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Elsener Luftgewehr-Trio bewirbt sich um Platz in der Nationalmannschaft

Die Frauen sind am Drücker

Paderborn (WB/jm). Die Nationalmannschaft lockt. Denise Palberg, Lara Quickstern und Tjark Jahnke eint vom 7. bis 10. August ein Ziel: Das Luftgewehr-Trio vom SSV St. Hubertus Elsen möchte bei der ersten von insgesamt drei Sichtungen bis Ende September auf der Olympia-Schießanlage in Garching-Hochbrück nördlich von München einen guten Eindruck bei den Bundestrainern hinterlassen.

Endlich wieder ein Ziel: Jura-Studentin Lara Quickstern wähnt sich für die Nationalmannschafts-Sichtung auf der Olympia-Schießanlage in München gerüstet.

„Ich versuche mein Bestes abzurufen, aber das Ergebnis ist für mich eher zweitrangig“, erzählt Debütantin Lara Quickstern (20). Beim Messen mit den Besten will die Jura-Studentin nach der langen Corona-Zwangspause – seit Ende Mai ist wieder Training im heimischen Schießsportzentrum Am Mühlenteich möglich – „erstmal wieder reinkommen und ein Gefühl entwickeln. Aber ich starte ja nicht bei Null.“

Lara Quickstern

Die Wochen, in denen kein reguläres Schießtraining möglich war, hat Lara Quickstern mit Ausdauersport gefüllt. Joggen und Radfahren standen reichlich auf dem Trainingsplan. Die körperliche Verfassung spielt beim Schießen immer eine Rolle. Und zusätzlich „Trockentraining“, soweit es möglich war. Halteübungen, Zielen, Abziehen. Richtiger Atemrhythmus. Irgendwie bestmöglich den ganzen Organismus physisch und psychisch auf das scharfe Schießen vorbereiten.

Um den Ernstfall zu simulieren, nutzte Lara Quickstern wie alle Profis das moderne Scatt-System, um ihre technischen Fähigkeiten zu schulen. Die russische Zielweg-Darstellung ist seit 30 Jahren das Maß der Dinge im sportlichen Schießen. Dabei wird ein elektronischer optischer Sensor am Lauf befestigt. Zielt die Elsenerin auf die in ein paar Metern Abstand aufgehängte Scheibe, kann eine Ablaufverfolgung des Zielpunktes in Echtzeit auf einem Bildschirm verfolgt werden. Beim Betätigen des Abzugs – geschossen wird mit einem Infrarotlichtstrahl – wird der Auftreffpunkt auf dem Display angezeigt. Sämtliche Ergebnisse der Trainingseinheit können zur späteren Analyse aufgezeichnet werden. Die Zielbewegungskurve, die der Computer anzeigt, liefert vollständige Informationen über die Genauigkeit des Zielens und über Fehler, die vor, während und nach dem Schuss gemacht werden. „Es hat ganz gut geklappt, die Leistungen waren konstant. Trotzdem ist es schon ein bisschen langweilig und nicht zu vergleichen mit richtigem Schießen“, entgegnet Lara Quickstern, die ihr erstes Jahr bei den Frauen absolviert. „Das ist eine ganz andere Nummer als bei den Juniorinnen“, backt sie erstmal kleine Brötchen.

Kommissarin Denise Palberg kürte sich 2019 zur Polizei-Europameisterin. Sie füllte die coronabedingte Zwangspause vermehrt mit Ausdauer- und Fitnesseinheiten. Foto:

Ebenfalls zum Perspektivkader zählt Kommissarin Denise Palberg. Die 22-Jährige hat ihr erstes Jahr in der Nationalmannschaft bereits hinter sich und kürte sich vor Jahresfrist in Suhl zur zweifachen Polizei-Europameisterin. Die Ranglisten-Optik gilt es nun zu bestätigen. Auch sie hat sich in der Zwangspause („Das war schon komisch“) vermehrt auf Ausdauer- und Fitness-Einheiten konzentriert; Scatt kam für sie weniger infrage. „Seitdem wir wieder schießen dürfen, bin ich regelmäßig zweimal in der Woche im Landesleistungszentrum in Dortmund“, sagt die Frau aus Holzwickede und ist froh, dass die Bundesliga wie geplant – und wie berichtet – im Oktober beginnen soll. „Gut, dass die Ungewissheit vorbei ist.“

Denise Palberg

Kollegin Lara Quickstern hat ihre Strafrecht-Klausur inzwischen erfolgreich gemeistert. Die Studentin hat das Ja zur Saison ebenfalls erleichtert zur Kenntnis genommen. „Endlich wieder ein Ziel“, sagt sie. „Das ist die beste Motivation, trainieren zu gehen.“

Luftgewehrschießen ist weiblich. In den Kadern der Bundesligisten sind meist die Frauen am Drücker, sie haben oft eine ruhigere Hand. In München werfen die Bundestrainer vor allem ein Augenmerk auf die Perspektive und die Entwicklung der Schützinnen.

Die Top drei der Frauen um Isabella Straub dürfen Deutschland Anfang 2021 beim Weltcup vertreten, und dann gibt es ja im nächsten Jahr noch ein erstrebenswertes Ziel: die Olympischen Spiele in Tokio. Denise Palberg gibt sich keinen Illusionen hin. „Nee, da bin ich raus. Die Quali-Wettkämpfe sind vorbei.“

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