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Ultralauf: Frank Ewen (Delbrück läuft) kommt nach 15 Stunden als Zweiter ins Ziel

100 Meilen entlang der Berliner Mauer

Delbrück/Berlin (WB). Toller Erfolg für Frank Ewen vom Verein »Delbrück läuft«. Er belegte beim Mauerweglauf in Berlin den zweiten Platz. Ewen benötigte für die 100 Meilen (161,3 Kilometer) 15:20 Stunden. Sieger wurde Sascha Dehling (LG Mauerlauf) der nach 14:37 Stunden ins Ziel kam. Start und Ziel war der Ludwig-Jahn-Sportpark.

Mit Medaillen: Frank Ewen belegte beim 100 Meilen-Lauf Platz zwei. Foto:

Die Veranstaltung wird seit 2011 immer am ersten Wochenende nach dem Tag des Mauerbaus (13. August 1961) durchgeführt. Maximal 500 Startplätze werden vergeben, 454 (366 Männer, 88 Frauen) Läufer gingen diesmal auf die Strecke, die einige Besonderheiten hat. So wird zum Beispiel nichts abgesperrt. Die Läufer müssen sich an die bestehenden Verkehrsregeln halten, bei roten Ampeln anhalten und auf Grün warten. »Mit fortschreitenden Kilometern wird es nicht leichter, ständig anzuhalten und wieder anzulaufen. Aber wer sich nicht an die Verkehrsregeln hält, wird disqualifiziert«, sagt Ewen. Wie schwer die Strecke ist, zeigt auch diese Zahl: Nur 77 Prozent (282 Männer, 68 Frauen) sind am Ende auch im Ziel angekommen.

Wer es schafft, durchläuft fast in Gänze den früheren Patrouillenweg der DDR-Grenztruppen. Entlang des Kurses erinnern orange Säulen an die mindestens 138 Maueropfer. Der Lauf geht weite Teile über Asphalt, es gibt aber auch trailige und sandige Abschnitte. In der Mitte Berlins ist es laut, an den grünen Randbezirken ruhig. »Mehr Abwechslung geht nicht«, sagt Ewen.

Um 6 Uhr ging es los

Für Ewen ging es um 6 Uhr im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark am Prenzlauer Berg los. Bei Kilometer 52 stieg Maren Schnittker mit einem Fahrrad als Begleitung ein. Schnittker kommt gebürtig aus Delbrück und lebt derzeit in Berlin. Die Studentin hat während des Laufs zum einem Ewen motiviert, die zahlreichen Anfeuerungs-Nachrichten von Freunden, Familie und Bekannten weitergeleitet und – was nicht zu unterschätzen ist – die Versorgung während des Laufs übernommen. Ewen musste an keiner Verpflegungsstation anhalten, sondern konnte immer direkt durchlaufen. »Ein dickes Danke. Ohne diesen Support wäre das Ergebnis nicht möglich gewesen«, sagt Ewen. Maren Schnittker war am Ende stolze 110 Kilometer mit dem Rad unterwegs, eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Tagesleistung.

Nach zwölf Stunden stieg für die Veranstaltung das Zeittracking aus, so dass die Positionen der Läufer bis zum Ziel nicht mehr aktualisiert wurden. Niemand im Feld wusste nun, wie weit die folgenden Läufer entfernt waren. Ewen blieb nur: laufen und hoffen.

Auf den letzten Kilometern kam noch mal Leben auf die Strecke mitten durch Berlin, vorbei am Checkpoint Charlie, dem Brandenburger Tor, Regierungsviertel und East Side Gallery. Dort waren natürlich viele Menschen unterwegs, ein ungehindertes Laufen auf dem Bürgersteig war nur schwer möglich ist, hinzu kamen die vielen roten Ampeln. Als Ewen nach mehr als 15 Stunden die letzte Stadionrunde im Ziel Ludwig-Jahn-Jahnsportpark « drehte, war er stehend k.o., »aber total glücklich«.

Der Lauf an der ehemaligen Grenze um das ehemalige West-Berlin findet des Jahr auch in Gedenken an die Maueropfer statt. Dieses Jahr wurde bei Kilometer 55 Dieter Wohlfahrt gedacht. Der in West-Berlin lebende 20-Jährige war Fluchthelfer und wurde 1961 bei einer Fluchthilfe an der Mauer erschossen.

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