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FLVW-Videokonferenz: Fußball-Oberligisten fordern vor Re-Start vierwöchige Vorbereitungszeit

Der zeitliche Puffer schmilzt zusehends

Paderborn

Die Winterstarre für den Amateur- und Breitensport hält noch bis mindestens zum 7. März an. Appellen der Sportministerkonferenz für schrittweise Lockerungen zum Trotz sind keine Erleichterungen für den Sport absehbar. Nachdem die Lockdown-Verlängerung auch König Fußball immer engere Grenzen setzt, intensiviert der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) den Dialog mit den Vereinen.

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In der aufgeblähten Fußball-Oberliga Westfalen muss spätestens Mitte April der Anpfiff erfolgen, sonst ist die 50-Prozent-Wertung nicht mehr zu realisieren. Foto:

Viele Fragezeichen, viele Meinungen: Schon die erste Videokonferenz mit den Vertretern der 21 Oberligisten hat aufgezeigt, wie schwierig es ist, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Emotionaler Höhepunkt der kontrovers geführten Diskussion am Donnerstag war, dass der entnervte Trainer Christian Knappmann (Westfalia Herne) sich vorzeitig aus dem Video-Meeting verabschiedete.

Die Nerven liegen blank. Niemand unter den Spielplanern und Verbandsverantwortlichen kann die Bestimmungen der künftigen Corona-Schutzverordnungen einschätzen. Manfred Schnieders, FLVW-Vizepräsident Amateurfußball: „Wir müssen parallel mit verschiedenen Szenarien planen, deshalb hat die Diskussion mit den Oberligisten auch noch nicht viel Konkretes gebracht.“

Klar ist: Der zeitliche Puffer zum Re-Start der seit Ende Oktober unterbrochenen Saison 2020/21 schmilzt. Mithin gleichfalls die Absicht, eine Spielzeit mit Wertung, mit Auf- und Absteigern zu erreichen. Dies trifft im besonderen auf die aufgeblähte Oberliga Westfalen zu. Noch stehen zwischen zehn und 14 Begegnungen pro Mannschaft aus. Bei einem Oberliga-Restart soll es mit dem elften Spieltag weitergehen, so Staffelleiter Reinhold Spohn.

Eine frühzeitige Annullierung der Saison wird es nicht geben, um einer möglichen Klagewelle von Vereinen vorzubeugen; selbst, wenn bei allen Vereinen Einigkeit über einen Saisonabbruch herrschen würde. Dieses Thema soll erst aufgegriffen werden, wenn Mitte April nach menschlichem Ermessen absehbar ist, dass nicht mehr 50 Prozent aller Begegnungen ausgetragen werden könnten. Als absolute Deadline für den Re-Start wird der 25. April angesehen. Die FLVW-Funktionäre hatten als Orientierungsdatum den 11. April genannt, falls es die Pandemie-Lage erlaubt. Das würde beinhalten, dass die offiziell elf ausstehenden Hinrunden-Spieltage zur 50-Prozent-Wertung noch absolviert werden.

Hernes Christian Knappmann forderte in dieser Debatte vehement eine Zusage dafür, dass die Partien des restlichen Saisonteils jeweils vor 300 Zuschauern durchgeführt werden dürfen. Schnieders und Spohn traten freilich dafür ein, die Meisterschaft notfalls mit „Geisterspielen“ zu Ende bringen zu wollen.

Der Knackpunkt: Wieviel Vorbereitungszeit erachten die Vereine für nötig und sinnvoll? Hier demonstrierten die Zoom-Teilnehmer größtenteils Einigkeit: vier Wochen Vorbereitung seien ein Muss! Die Gesundheit der Spieler stehe im Vordergrund. Spohn und Schnieders zeigten für diese Sichtweise Verständnis; eine Zusage für diese Forderung blieb aber aus.

Zumal der Abend eine Kluft offenbarte. Klubs, die gegen den Abstieg oder um die „Goldene Ananas“ spielen, würden sich eine längere Vorbereitungszeit wünschen oder sich wohl auch nicht gegen einen Saisonabbruch sträuben. Die Topteams, der Kreis der Aufstiegsanwärter, votieren für eine rasche Fortsetzung der Serie. Nicht unwahrscheinlich, dass bei diesem Vorhaben Chancengleichheit auf der Strecke bleibt. Schließlich ist es unmöglich, einen identischen Zeitpunkt für alle zu bestimmen, in die Vorbereitung einzusteigen. Manfred Schnieders dazu: „Wir können nicht beeinflussen, wann welche Kommune ihre Sportanlagen wieder öffnet. In einigen Kommunen könnte das früher sein.“

Ein weiterer Diskussionspunkt war der Westfalenpokal. Der soll auf jeden Fall seine Finalisten sehen, damit der Verband westfälische Vertreter für die DFB-Pokal-Hauptrunde melden kann. Das Turnier auf Westfalenebene könne sogar beendet werden, wenn die Saison annulliert werden muss, hieß es.

Jetzt ist erstmal wieder eine Portion Geduld vonnöten. Am Dienstag, 9. März, nach dem nächsten Gipfel in Berlin, ist ein erneuter digitaler Vereinsdialog anberaumt. Weitere Videoschalten für ein schlüssiges Meinungsbild in anderen Spielklassen will der FLVW erst ansetzen, wenn Rahmenbedingungen für Trainings- und Spielbetrieb besser einzuschätzen sind. Solange kein genereller Saisonabbruch beschlossen ist, könnte es wegen unterschiedlicher Mannschaftszahlen auch dazu kommen, dass einzelne Staffeln die Vorgabe „Abschluss einer kompletten Halbserie für eine Wertung“ erreichen, andere aber nicht.

Der Hamburger Fußballverband will bei einem außerordentlichen Verbandstag am 4. März endgültig über den vorzeitigen und endgültigen Abbruch der Saison 2020/21 entscheiden. Das Präsidium schlägt dann den Abbruch vor. Dafür hatte sich die Mehrheit der Klubs bei einer Umfrage bereits entschieden.

In Niedersachsen haben sie sich ein Hintertürchen offengehalten. Dort soll die Saison notfalls über den Stichtag 30. Juni verlängert werden. Demnach könnte die Spielzeit um bis zu drei Wochen gestreckt werden, bis zum Beginn der Sommerferien (22. Juli).

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