Schiedsrichter sorgen beim Heimsieg des TuS N-Lübbecke für Verwunderung

Zeitstrafen wie bei einer „Prügelei“

Lübbecke

Hart ja, aber nicht unfair: Der TuS N-Lübbecke und der TV Großwallstadt lieferten sich in der Merkur Arena ein intensives Zweitliga-Duell mit packenden Zweikämpfen. Handball, wie man ihn sich wünscht.

Alexander Grohmann

Erhöhter Redebedarf: TuS-Coach Emir Kurtagic (links) diskutiert mit Darnel Jansen (Mitte). Die beiden jungen Schiedsrichter verteilten in einem harten, aber nicht unfairen Spiel gleich 14 Zeitstrafen. „Man könnte meinen, wir hätten uns hier geprügelt“, so Kurtagic. Foto: Oliver Krato

Die Schiedsrichter sahen es etwas anders: Darnel Jansen und Lucas Hellbusch (Trebur/Geinsheim) verteilten 14 Zeitstrafen, davon allein neun gegen den Gastgeber. „Man könnte meinen, wir hätten uns hier geprügelt. Ich fand das Spiel aber extrem fair“, sagte TuS-Coach Emir Kurtagic nach dem souveränen 31:25-Erfolg seiner Mannschaft mit einem kritischen Unterton.

Los ging es mit der Zeitstrafen-Flut schon nach 48 Sekunden: Lutz Heiny hinderte den Großwallstädter Kreisläufer am Abschluss und musste umgehend auf die Bank. Auf ein „Abtasten“ verzichteten die jungen Unparteiischen, die dem EHF-Young Referee Project angehören, und gaben damit ihre weitere Linie vor. Es folgten bis zur Pause sechs weitere Hinausstellungen auf Lübbecker Seite. Bitter: Mit Marko Bagaric und Leos Petrovsky war der Mittelblock zu diesem Zeitpunkt schon doppelt vorbelastet. „Nein!“, rief Petrovsky entgeistert, als er nach einem Allerwelts-Tackling erstmals auf die Bank musste (21.).

Da war der Arbeitstag gelaufen: Lucas Hellbusch schickt Lübbeckes Abwehrchef Marko Bagaric in der 39. Minute mit der dritten Zeitstrafe auf die Tribüne. Die Lübbecker konnten den Ausfall aber kompensieren und behielten auf dem Parkett die Ruhe. Foto: Oliver Krato

Die Disqualifikation von Abwehrchef Bagaric (39.) nach der dritten Zeitstrafe war nach der Pause kaum noch eine Überraschung. Der TuS konnte den Verlust aber auch dank Yannick Dräger auffangen: Nach mehrwöchiger, krankheitsbedingter Abstinenz stürzte sich der Kreisläufer sofort ins Getümmel, als wäre er nie weg gewesen. „Yannick hat das klasse gemacht“, lobte der Sportliche Leiter Rolf Hermann den „Comebacker des Tages“. Dräger schweißte den Innenblock mit Petrovsky und dem jungen Marek Nissen wieder zusammen. „Die vier Jungs hinten sind super eingespielt. Und mit Valle Spohn hatten wir noch ein weiteres Ass im Ärmel“, sagte Kurtagic über seine imposante Zentrale, die vor einem weiter in Bestform agierenden Aljosa Rezar im Tor immer mehr zur Grundlage für den Erfolg wird.

So fiel die Schiedsrichter-Leistung nicht ins Gewicht, zumal die Referees auch die Gäste mit einigen Entscheidungen zur Weißglut trieben. „Die sind heute noch schlechter als wir“, wetterte Wolfgang Schüßler, Kult-Betreuer bei den Süddeutschen, Mitte der zweiten Halbzeit. Lutz Heiny nahm das Gespann nach dem Spiel aber in Schutz: „Natürlich gab es ein paar Pfiffe. Ich will an den Beiden aber kein Haar krümmen. Sie betreiben auch einen hohen Aufwand, um bei den Spielen zu sein. Ohne sie geht‘s nicht“, brach der Rückraumspieler eine Lanze für die Zunft. Und auch Kurtagic räumte ein, dass nicht jede Zeitstrafe unberechtigt war. „Es gab einige blöde Aktionen, wo wir es auch forciert haben.“

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