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Handball-2. Bundesliga: TuS-N-Lübbeke vorm letzten Spiel 2020

Vollgas aus der zweiten Startreihe

Lübbecke

Das Führungsduo war noch zu stark, ein Verbremser gegen einen schwächer eingeschätzten Gegner aus Dresden sowie zwei Unentschieden in Dormagen und Großwallstadt kosteten auch wertvolle Punkte. Das Zwischenfazit nach dem letzten Auswärtsspiel des Jahres sieht den TuS N-Lübbecke auf Platz drei der Zweiten Bundesliga: einen Platz, den der TuS mit einem Heimsieg morgen gegen den Wilhelmshavener HV verteidigen will.

 

Bedient: Lutz Heiny (links) und Tom Skroblien mussten sich in Gummersbach geschlagen geben. Foto: Augst/Eibner-Pressefoto

Mit der ersten Lübbecker Auswärtsniederlage der Saison sind die Kräfteverhältnisse an der Spitze zumindest für die Hinrunde erst einmal geklärt, für die gesamte Saison aber noch nicht in Stein gemeißelt, erst recht nicht, wenn es nach den Baumeistern des TuS geht. Sechs Plus- und vier Minuspunkte Rückstand auf den Tabellenführer HSV Hamburg, vier Plus- und sechs Minuspunkte Abstand zum Tabellenzweiten VfL Gummersbach: Nach der dritten Saisonniederlage nach rund einem Drittel der Saison ist die absolute Spitze der Liga für den TuS aus eigener Kraft nicht mehr zu erreichen. Das ist die schlechte Nachricht nach der Niederlage im Spitzenspiel in Gummersbach. Die gute Nachricht: Kaum jemand geht davon aus, dass das Spitzenduo alle Spiele gegen die Mannschaften ab Platz drei ohne Punktverlust überstehen wird. In der über weite Strecken ausgeglichenen Zweiten Bundesliga kann jeder schlechte Tag Punkte kosten. Lübbecke musste das bereits erleben, gefeit davor sind auch Hamburg und Gummersbach nicht. Dennoch: Die Favoritenrollen sind in der Liga zum Jahresende erst einmal vergeben. Hinter den beiden besten Teams der ersten Saisonphase will der TuS bereit sein, wenn sich ihm noch einmal die Chance bieten sollte. Daher geht am Tag nach der Niederlage in Gummersbach der Blick auch nicht zu lange zurück, sondern voller Elan nach vorne. Nur mit einem Sieg im letzten Heimspiel des Jahres gegen Wilhelmshaven kann sich Lübbecke am Mittwoch die Spannung für den zweiten Saisonteil ab Februar auf hohem Niveau und mit realistischen Chancen, doch noch eine der beiden Mannschaften auf den Aufstiegsplätzen abzufangen, bewahren. Dahin wird der Fokus gerichtet und nicht zu sehr auf das Spiel in Gummersbach, obwohl die schwachen Schiedsrichter mehr als einen Anlass gegeben hätten, auch im Nachklang noch einmal das Zustandekommen der Lübbecker Niederlage auch an einigenzweifelhaften Entscheidungen in Verbindung zu bringen. Emir Kurtagic ließ diese Option weitgehend verstreichen und beschäftigte sich auch am Tag danach lieber mit den eigenen Defiziten im Spitzenspiel als mit den Defiziten in der Spielleitung.

Trotz der immensen Belastung der vergangenen Wochen sei die Niederlage aber nicht auf fehlende Kräfte zurückzuführen, meint Kurtagic: „Ich glaube nicht, dass es ein Kraftproblem war. Ich glaube, dass es von der Fokussierung, von der Psyche nicht so einfach war nach dem Emsdetten-Spiel. Du hast dann extrem wenig Zeit mit Weihnachten dazwischen. Wir sind ein sehr großes Pensum gefahren in den letzten Wochen und da ist es aus meiner Sicht nur normal, dass man auch kleinere Konzentrationsschwächen zeigen kann. Dieses Pensum ist so, für die anderen Mannschaften ist es genauso der Fall, also müssen wir zusehen, dass wir das Beste daraus machen und uns auf das Spiel am Mittwoch freuen und versuchen, diese zwei Punkte aus Gummersbach schnell vergessen zu machen.“

