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Handball: Zweitliga-Spitzenspiel in Gummersbach

Zurück zu den Wurzeln

Lübbecke (WB).

Weihnachten ist vorbei, die Zeit für Geschenke damit auch. Am Tag nach Weihnachten will sich Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke das schönste „Geschenk“ selbst erarbeiten: Mit einem Sieg beim Aufstiegsfavoriten VfL Gummersbach könnte sich der TuS zum Jahreswechsel in der Spitzengruppe festsetzen.

Ingo Notz

Emir Kurtagic kehrt mit dem TuS N-Lübbecke in seine alte Heimat Gummersbach zurück. Foto: Oliver Krato

Weihnachten ist vorbei, die Zeit für Geschenke damit auch. Am Tag nach Weihnachten will sich Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke das schönste „Geschenk“ daher selbst erarbeiten: Mit einem Sieg beim Aufstiegsfavoriten VfL Gummersbach könnte sich der TuS zum Jahreswechsel in der Spitzengruppe festsetzen.

Fast ein Vierteljahrhundert ist Emir Kurtagic in Gummerbach zuhause gewesen. Als Spieler wurde er dort groß, als Jugendtrainer und Co-Coach von Sead Hasanefendic noch größer, um schließlich selbst als Cheftrainer in der Ersten Bundesliga in die Verantwortung zu rücken. Es war der Start einer Trainerkarriere, die ihn jetzt zum VfL Gummersbach zurückführt. Als Trainer des nächsten Gegners der Oberbergischen. Mit dem TuS N-Lübbecke trifft er auf seine eigene Vergangenheit, von der noch ein beträchtliches Stück Teil der Gummersbacher Gegenwart ist. Einige Spieler des aktuellen Kaders wie Matthias Puhle oder Rechtsaußen Tobias Schröter oder der heutige VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler haben auch schon unter Emir Kurtagic trainiert, kaum einen Gegnerverein kennt Kurtagic so gut wie den VfL. „Das ist nach Bosnien meine zweite Heimat geworden, das war ein großer Abschnitt meines Lebens, den ich dort verbracht habe. Das ist jetzt aber auch schon wieder ein paar Jahre weg, aber ich habe viele gute Erinnerungen an diese Zeit, so wie ich überhaupt immer versuche, positive Erinnerungen mit den Ländern und Städten zu verbinden, in denen ich war. Ich habe auch immer noch ein paar wirklich gute Freunde da. In letzter Zeit habe ich allerdings weniger Ausflüge dorthin gemacht.“

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

Bis 2017 hat Emir Kurtagic in Gummersbach gelebt, ehe er mit seiner Familie nach Hüttenberg und schließlich vor eineinhalb Jahren nach Lübbecke gezogen ist. Der Kontakt in die alte Heimat ist geblieben. Allerdings ist dieser Umstand nichts, wovon sich Emir Kurtagic vor seiner Rückkehr ins Oberbergische vom Wesentlichen ablenken lassen würde: „Sonntag sind nur die 60 Minuten wichtig und dass wir da ein gutes Spiel machen. Wir werden alles für den TuS geben und da ist dann wenig Platz für Sentimentalitäten oder Gefühle.“ Das gilt umgekehrt auch für die beiden Spieler des TuS, die eine Gummersbacher Vergangenheit haben: Florian Baumgärtner ist wegen seiner langwierigen Verletzung derzeit eh kein Thema, ungleich wichtiger könnte bei der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte dagegen Keeper Aljosa Rezar werden, der zusammen mit seinen Vorderleuten die Basis für ein gutes Ergebnis legen soll: „Es ist eindeutig so, dass beide Mannschaften auf eine stabile Abwehr und Torhüter bauen“, sieht Emir Kurtagic sowohl im Oberbergischen als auch am Wiehengebirge die Felsen in der Defensive als entscheidende Grundlagen für den mannschaftlichen Gesamterfolg. Der größte Unterschied zwischen den beiden Spitzenmannschaften? Gummersbach sei in den ersten Sieben vielleicht in der Spitze etwas besser aufgestellt, Lübbecke überzeuge dafür mit einer größeren Breite. „Die erste Sieben in Gummersbach ist top besetzt, da ist jeder gefährlich, da kann jeder Spieler ein Spiel entscheiden. Das Spiel wird zeigen, ob sich das durchsetzen wird oder das größere Kollektiv bei uns! In der Spitze ist Gummersbach top, in der Breite sehe ich meine Mannschaft besser aufgestellt“, sieht Kurtagic einen markanten Unterschied zwischen den beiden Kadern. „Gummersbach hat eine gute Abwehr, aggressiv und robust, aber die haben wir auch. Am Ende des Tages wird es darauf ankommen, dass wir gut sind, dann werden wir uns die Punkte holen. Wir spielen bisher eine sehr gute Saison, haben ein paar Punkte liegen gelassen, warum, das ist jetzt egal. Wir haben jetzt das Spitzenspiel der Zweiten Liga und das werden wir mit großer Freude angehen!“

