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Squasherin Lea-Iris Murrizi spielt für den PSC und lebt im Paderborner Sportinternat

„Die beste Entscheidung meines Lebens”

Paderborn

Lea-Iris Murrizi ist im August 2020 aus dem Stuttgarter Raum nach Paderborn gekommen, um beim PSC Squash zu spielen.

wn

Stolz auf sich selbst: Internatsbewohnerin Lea-Iris Murrizi vom Paderborner Squash Club lebt hier ihren Traum. Foto:

Die Schülerin war als erstes Mädchen überhaupt in das Sportinternat Paderborn gezogen, in dem inzwischen auch eine Leichtathletik-Kollegin sowie knapp 40 Jungen zwischen 14 und 19 Jahren aus sechs verschiedenen Sportarten wohnen. Jona Greitemeier, FSJler beim PSC, sprach mehr als ein halbes Jahr nach ihrem Umzug mit der Sportlerin.

Lea, hast du dich in Paderborn schon gut eingelebt? Wie gefällt dir die Stadt?

Lea-Iris Murrizi: Das Einleben war angenehm, da die Leute hier sehr zuvorkommend und gastfreundlich sind. Ich habe schnell Anschluss gefunden und fühle mich wohl. Auch Paderborn gefällt mir sehr gut. Vor allem im Vergleich zu meinem vorherigen Wohnort Stuttgart, wo ich sechs Jahre gelebt habe. Ich denke, dass ich hier mehr hingehöre.

Wie ist es für dich, im Alter von 16 Jahren das Elternhaus zu verlassen?

Murrizi: Zu Beginn hatte ich Angst, dass ich meine Familie und mein gewohntes Umfeld vermisse. Doch der Alltag hier stimmt mich positiv und beschäftigt mich gut. Ich komme gar nicht in Situationen, in denen ich mich einsam fühlen könnte. Es ist deutlich einfacher als gedacht. Ich telefoniere auch täglich mit meiner Mutter.

Wie sieht ein typischer Tag im Internat für dich aus?

Murrizi: Um 6.30 Uhr stehe ich auf, um 7 Uhr gibt es Frühstück. Wenn wir Präsenzunterricht haben, fahre ich um 7.30 Uhr mit dem Fahrrad zur Schule, die beginnt um 7.50 Uhr. In meiner Mittagspause gehe ich den Kraftraum des Reismann-Gymnasiums, in dem ich den von Ingo Teich (Athletiktrainer am Reismann-Gymnasium, Anm. d. Redaktion) und meinem Trainer Henrik Vössing gemeinsam ausgearbeitetem Plan folge. Im Durchschnitt habe ich bis 15.30 Uhr Unterricht. Im Internat gibt es bis 16 Uhr Essen. Anschließend habe ich Zeit zum Lernen und gehe direkt danach direkt ins Training. Das war natürlich vor dem Corona-Lockdown. Jetzt ist alles anders; Stichwort Homeschooling. Wegen des derzeitigen Lockdowns lebt man hier im Haus isolierter. Eine Folge ist zum Beispiel, dass wir unser Essen auf unseren Zimmern einnehmen müssen und Gemeinschaftsabende ausgesetzt werden.

Wie ist das Internatsleben generell, vor allem als eines von zwei Mädchen unter lauter Jungs?

Murrizi: Das fällt gar nicht wirklich auf. Die Jungs sind sehr unterstützend und freundlich, ich komme gut mit ihnen klar. Eine sehr gute Seite an dem Sportinternat ist, dass man hier mit vielen Leistungssportlern zusammenwohnt. So hat man viele Menschen um sich, die einen ähnlichen Traum verfolgen und die eigene Lebenssituation gut nachvollziehen können. Dies sorgt dafür, dass man sich weniger als Einzelkämpfer fühlt, sondern ein Teamgeist aufkommt. Der motiviert jeden von uns zusätzlich.

Wie unterscheidet sich das Reismann-Gymnasium von deinen bisherigen Schulen?

Murrizi: Ein großer Vorteil ist der eigene Kraftraum, aber auch die Lehrer zeigen mehr Verständnis für den Leistungssport und passen sich an meine Situation an. Das Reismann fördert Leistungssportler und unterstützt jeden einzelnen bei seinem Weg. So werden wir für Turniere oder Trainingslager freigestellt und können Klausuren nachholen.

Hast du Fächer in der Schule, die dir besonders gut gefallen?

Murrizi: Vor allem Mathe, Physik und Kunst. Auf diese Stunden freue ich mich besonders.

Wie vereinbarst Du den zeitintensiven Leistungssport mit Schule und Freizeit?

Murrizi: Es fällt mir tatsächlich sehr viel leichter als gedacht. Ich habe viel Zeit für meine Freunde und schöne Dinge neben dem Sport. Das liegt natürlich auch am Umfeld, den kurzen Wegen zum Ahorn-Sportpark oder dem eigenen Kraftraum in der Schule. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich mich neben dem Sport auch für die Schule sehr gut motivieren kann.

Entsprechen der PSC und der Trainingsalltag hier deinen Vorstellungen?

Murrizi: Ich bin sehr zufrieden hier. Das Jugendtraining und Einzeltraining mit Hendrik sind sehr gut. Wie ich es mir auch erhofft hatte, kann ich hier öfter mit guten Damen wie Franziska Hennes trainieren. So etwas war bei meinen vorherigen Stationen nicht möglich.

Was bedeutet für dich persönlich der Titel der Deutschen U17-Meisterin?

Murrizi: Dieser Titel bedeutet mir echt viel, weil ich schon lange darauf hingearbeitet hatte. Vor zwei Jahren war ich ganz knapp davor, wurde in der U15 Vizemeisterin. Für mich hängt an so einem Titel sehr viel Herz und hartes Training dran.

Möchtest Du Squash mal zu deinem Beruf machen?

Murrizi: Das ist mein Ziel. Ich denke, ich kann es schaffen, mich in die Top 20 der Weltrangliste zu trainieren. Danach muss man schauen.

Was wäre die Alternative?

Murrizi: Ich kann mir gut vorstellen, Studienfächer im Bereich Mathe und Physik zu wählen, etwa Ingenieurwissenschaften. Außerdem male ich sehr viel, deshalb wäre das ein Plan für einen Nebenverdienst. Das alles würde ich am liebsten aber erst nach meiner Squash-Karriere machen.

Hast Du Vorbilder?

Murrizi: Ja, und ich darf ihnen hier auch über die Schulter schauen: Simon Rösner, Raphael Kandra und Franziska Hennes. Simon ist mein größtes Vorbild. Ich finde so inspirierend an ihm, dass auch er in meinem Alter nach Paderborn gezogen und so weit gekommen ist. Nicht, weil ihm viel geschenkt wurde, sondern weil er lange und hart an sich gearbeitet hat.

Bist du glücklich über deine Entscheidung, nach Paderborn zu ziehen?

Murrizi: Diese Entscheidung war einer meiner besten Entscheidungen, wenn nicht sogar die beste in meinem Leben. Vor meinem Umzug nach Paderborn stand ich an einem Scheideweg. Durch Corona und andere Faktoren habe ich mit dem Gedanken gespielt, mit Squash aufzuhören. Deshalb gab es zwei Wege. Entweder, ich höre auf, oder ich ziehe ins Internat und gebe alles, um meine Träume zu verwirklichen. Nun bin ich hier und weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich bin stolz auf mich selbst.

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