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Meine Corona-Zeit, Folge 3: Jason Irmscher, Headcoach der Paderborn Dolphins, vermisst das gemeinsame Training

„Aushalten – und durchstarten“

Paderborn.

Der Ball ruht im Amateur- und Freizeitsport. Die Corona-Zwangspause schenkt den Menschen unfreiwillig Zeit. Folge drei unserer neuen Serie gehört Jason Irmscher, Vizepräsident, Geschäftsführer und Headcoach der Paderborn Dolphins.

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Lieblingsplatz Büro: Headcoach Jason Irmscher fühlt sich in der Geschäftsstelle der Paderborn Dolphins sauwohl.. Foto:

Die Schläger verstauben, die Spikes hängen am Nagel, die Schwimmsachen vertrocknen. Ein (auch persönlicher) Prozess zur Erneuerung hat eingesetzt. Wie achtsam gehen die Sportler des Kreises mit diesem Chancen-Gut um?

Wie nah ist Ihnen das Virus bislang gekommen?

Jason Irmscher: Gott sei Dank noch nicht sehr nah. Unser Team und ich hatten bis jetzt noch nichts mit dem Virus zu tun, worüber wir auch sehr froh sind.

Was überwiegt bei Ihnen gerade: Vertrauen und Gelassenheit oder Unzufriedenheit und Frust?

Irmscher: Ich würde sagen, ein Mix aus allem. Ich vertraue unserer Regierung, dass Sie das richtige macht, und bin gelassen, da ich in meiner Arbeit aktuell außer den ausfallenden Trainingseinheiten auf dem Platz nicht beeinflusst werde. Langsam jucken aber die Finger und Füße, da wir auf den Platz wollen, um zu arbeiten. Es entsteht leichter Frust, da ich schon dreimal meine gesamte Wohnung und mein Büro aufgeräumt habe...

Der Amateursport ruht. Ist er Ihrer Meinung nach ein Teil des Problems oder ein Teil der Lösung?

Irmscher: Ich denke, da trennen sich die Meinungen. Ich persönlich finde es schade, dass wir nichts machen können. Aber ich denke, wenn wir aktuell alle die Füße stillhalten und es „aushalten“, können wir stärker wieder durchstarten. Unser Vorteil ist, dass wir zwei Spiele in diesem Jahr hatten und dass wir uns mit dem OWL-Bowl gegen Lippstadt von unseren Fans verabschieden konnten.

Wenn Sie für einen Tag Bundeskanzler sein dürften, was würden Sie für diesen einen Tag im Sinne der Nation ändern?

Irmscher: American Football zur Sportart der Nation machen! Diese Entscheidung würde viele glücklich machen - und mich auch (lacht)...

Was tun sie und wo tun sie es, um ihre körperliche oder auch geistige Fitness auf Trab zu halten?

Irmscher: Ich habe das Glück, mir durch unseren Athletik-Trainer Max Wils etwas Equipment leihen zu dürfen und habe dies in der Garage meines Elternhauses platziert. Davon wissen die nichts, also wird die Überraschung zu Weihnachten sehr groß sein. Meine geistige Fitness halte ich mit Büchern, Podcasts und dem Austausch mit Trainern und Spielern auf dem Level. Wir haben häufig digitale Meetings über Zoom, um auf der Höhe zu bleiben und uns auszutauschen.

Welt verändert sich, Gewohnheiten werden erschüttert. Hat diese Extremsituation Ihr Lebensgefühl, Ihre Wahrnehmung, Ihr Denken verändert?

Irmscher: Für mich persönlich hat sich nicht viel geändert, außer dass die Maske mein täglicher Begleiter geworden ist. Ich stehe morgens auf, trinke einen Kaffee, lese meine E-Mails, arbeite alles ab, gehe zum Training, gehe mit dem Hund spazieren und fahre ins Büro. Das Einzige, was fehlt, sind die Trainingseinheiten mit dem Team auf dem Platz, aber sonst bin ich in keinerlei Hinsicht beeinträchtigt worden.

Was ist Ihr Lieblingsort, um aufzutanken?

Irmscher: Mein Büro im Hermann-Löns-Stadion. Ich weiß nicht, warum, aber wenn ich dort bin, fühle ich mich wohl. Ich arbeite gerne in diesem Verein und verspüre keinen Tag in der Woche, als würde ich wirklich „arbeiten“. Sonst bin ich gern in Spanien im Haus meiner Eltern.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Irmscher: „The Score Takes care of itself“ von Bill Walsh und „Coaching the Defensive Line“ von Fritz Shurmur.

Sehnen Sie die ,,Normalität‘‘ der Vor-Corona-Zeit herbei oder ist Ihnen bewusst, dass es diese Normalität nicht mehr geben wird?

Irmscher: Inwieweit es „normal“ wird, bezweifele ich zu äußern. Ich wünsche mir einfach nur, wieder meine Jungs zu sehen und mit ihnen auf den Platz zu gehen; egal in welcher Form. Mir fehlt es, mit den Spielern zu arbeiten und sie gelegentlich sprinten zu lassen (lacht). Ich denke, wenn wir diese Pandemie in den Griff bekommen, werden wir auch wieder „normaler“ in den Alltag gehen können. Aber das Wichtigste ist, dass wir unsere Mitmenschen beschützen, die durch dieses Virus in Gefahr geraten können.

Was möchten Sie dem Coronavirus sagen?

Irmscher: Jetzt ist gut! Wir haben es verstanden. Aber manchmal ist auch Zeit zu gehen, wenn es am schönsten ist.

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