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Philipp Hartkämper aus Delbrück ist mit dem Team Ostwestfalen-Lippe Deutscher Automobil-Slalommeister

Der Tanz um die Pylonen

Delbrück

Klar, die Formel 1 ist die Königsklasse des Motorsports. Doch auch abseits dieses Hochplateaus gibt es im Kampf gegen die Uhr virtuose und weit volksnähere Disziplinen. Davon kann Philipp Hartkämper (27) aus Delbrück, der „natürlich“ Michael Schumacher als Idol angibt, ein Lied singen.

Jörg Manthey

200 PS: Mit seinem Golf GTI (Baujahr 1983) ist Philipp Hartkämper zum dritten Mal nach 2017 und 2018 Deutscher Teammeister geworden.

Der Mann hat Benzin im Blut und ist in der nationalen Slalom-Elite eine etablierte Größe. Automobilslalom ist ein mitreißender Tanz um die Pylonen.

Vor kurzem hat Heitkämper mit dem Team Ostwestfalen-Lippe (dazu gehörten noch Marcel Hellberg, Dirk Schäfertöns, Nick Kollmeier und Jens Völker) nach 13 durchgeführten Läufen binnen fünf Wochen die Deutsche Team-Meisterschaft gewonnen. Nicht zum ersten Mal. Auch 2017 und 2018 war er mit dem Team OWL die Nummer eins im Autoslalom. „Wir sind super ausgeglichene Fahrer“, erklärt der Maschinenbauer die Erfolgsgeschichte. „Da ist so viel Erfahrung vereint. Jeder weiß, worauf es ankommt.“ Auch in der Einzelwertung dieses Prädikats, gewonnen vom Kollegen Marcel Hellberg, stand Hartkämper auf dem Podest: Dritter.

Der Delbrücker, seit 2017 für den AC Brilon unterwegs, genießt diesen unvergleichlichen Kick, seinen Golf GTI (Baujahr 1983) mit 200 PS und breiter Slickbereifung von zehn Zoll im Grenzbereich bewegen zu dürfen. „Die Herausforderung ist, das Bestmögliche aus dem Auto herauszuholen“, erklärt er. „Du musst mit dem ersten Trainingslauf direkt da sein, voll konzentriert, musst die Strecke, die Linienführung verstehen, ein perfektes Gespür für die Geschwindigkeit entwickeln. Sich irgendwann einzugrooven, das geht nicht. Alles muss sofort sitzen. Du musst abliefern!“

Automobilslalom ist auch ein Duell gegen physikalische Grenzen, gegen die Fliehkräfte. Ein Duell, in dem Zentimeter über Sieg und Niederlage entscheiden, Bruchteile von Sekunden. Die orange-weiß geringelten Verkehrshütchen zeigen die Parcoursrinne an. Um da schnell und präzise durchzukommen, braucht es Ästheten, die ihr Fahrzeug auch bei hoher Geschwindigkeit vollkommen beherrschen. Wird bei diesem Einzelzeitfahren auch nur eine Pylone umgeworfen, gibt‘s drei Strafsekunden.

So ist das Einprägen des Parcours‘ bei der Besichtigung wesentlich. Auf Sicht zu fahren, brauchst du bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 175 „Sachen“ gar nicht erst in Erwägung zu ziehen. Faktoren wie das Einschlagen des Lenkrads, der Bremspunkt und die Linienwahl sind entscheidend. Der ADAC Ostwestfalen-Lippe würdigte seinen erfolgreichen Fahrer unter anderem als „Automobilsportler des Jahres 2017“. Philipp Hartkämper hat in seiner Laufbahn, die 2004 beim Jugend-Kartslalom als Mitglied des MSC Thüle begann, mehr als 300 Pokale gesammelt. „Die stehen hoch genug. Den Staub sieht man von unten nicht“, grinst er.

Irgendwann war der Bursche, der heute 1,90 Meter misst, schlicht zu groß fürs Kart. „Ich habe mich im Sitz verkrampft und nicht mehr wohlgefühlt. Es hat weh getan; die Knie zu hoch, der Schwerpunkt zu hoch. Für eine schmale Mark haben wir dann damals einen Scirocco 2 gekauft und umgebaut“, erzählt Hartkämper. Die Basis für den Umstieg in den Clubslalom. Mit „Wir“ meint er Vater Franz-Josef, der auch heute noch immer mit dabei ist. „Er ist oft aufgeregter als ich und fiebert heftig mit.“

2013 ergänzte ein Golf 1 den Fahrzeugpark der Hartkämpers. Das Vater-Sohn-Gespann baute mit technischem Sachverstand die ganze Scirocco-Technik in das neue Auto ein, mit dem Philipp Hartkämper 2014 die große nationale Bühne betreten sollte. „Beim ersten Rennen in Meschede habe ich gleich beide Läufe gewonnen.“ Prompt erhielt er eine Anfrage von Mario Fuchs (ASC Ahrweiler), ob er in dessen neugegründetes Team Scuderia Nord wechseln wolle. „Ich habe wohl gleich einen guten Eindruck hinterlassen und das als Kompliment empfunden“, so Hartkämper, der 2014 auf Anhieb die Deutsche Slalom Team-Meisterschaft gewann. 2017 war das Team OWL wiederholt das Maß aller Slalom-Dinge, und Philipp Hartkämper entschied da auch die DM-Einzelwertung für sich. Emotional sein bislang schönster Erfolg. „Ich musste das letzte Rennen gewinnen. Als ich dann ins Ziel kam, fiel der ganze Druck von mir ab.“

Slalomfahren war für Philipp Hartkämper der ideale Einstieg in den Automobilsport. Hier trainierte und perfektionierte er seine im Kart erworbenen fahrerischen Fähigkeiten. „Ich fühle mich sehr sicher am Steuer, egal, wie die Straßenverhältnisse sind.“ Inzwischen ist der Delbrücker bereit für den nächsten Schritt. Ein 200 PS starker Scirocco 1 soll entsprechend aufgebaut werden, um an Bergrennen teilnehmen zu können. Das 53. Internationale Osnabrücker Bergrennen am „Uphöfener Berg“ ist datiert auf den 21./22. August 2021. „Das ist ein ganz anderes Feeling mit Tausenden von Zuschauern. Da will ich mal ein bisschen reinschnuppern.“

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