Das Gefährlichste an Wilhelmshaven könnte Gummersbach sein? Kurtagic vereint: „Ich glaube nicht, weil wir doch ziemlich schnell den Abschluss dieses Spiels gefunden haben, wo wir auch nicht soviel drumherum reden mussten, weil wir einfach nicht gut genug waren und in der Summe einfach viel zu viele Fehler gemacht und dadurch Gummersbach auch diese „plus sechs“ gegeben haben. Eine Mannschaft von der Qualität schafft es dann natürlich, das über die Runden zu bringen. Ich glaube, dass wir eher etwas Positives daraus nehmen können, dass wir trotz Rückstandes, trotz aller psychologisch schwierigen Phasen, wenn Du mit vier, fünf oder sechs zurückliegst, dass wir nie aufgegeben haben und weiter gekämpft haben. Es hat einfach nicht gereicht und das muss man dann ja auch einfach akzeptieren und dem Gegner gratulieren, dass er diesmal abgeklärter war und ein paar Fehler weniger gemacht hat als wir.“ Viel mehr wollte sich Emir Kurtagic mit der Niederlage dann auch gar nicht mehr beschäftigen, um nicht den Fokus auf das nächste spiel mit zuviel negativer Energie aus dem Blick in den Rückspiegel zu gefährden. „Wir sind, glaube ich, gut berate, es dabei zu belassen und nicht zuviel darüber nachzudenken und vielleicht Energien in die falsche Richtung einzusetzen. Unser Fokus sollte voll auf Wilhelmshaven sein und auf die nächsten zwei Punkte, die zu vergeben sind - und die Aufgabe ist auch nicht ohne...“

Nach Wilhelmshaven locken zehn Tage Urlaub: „Dann werden wir uns auf den zweiten Teil der Saison vorbereiten. Ich glaube nicht, dass viele jetzt das Land verlassen oder in die Sonne fahren werden. Es geht eher um die Regeneration und aktive Erholung. Dann haben wir nochmal drei Wochen Zeit, um uns auf das erste Spiel der Rückrunde vorzubereiten.“ Den Spielern ist die Belastung anzumerken, umso glücklicher könne sich der TuS schätzen, dass er bisher ohne größere Verletzung durch das Mammutprogramm der vergangenen Wochen gekommen ist: „Acht Spiele im Dezember spürt man, von Februar bis Juni werden wir 23 Spiele absolvieren, das Pensum wird gleich bleiben, das es zu bewältigen gilt. Das geht schon an die Grenzen des Normalen, des Zumutbaren. Gerade in solchen Phasen wird es sehr viele Hindernisse und Aufgaben zu bewältigen geben. Wir sollten einfach weiter unseren Weg gehen. Wir haben einen breiten und guten Kader, wir werden jeden Tag besser, von daher glaube ich, dass es uns nichts bringt, uns mit etwas zu beschäftigen, das in weiter Ferne liegt. Wir haben jetzt erst das Spiel am Mittwoch und dann nehmen wir das, was kommt, Platz drei, die Verfolgerrolle, an. In der Formel 1 starten wir aus der zweiten Reihe und gucken einfach, was die beiden vor uns machen, ob die ein paar Probleme haben oder auch einen Reifenwechsel machen müssen, wo wir es nutzen können. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg, damit will ich mich jetzt noch gar nicht beschäftigen, die Situation ist, wie sie ist, und die ist nicht schlecht und nach dem ersten Teil der Saison auch gerechtfertigt.“ Anders als seine stark belasteten Spieler benötige Kurtagic selbst gar keine Pause: „Wir hatten ja eine sehr lange Pause von März bis Juli. Ich fühle mich fit, werde zwei, drei Tage mit meiner Frau genießen und mich dann auf die Vorbereitung freuen. Es werden bei mir auch keine zehn Tage ohne Handball werden, es wird viel Videostudium sein und die Erkenntnisse nehme ich dann mit.“ Mit in die Vorbereitung im Januar, in der der TuS die Grundlagen für eine erfolgreiche Vollgas-Aufholjagd nach der WM-Pause legen will.

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