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Wahl des Vorsitzenden entscheidet über Einführung der eingleisigen A-Liga

Ape oder Kartum?

Paderborn (WB). Noch nie war die Spannung vor einem ordentlichen Kreistag des FLVW so groß wie bei der Paderborner Veranstaltung heute Abend (Beginn 19 Uhr) im Kongresssaal der Wewelsburg. Es geht – nicht zum ersten Mal – um die Zusammenlegung der beiden A-Ligen. Die Eingleisigkeit spaltet den Fußball- und Leichtathletikkreis (47.944 Mitglieder) und sorgt schon länger für Zoff. Jetzt hängt sogar die Besetzung der Führungsspitze davon ab.

Peter Klute

Der Geseker Dietmar Ape trat 2016 die Nachfolge des verstorbenen Siegfried Hornig als Kreisvorsitzender an. Foto: Besim Mazhiqi

Ein Mann, ein Wort. Sollte der Kreisvorstand um den Vorsitzenden Dietmar Ape weiter auf die Einführung der eingleisigen Kreisliga A bestehen, so hat die Fuß-ballinitiave »Mitbestimmung« angekündigt, in Person von Verani Kartum (SC Aleviten) einen Gegenkandidaten aufzustellen. Das hat es – wenn überhaupt – lange nicht gegeben, ändert aber nichts an Apes Einstellung. »Null«, lautet die unmissverständliche Aussage des 63-Jährigen. Das bedeutet für die geheime Abstimmung (einfache Mehrheit genügt) der möglichen 148 Delegierten: Wird Ape gewählt, kommt nach einer Qualifikationssaison 2019/20 im Sommer 2020 die eingleisige Kreisliga A mit einem noch nicht feststehenden Unterbau. Fällt die Wahl zugunsten Kartums aus, bleibt alles beim Alten.

Dietmar Ape

Ape macht aus seiner Gefühlslage keinen Hehl: »Ich bin enttäuscht, frustriert, fühle mich falsch verstanden und nicht wahrgenommen. Unsere Argumente finden einfach kein Gehör. Ich bin seit 1986 als Funktionär auf Verbands- und Kreisebene tätig, aber so eine Kritik, die unter die Gürtellinie geht, habe ich noch nie erlebt. Das ist unfair und unsachlich. Damit habe ich nie gerechnet.« Er und seine Mitstreiter seien von Mitgliedern der »Mitbestimmung« in den sozialen Netzwerken beleidigt und Sachverhalte falsch dargestellt worden. »Da geht es um Beugerecht und Diktatur. Die A-Liga wird zum Statussymbol. Ich habe Verständnis für jede andere Meinung, aber das hängt einem schon nach«, sagt Ape. Doch aufgeben will der Geseker nicht: »Ich bin ja nicht alleine und habe tolle Mitstreiter. Mit dem Makel des Totengräbers muss ich wohl leben, aber ein Rücktritt kommt für mich nicht in Frage.«

Die jüngste, unverbindliche Abstimmung beim Kreistag am 7. Februar ergab eine knappe Mehrheit gegen die Einführung einer eingleisigen A-Liga. Schon 2015 hatte es ein Veto der Vereine gegeben. »Es gibt hier keine eindeutige Mehrheit und ich kann nicht in eine Glaskugel sehen. Aber ich habe die Überzeugung, dass die Vereine mir das Vertrauen geben, um weiterzumachen«, sagt Ape.

Verani Kartum

Geht es nach Verani Kartum, wird genau das nicht passieren. »Die Art und Weise, wie sich der Kreisvorstand verhält, hat mit Demokratie nichts zu tun. Dass der Kreistag nicht-öffentlich abläuft, erschreckt viele Vereine. Ich weiß nicht, worum es denen geht mit ihren Drohgebärden. Das ist Blödsinn«, sagt der 49-Jährige. Während Ape betont, »dass seit dem 7. Februar niemand mit mir gesprochen hat«, dreht Kartum den Spieß um und behauptet: »Der Kreisvorstand blockiert uns und hat den Kontakt abgebrochen.«

Es geht um persönliche Eitelkeiten

Die Schlammschlacht ist eröffnet. Es geht um persönliche Eitelkeiten und längst nicht mehr um das, um was es eigentlich gehen sollte: den Fußball im Kreis Paderborn. Seit der Fusion der Sportkreise Paderborn und Büren 2013 plädiert Ape für die eingleisige A-Liga, sieht den Kreis ansonsten nicht konkurrenzfähig und sagt: »Vor sechs Jahren hatten wir 133 Vereine, jetzt sind es 116 und das Abmelden wird weitergehen. Bekommen wir die eingleisige A-Liga nicht, wird der Stellenwert unseres Kreises weiter sinken, denn wir werden nicht mehr als 1,5 Aufsteiger bekommen. Zudem wird das Terminproblem immer größer.« Die Gegner der eingleisigen A-Ligen, die es beispielsweise in Höxter schon seit Jahren gibt, kommen vorwiegend aus den unteren Ligen und dem alten, sportlich nicht so starken Sportkreis Büren. »Man muss nicht nur an den Leistungssport, sondern vor allem an die Hobbyspieler und den Nachwuchs denken. Wenn wir unsere soziale Aufgabe nicht erfüllen und den Druck weiter erhöhen, werden sich die Abmeldezahlen noch verschärfen«, hält Kartum dagegen.

Großteil des jetzigen Vorstandes stünde unter Kartum nicht zur Verfügung

Nur in einem sind sich die Streithähne einig. »Es wird weiter Fußball gespielt, das hängt nicht von einem ab«, sagt Kartum, und Ape erklärt: »Es geht nicht um den Vorsitzenden, es geht um einen funktionierenden Kreisvorstand.« Für den steht Ape mit seiner noch amtierenden Mannschaft, die bis auf den scheidenden Fußball-Obmann Lothar Tebbe zusammenbliebe. Tebbes Posten soll Gero Wittkemper vom SC Ostenland (bisher Beauftragter für Qualifizierung) ausfüllen. Kartum geht davon aus, im Falle einer Wahl Apes Personal zu übernehmen, doch ein Großteil des aktuellen Vorstandes, inklusive des erst vor einer Woche wiedergewählten Jugendobmanns Christian Kroker, stünde unter ihm als Vorsitzenden wohl nicht zur Verfügung. Es scheint so, als ginge es heute nicht nur um die Einteilung von Spielklassen, sondern um die Zukunft des Fußballkreises.

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