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Jendrick Speer, Headcoach des Bundesligisten Untouchables Paderborn, im Gespräch

„Der Sport muss hintenanstehen“

Paderborn (WB/jm). Eigentlich sollte die Punktrunde der 1. Baseball-Bundesliga Nord längst laufen. An diesem Sonntag wären die Untouchables Paderborn bei den Solingen Alligators in den Spielbetrieb eingestiegen.

Corona-Schutzmaßnahmen sinnvoll: U’s-Headcoach Jendrick Speer (Mitte). Foto: Jörg Manthey

Stattdessen ist der Saisonbeginn in den DBV-Ligen bis auf Weiteres ausgesetzt worden. Der Trainingsbetrieb hat nun bis einschließlich 3. Mai zu ruhen. Bundesregierung und Länder haben sich verständigt, am 30. April über das weitere Vorgehen danach zu beraten und zu entscheiden. Das Präsidium des Deutschen Baseball-Verbandes und der Ausschuss für Wettkampfsport werden im Anschluss in Telefonkonferenzen die Beschlüsse bewerten. Sportredakteur Jörg Manthey unterhielt sich mit Untouchables-Headcoach Jendrick Speer.

Corona-Krise und kein Ende in Sicht. Wie geht es Ihnen in dieser Zeit?

Jendrick Speer: Es ist eine absolute Ausnahmesituation. Die ganzen Umstände sind sehr schwierig. Seit Wochen haben wir das schönste Baseballwetter, dürfen aber nicht. Wir hatten eine starke Winter-Vorbereitung. Corona macht uns einen dicken Strich durch die Rechnung. Wir hätten gerne das neue Flutlicht angemacht. Das Freunde treffen, die Kameradschaft fehlen. Manche Spieler sind frustriert, das ist verständlich.

Wie empfinden Sie die von der Regierung getroffenen Maßnahmen? Übertrieben oder korrekt?

Speer: Auch wenn es sich anfühlt, als ob es weitergeht; wir stecken mittendrin in der Pandemie. Vorsicht bleibt also geboten. Insofern ist ein konsequentes Durchgreifen richtig und sinnvoll. Auf der einen Seite kämpfen Ärzte und Krankenschwestern um das Überleben von Menschen, und wir machen uns Sorgen um unseren Sport. Das passt nicht. Allerdings finde ich, wir sollten unterscheiden zwischen Saison und Trainingsbetrieb. Es sollte uns ermöglicht werden, unter gewissen Auflagen zumindest in Kleingruppen zu arbeiten. Den Leuten fehlt der normale Ablauf. Wenn du die ganze Zeit keinen Baseball spielst, kommen wir irgendwann auch in einen Bereich, da nimmt das Verletzungsrisiko zu.

Andere Vereine haben ihre Kader mit externen Spielern erheblich bestückt. Bei den Untouchables war es sehr ruhig...

Speer: Unsere Schiene ist, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Wenn wir Lücken und Defizite sehen, verstärken wir uns von außerhalb. Es sind Kontakte vorhanden, aber Gespräche liegen auf Eis.

Glauben Sie, dass die Saison irgendwann wirklich beginnen kann, oder haben Sie sich schon moralisch auf den schlimmsten Fall eingestellt?

Speer: Ich hoffe, dass es weitergeht. Aber die Option einer Saisonabsage ist nicht unwahrscheinlich, so lange es keinen Impfstoff gibt. Angenommen, wir haben ein Spiel in Köln, wie kommen wir dorthin? Mit einem 20-er Bus, wie sonst? Darf man das? Will man das? Steckt sich nur einer an, kommen alle in Quarantäne. Ich bin da konservativ: In der Not muss der Sport eben hintenanstehen.

Ziehen Sie für sich Lehren aus der Corona-Zwangspause?

Speer: Ich mag das Wort entschleunigen eigentlich nicht. Aber es ist so: Man kommt runter. Werte offenbaren sich, auf die man sonst nicht so geachtet hat. Ich denke, das geht vielen so. Ich nutze die Zeit, um mit meinen Kindern zu trainieren.

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