Julius Fanger (VfL Gummersbach)

Gummersbach geht dabei zwar selbstbewusst, aber auch mit großem Respekt vor dem TuS in die Partie: „Lübbecke hat eine sehr erfahrene und eingespielte Mannschaft, die auch viele ehemalige Bundesligaspieler hat! Sie haben einen wurfstarken Rückraum, den es zu verteidigen gilt“, weiß Gummersbachs Youngster Julius Fanger. Dessen Team hat eine noch größere Siegesserie als der TuS aufzuweisen und geht entsprechend selbstbewusst ins Spitzenspiel, will aber auch die beim Sieg gegen Bietigheim gezeigten Schwächen gegen Lübbecke abstellen: „Wir haben eine gute Abwehr gespielt, mit zwei überragenden Torhütern dahinter und im Angriff haben wir immer die richtigen Lösungen gehabt. Trotzdem machen wir immer noch zu viele technische Fehler, die wollen wir gegen Lübbecke vermeiden.“

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

Vor der bisherigen Saisonleistung des selbsterklärten Aufstiegskandidaten aus Gummersbach kann Kurtagic umgekehrt auch nur den Hut ziehen: „Gummersbach hat bisher eine sehr gute Saison gespielt, war zwei, drei Mal auf der Kippe, hat es aber immer gedreht. In der Spitze ist es die bestbesetzte Mannschaft der Liga.“ Die bisher nur einmal bei der Niederlage gegen den ASV Hamm Punkte abgegeben hat und daher mit vier Minusmarken weniger auf dem Konto als der TuS und in der eigenen alle mit leichten Vorteilen in das Duell der Verfolger von Spitzenreiter HSV Hamburg geht, der allerdings auch schon zwei Partien mehr absolviert hat als seine beiden derzeit besten Verfolger. Eine Vorentscheidung im Rennen um die Aufstiegsplätze zur Ersten Liga falle im direkten Duell der beiden Teams aber so oder so noch nicht, ist sich Emir Kurtagic sicher: „Wir haben erst das zwölfte Spiel, das ist ein Drittel der Saison, zwei Drittel haben wir noch vor uns, aber natürlich ist es ein wichtiges Spiel. Wenn wir gewinnen, sind wir mittendrin!“

Gute Nachrichten gab es am Tag vor dem Gipfeltreffen nach den obligatorischen Corona-Tests: Während das Samstagsspiel des letzten Lübbecker Gegners TV Emsdetten drei Tage nach dem Duell mit dem TuS wegen eines Coronafalls abgesagt worden ist, sind bei den TuSN-L-Stars alle Tests gut für die Spieler ausgefallen. Entsprechend kann Emir Kurtagic mit der ganzen Mannschaft die Reise ins Oberbergische antreten. Zurück in die eigene Vergangenheit und bereiter denn je, mit dem TuS, seiner neuen Heimat, an alter Wirkungsstätte in die Zukunft durchzustarten.

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