minden für den Spieler entschieden, aber auch nur, weil es rechtlich keine Grundlage sah, dass ihm für ein nachweisliches Vergehen eine Strafe aufgebrummt worden war. Remer hatte trotz klarer Ansage der Verantwortlichen mit zwei anderen Spielern während der Saison einen Abstecher nach Mallorca gemacht. Das kann kein Verein mit sich machen lassen. Es fehlt ihm aber die rechtliche Grundlage, um auf die Freizeit seiner Angestellten Einfluss zu nehmen. Es sei denn, Verträge mit Spielern werden künftig mit 500-seitigen Anlagen unterzeichnet, in denen all das steht, was erlaubt ist oder auch nicht, und was wie geahndet werden kann. Doch selbst dann wäre wohl immer noch ein Schlupfloch vorhanden. Nein, Tim Remer hat sich sein Denkmal in Lübbecke nicht nur beschädigt, er hat es selbst zerstört. Ein Jahr hat es gedauert, bevor er Klarheit hatte, ob er gegen die Geldstrafe, die ihm auferlegt worden war, angehen sollte. Wer sich aber erst zur Wehr setzt, wenn er mit einem neuen Vertrag nicht einverstanden ist und den Klub daher verlassen wird, der offenbart einen äußerst schlechten Stil. Bravo, TuS N-Lübbecke, dass er nicht auf Vergleichsvorschläge des Gerichts eingegangen ist, sondern bereitwillig das Geld zurückzahlt. Denn nur dadurch haben die Verantwortlichen ihr Gesicht gewahrt und deutlich gemacht, dass ihre Strafe berechtigt war. Sie sind daher der wahre Sieger.

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